|
|
1939-1945Kriegsverlauf
Gemäß einem Geheimen Zusatzprotokoll des "Hitler-Stalin-Pakts" war die Rote Armee am 17. September in Ostpolen
einmarschiert. Am 28. September unterzeichnete Reichsaußenminister
Joachim von Ribbentrop in Moskau den deutsch-sowjetischen
Grenz- und Freundschaftsvertrag,
der die deutsche Interessensphäre
Zwei Tage nach Beginn des Angriffs auf Polen erfolgten die Kriegserklärungen
Frankreichs und Großbritanniens an das Deutsche Reich. In
Überschätzung der militärischen Stärke der
Wehrmacht unterließen sie jedoch einen Angriff. Frankreich
war ganz auf seine Defensivtaktik hinter der Maginot-Linie
eingestellt, wo während des "Sitzkrieges"
von September 1939 bis Mai 1940 über 20 Divisionen untätig
in Bunkern ausharrten. Die Regierungen in Paris und London setzten
ganz auf den Erfolg einer umfassenden Wirtschaftsblockade gegen Deutschland. In der Nordsee sollte die britische
Royal Navy den Handel neutraler Staaten mit Deutschland verhindern.
Der Seekrieg brachte in den ersten Kriegstagen aber vor allem Erfolge der zahlenmäßig unterlegenen deutschen Kriegsmarine.
Zur Sicherung der Nachschubverbindungen und der Ostseezugänge
erfolgte gleichzeitig die Besetzung Dänemarks.
Während die dänische Armee angesichts der militärischen
Übermacht der Deutschen nahezu kampflos kapitulierte, leisteten
die von britischen, französischen und exilpolnischen Verbänden
unterstützten sechs norwegischen Divisionen zwei Monate erbitterten
Widerstand. In der heftig geführten Schlacht um Narvik
erlitt vor allem die deutsche Kriegsmarine erhebliche Verluste.
Die Kapitulation Norwegens am 10. Juni sowie die Installierung
eines Besatzungsregimes unter Josef Terboven
erfolgten erst, nachdem die britischen und französischen
Einheiten aufgrund der deutschen Westoffensive gegen Frankreich
und die Benelux-Staaten Anfang Juni 1940 abgezogen worden waren.
Der Angriffsschwerpunkt der deutschen Offensive lag bei der Heeresgruppe
A im mittleren Frontabschnitt. Nach dem Vorstoß durch
die Ardennen erreichten deutsche Panzerverbände nach
zehn Tagen die Mündung der Somme und die französische
Kanalküste. Belgien kapitulierte daraufhin am 28. Mai. Die
Niederlande hatten nach deutschen Luftlandeunternehmen
und der Bombardierung von Rotterdam bereits am 15. Mai
ihre Kapitulation erklärt.
Am 5. Juni setzte mit der "Schlacht um Frankreich"
die zweite Phase der Offensive ein. In mehreren Stoßrichtungen
rückte die Wehrmacht nach Süden und Südosten vor.
Die Heeresgruppe B erreichte am 9. Juni die untere Seine.
Fünf
Tage später erfolgte kampflos der deutsche Einmarsch in
Paris, nachdem sich die französische Regierung nach Bordeaux zurückgezogen hatte.
Die aussichtslose militärische Lage zwang den französischen
Regierungschef Henri Philippe Pétain am 17. Juni,
um Waffenstillstand nachzusuchen. Der fünf Tage später
im Wald von Compiègne unterzeichnete Waffenstillstandsvertrag
stellte drei Fünftel Frankreichs mit den wichtigsten Industriestädten
unter deutsche Besatzung. Das unbesetzte südliche
Gebiet wurde dem Vichy-Regime unterstellt. In London bildete
Charles de Gaulle die französische Exilregierung.
Nach dem kaum erwarteten schnellen deutschen Triumph über
Frankreich schien das Deutsche Reich die Hegemonie über weite Teile Europas errungen zu
haben. Das am 27. September 1940 unterzeichnete Dreimächteabkommen
zwischen Deutschland, Italien und Japan sollte die expansionsorientierte
Außenpolitik aller drei Staaten absichern.
Einen herben Rückschlag erlitten die deutschen Expansionsgelüste
jedoch durch das Scheitern der geplanten Invasion in Großbritannien,
zu deren Vorbereitung am 13. August die "Luftschlacht um England" begann. Die deutsche Luftwaffe scheiterte allerdings
an der Eroberung der Luftüberlegenheit und der Zerstörung
englischer Rüstungsindustrien. Der Invasionsplan wurde nach
schweren Verlusten Ende des Jahrs aufgegeben.
Für das Jahr 1941 verlangte Hitler den ursprünglich
für Herbst 1940 vorgesehenen Krieg gegen die
Sowjetunion und die Eroberung von "Lebensraums im Osten".
