Am 17. Juni 1940 ersuchte
Henri Philippe Pétain
bei der Führung des Deutschen Reichs um Waffenstillstand, nachdem
er am Tag zuvor
Paul Reynaud als französischen Ministerpräsidenten abgelöst hatte.
Dem aus zahlreichen Kämpfen des
Ersten Weltkrieges verdienten 85jährigen Marschall Pétain war bewusst,
dass sein Land nur fünf Wochen nach Beginn der deutschen
Westoffensive
den Kampf verloren hatte. Der deutschen
Wehrmacht gelang damit unter geringen Verlusten innerhalb kürzester Zeit,
was die kaiserliche deutsche Armee zwischen 1914 und 1918 im verheerenden Stellungskrieg vergeblich versucht hatte.
Der Waffenstillstand wurde am 22. Juni 1940 von den Generalen
Wilhelm Keitel und Charles Huntziger (1880-1941) im Wald von Compiègne
unterzeichnet. Ganz bewusst suchte
Adolf Hitler diesen Ort für die Unterzeichnung der Dokumente aus, wo am 11.
November 1918 schon der
Waffenstillstand
des Ersten Weltkrieges unterzeichnet worden war. Den historischen
hölzernen Salonwagen, in dem der französische Marschall
Ferdinand Foch den Deutschen damals die Bedingungen diktiert hatte, ließ er eigens
aus dem Museum von Compiègne zu derselben Stelle im Wald
bringen. Die Weltpresse lud Hitler zu dem Schauplatz ein, wo er
Revanche für die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg und
für die von den meisten Deutschen empfundene nationale
"Schmach" des
Versailler Vertrages zu nehmen gedachte.
Allerdings fielen die von Hitler konzipierten
Waffenstillstandsbedingungen gemäßigter aus, als es von den
Franzosen befürchtet worden war. Die Nordhälfte Frankreichs
unter Einschluss der Industriegebiete sowie der
französischen Kanal- und Atlantikküste bis zur spanischen
Grenze unterstand ab Sommer 1940 einem deutschen
Besatzungsregime, die Südhälfte der
Vichy-Regierung, die begrenzte Selbständigkeit erhielt.
Das französische Kolonialreich blieb unangetastet. Zur Wahrung der
inneren Ordnung durfte Frankreich ein Heer von 100.000
Mann unterhalten. Elsass und Lothringen wurden der
Zivilverwaltung der angrenzenden deutschen Gaue unterstellt und
faktisch, wenn auch nicht staatsrechtlich, vom Deutschen Reich
annektiert.
Mit dem Waffenstillstand gab Hitler der französischen Regierung
kaum Gründe, die sie hätten bewegen können, den Krieg
gegen Deutschland von ihren Kolonien aus fortzusetzen. Auch wollte er
Großbritannien signalisieren, dass er nicht die Ausbeutung
oder Vernichtung Frankreichs anstrebe. Hitlers Intention, den
britischen Premierminister
Winston Churchill dadurch bewegen zu können, auf ein deutsches Friedensangebot an
Großbritannien einzugehen, erfüllte sich hingegen nicht. Am
16. Juli 1940 befahl er daher die
Vorbereitungen zur Invasion in England.
(as)