Nach der sowjetischen Winteroffensive stand die Rote Armee
Ende Januar 1945 entlang der Oder und Lausitzer Neiße von
Stettin bis Görlitz knapp 80 Kilometer vor Berlin. Die Eroberung
der deutschen Reichshauptstadt war ausgegebenes Ziel der sowjetischen
Führung unter Josef W. Stalin. Im Februar und März
brachten die Sowjets rund 2,5 Millionen Soldaten mit über
6.000 Panzern sowie 7.500 Flugzeugen für den Angriff auf Berlin
in Stellung. Ihnen gegenüber standen rund eine Million deutsche
Soldaten, die sich aus Resten von Wehrmachtsarmeen, Einheiten
der Waffen-SS und deren Hilfstruppen sowie aus improvisierten
Verbänden von Polizei und Volkssturm zusammensetzten.
Kaum 800 Panzer konnten die Verteidiger aufbieten, die zudem unter
erheblichem Munitions- und Treibstoffmangel litten. Adolf Hitler schritt währenddessen am 20. März noch einmal die Front seines letzten Aufgebots ab: halbwüchsige Hitlerjungen, denen er im Hof der Reichskanzlei das Eiserne Kreuz verlieh.
Am 16. April 1945 leitete die Rote Armee mit einem Zangenangriff
auf Berlin das nahe Ende des NS-Regimes ein. Die 1. Ukrainische
Front unter Marschall Iwan Konew (1897-1973) überrollte
die deutschen Verteidigungsstellungen an der Lausitzer Neiße
südlich von Berlin, während die 1. Weißrussische
Front unter Georgij K. Schukow nach verlustreichen Kämpfen
auf den Seelower Höhen die Stadt im Norden umging.
Als bereits erste sowjetische Stoßtrupps in den nordöstlichen
Berliner Stadtrand eindrangen, empfing Hitler am Nachmittag des 20. April im Bunker unter
der Reichskanzlei aus Anlass seines 56. Geburtstags ein letztes
Mal Teile der politischen Führung des NS-Regimes. Während
es Hermann Göring, Heinrich Himmler, Joachim
von Ribbentrop, Karl Dönitz und Albert Speer
in den folgenden Tagen vorzogen, das von der vollständigen
Einschließung bedrohte Berlin zu verlassen, entschieden
sich Hitler und die ihm treu ergebenen Joseph Goebbels
und Martin Bormann zum Ausharren. Noch immer waren sie
von der Kriegswende überzeugt, wozu auch der als "Fügung
des Schicksals" angesehene Tod des amerikanischen Präsidenten
Franklin D. Roosevelt am 12. April beigetragen hatte.
Während bei der im Bunker verbliebenen NS-Führung in
den letzten Apriltagen zwanghaft optimistische Hoffnung herrschte,
breitete sich in ihrer Umgebung eine sonderbar bizarre Weltuntergangsstimmung
aus. Wiederholt ließ Hitler um Ruhe bitten, wenn alkoholisierte
SS-Wachmänner mit den Sekretärinnen der Reichskanzlei
tanzten und feierten.
Die Bevölkerung suchte während der Kämpfe in Kellern
und Bunkern Schutz. Den in Kampfblättern bis zuletzt ausgegebenen Durchhalteparolen
mit den Ankündigungen eines deutschen Endsiegs durch Entsatzarmeen
und so genannten Wunderwaffen wie den V-Raketen schenkte sie wenig Glauben.
Rund zwei Millionen im zerstörten Berlin verbliebene und
von täglichen Luft- und Artillerieangriffen zermürbte
Einwohner hegten einzig den Wunsch, das auf sie hereingebrochene
Inferno unversehrt zu überstehen. Der Tod drohte dabei nicht
nur durch sowjetische Granaten. Gemäß einem Führerbefehl
Hitlers vom 22. April wurden in den letzten Kriegstagen noch ungezählte
Zivilisten und Soldaten von fanatischen Einsatzkommandos der Waffen-SS
rücksichtslos erschossen, wenn sie in Verdacht standen, die
deutsche Widerstandskraft zu schwächen.
Nur in vergleichsweise zähen und verlustreichen Straßenkämpfen
gelang es den Sowjets, in das Zentrum Berlins vorzustoßen.
Am 30. April hissten Rotarmisten auf der Spitze des zuvor
von Freiwilligen der französischen Waffen-SS Einheit "Charlemagne"
verteidigten Reichstags die rote Fahne mit Hammer und Sichel.
Wenige hundert Meter entfernt hatte sich Hitler Stunden zuvor
in seinem Bunker das Leben genommen, nachdem er erfahren hatte,
dass ein letzter Entsatzversuch der deutschen 12. Armee unter
General Walther Wenck (1900-1982) einen Tag zuvor bei Potsdam
abgebrochen werden musste. Am 2. Mai 1945 streckten die letzten
versprengten Wehrmachtsverbände in der Stadt ihre Waffen.
Eine Woche darauf unterzeichnete der Chef des Oberkommandos
der Wehrmacht (OKW), Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel,
am 8./9. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst
die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte.
(as)
Persönliche Erinnerungen an die Kämpfe um Berlin:
Ilse Schier-Weimann: Letzte Kriegstage in Berlin
Gerda Langosch: Die letzte Kriegstage in Berlin
Dorothea Günther: Kriegsende in Potsdam 1945