Zuvor sah sich die deutsche Führung jedoch auf Bitte von
Benito Mussolini gezwungen, dem in Nordafrika bedrängten
italienischen Bündnispartner zu Hilfe zu eilen.
Um das Mittelmeer
Ein weiterer Nebenkriegsschauplatz wurde im Frühjahr durch
den Balkanfeldzug eröffnet. Nach ihrem Angriff auf
Griechenland Ende Oktober 1940 waren die italienischen Truppen
auch auf dem Balkan durch die Briten arg in Bedrängnis geraten.
Zur Abwendung einer italienischen Niederlage und zur Sicherung
der Südostflanke beim geplanten "Russlandfeldzug" begannen am 6. April die deutschen Angriffe auf
Griechenland und Jugoslawien. Die jugoslawische
Armee kapitulierte am 17. April bedingungslos. Vier Tage später
ergab sich die griechische Heeresführung nach zum Teil erbittert
geführten Kämpfen, am 27. April wehte die Hakenkreuzfahne auf der Akropolis. Bis Mitte Mai war das griechische
Festland vollständig besetzt. Anfang Juni war auch die von
den Briten als Rückzugsgebiet genutzte Mittelmeerinsel Kreta
durch die Luftlandeoperation Merkur in der Hand deutscher
Fallschirmjäger.
Die sowjetische Luftwaffe war bereits nach wenigen Tagen durch
Zerstörung auf dem Boden nahezu vollständig ausgeschaltet
worden. Schon in den ersten Wochen gelang es deutschen Panzerkeilen
in gewaltigen Kesselschlachten,
Teile der Roten Armee zu besiegen. Hunderttausende Soldaten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft, die kaum
einer von ihnen in improvisierten Lagern ohne ausreichende Verpflegung
überlebte.
Entgegen dem Rat des Oberbefehlshabers des Heeres, Generalfeldmarschalls
Walther von Brauchitsch, suchte Hitler den "tödlichen
Stoß" gegen die Rote Armee auf den Flügeln auszuführen.
Während die Heeresgruppe Süd Richtung Krim vorstieß,
um das Erz- und Industrierevier im Donezbecken sowie kaukasische
Erdölgebiete zu erobern, begann die Heeresgruppe Nord mit
der Eroberung der Ostseebasen und der 900 Tage andauernden Belagerung
von Leningrad, die Hunderttausenden von Eingeschlossenen den
Tod brachte.
Erst für den 2. Oktober befahl Hitler den Angriff auf
Moskau. In keiner Weise für die eisigen Temperaturen
ausgerüstet, endete die Winterschlacht 1941/42 für
die Wehrmacht in einer Katastrophe. Ende des Jahres 1941 war die
deutsche Angriffskraft erlahmt. Die sowjetische Gegenoffensive
setzte unmittelbar ein. Noch im Dezember übernahm Hitler,
der allein die Generale für das Scheitern des vorgesehenen "Blitzfeldzugs"
verantwortlich machte, das Oberkommando des Heeres.
In Nordafrika mussten die Deutschen Anfang November
einen weiträumigen Rückzug einleiten. Nach einem erfolgreichen
Vorstoß des Afrikakorps bis nach Ägypten in der ersten
Jahreshälfte wurde ihre Stellung in El-Alamein am 2.
November von den Briten überrannt. Im Westen Nordafrikas eröffnete
die Landung alliierter Streitkräfte in Marokko und Algerien
am 7./8. November eine zweite Front. Deutschland reagierte mit
dem Einmarsch in die unbesetzte südliche Hälfte Frankreichs,
um dort einer möglichen Invasion der Alliierten entgegentreten
zu können.
Immer häufiger schlug der Krieg im Verlauf des Jahres 1942
auf Deutschland zurück. Gezielt richteten sich die massiven
Luftangriffe der britischen Royal Air Force in zunehmendem
Maß gegen die Zivilbevölkerung, um deren Moral zu brechen.
Die zunächst auf westdeutsche Städte wie Köln und
Essen konzentrierten alliierten Flächenbombardements dehnten
sich seit Beginn des Jahrs über ganz Deutschland aus. Amerikanische
Tagesangriffe und die Nachteinsätze der Briten prägten
das Alltagsleben der Großstadtbewohner in immer stärkerem
Umfang. Trotz der zahlreich angeordneten Evakuierungsmaßnahmen waren die Folgen der Luftangriffe verheerend: Die Bombardierung von Hamburg im Juli 1943 forderte über 30.000 Menschenleben.
Auf See gewannen die Alliierten das Übergewicht. Nach
hohen Verlusten im U-Boot-Krieg brach der neue Oberbefehlshaber
der Marine, Karl Dönitz, die Atlantik-Schlacht im
Mai ab.
Im Gegensatz zur Sowjetunion verfügte das Deutsche Reich über
keine nennenswerten Reserven an Mensch und Material. Erschöpfung, schlechte Versorgung und Nachschubprobleme
ließen die Kampfkraft der deutschen Infanterie rapide sinken.
Zudem mussten starke Wehrmachtsverbände von Osten nach
Italien verlegt werden, um die europäische Südflanke
nach der Kapitulation der letzten deutsch-italienischen Afrikatruppen
im Mai sowie der alliierten Landung auf Sizilien im Juli
zu stabilisieren.
Nachdem das kriegsmüde Italien Ende Juli 1943 Mussolini staatsstreichartig
als "Duce" abgesetzt und Deutschland im Oktober den Krieg
erklärt hatte, musste sich die Wehrmacht dem alliierten Vormarsch
in Italien ohne Unterstützung des ehemaligen Bündnispartners
entgegenstellen.
Die sich immer deutlicher abzeichnende Niederlage setzte auch
regimefeindliche Verschwörer in der Wehrmacht unter
erheblichen Zeitdruck, wenn sie nach ihrem geplanten Umsturzversuch
nicht sämtliche Faustpfänder für Waffenstillstandsverhandlungen
verlieren wollten. Das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944
auf Hitler verschärfte aber nicht nur den innenpolitischen
Terror durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo); Hunderte
verhafteter und ermordeter Offiziere waren für die Wehrmacht
nicht mehr zu ersetzen.
Die sowjetische Frühjahrsoffensive 1944 auf einer
Breite von 1.100 Kilometern endete mit der Rückeroberung
der Krim und der restlichen Ukraine. Die Sommeroffensive 1944
setzte konzentrisch gegen die Heeresgruppe Mitte an, der innerhalb
von vier Wochen 28 ihrer 40 Divisionen verlorengingen. Durch
einen gewaltigen Einbruch in die deutsche Mittelfront stieß
die Rote Armee Richtung Ostpreußen und Weichsel vor.
Anfang
August kam sie 25 Kilometer vor Warschau zum Stehen. Dem beim
Nähern der Sowjets von der nationalpolnischen Untergrundarmee
entfachten Warschauer Aufstand verweigerte Stalin jedoch
jede Hilfe in Form von Entlastungsoffensiven oder Luftunterstützung.
Im Westen stießen 1,5 Millionen alliierte Soldaten nach
der Invasion in der Normandie
Im Westen besetzten die Alliierten bis zum 5. März das linksrheinische
Gebiet. Von den Brückenköpfen Remagen im Süden
und Wesel im Norden ausgehend, trieben sie anschließend einen
Umfassungskeil um das Ruhrgebiet. Der von Hitler angesichts der
Bedrohung der deutschen "Waffenschmiede" ausgegebene
Nero-Befehl, der die vollständige Zerstörung
sämtlicher Industrie-, Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen
beinhaltete, wurde von den deutschen Befehlshabern unterlaufen.
Am 18. April kapitulierten die im Ruhrkessel eingeschlossenen
325.000 Wehrmachtssoldaten. Bis Mitte April waren nahezu die gesamten nordwestlichen Reichsgebiete
auf der Linie Wittenberge-Magdeburg-Leipzig-Nürnberg von den
Alliierten erobert.
Das Propagandabild vom Bolschewisten sowie Grausamkeiten sowjetischer
Soldaten an deutschen Zivilisten lösten parallel zum sowjetischen
Vormarsch im Osten in den Wintermonaten 1944/45 eine Massenflucht
der deutschen Bevölkerung vor der Roten Armee aus Ostpreußen,
Pommern und Schlesien in das westliche Reichsgebiet aus.
Die an der gesamten Ostfront zwischen Memel und Karpaten einsetzende
Winteroffensive führte die Sowjets binnen weniger
Wochen an die Oder und Neiße. Am 16. April begann die erbittert
geführte Schlacht um Berlin, die Hitler in seinem
Wahn mit einem letzten Aufgebot an Hitlerjungen und schlecht ausgerüsteten Wehrmachtseinheiten noch glaubte gewinnen zu können. Erst als sich Soldaten der Roten Armee wenige hundert Meter an die von der französischen Waffen-SS-Einheit "Charlemagne" verteidigte Reichskanzlei herankämpften
und auch dem "Führer" die vollkommen ausweglose
militärische Situation deutlich wurde, verübte Hitler
am Abend des 30. April Selbstmord.
Weltweit fielen dem Zweiten Weltkrieg mehr als 50 Millionen Soldaten
und Zivilisten zum Opfer, unter ihnen über sechs Millionen
in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern (KZ) ermordete
Menschen. Das Deutsche Reich verlor während des Krieges schätzungsweise 3,8 bis 4 Millionen deutsche Soldaten und 1,65 Millionen Zivilisten. Die weitaus
meisten Toten beklagte mit über 25 Millionen Menschen die Sowjetunion. Relativ zur
Bevölkerungszahl hatte jedoch Polen den höchsten Blutzoll entrichtet: Rund 6 Millionen tote Polen entsprachen etwa 17 Prozent der Vorkriegsbevölkerung.
(as)
|
|