1939-1945

Kriegsverlauf


Weit mehr als im Ersten Weltkrieg wurden Kriegsführung und Kriegsverlauf im Zweiten Weltkrieg durch den Einsatz hochentwickelter Kriegstechnik bestimmt. Die raumgreifende Mobilität von Kraftfahrzeugen und Panzern verlieh den Kampfhandlungen einen ausgeprägten Bewegungscharakter. Den deutschen Feldzügen zu Kriegsbeginn lag das von der Wehrmacht entwickelte Konzept des überfallartigen "Blitzkriegs" zugrunde. Angesichts der für einen langen Stellungskrieg unzureichenden Ressourcen sollte der Gegner durch massiven Einsatz von Heer und Luftwaffe in gewaltigen Umfassungsschlachten innerhalb kürzester Zeit besiegt werden. Vor allem die Flächenbombardements der Luftstreitkräfte forderten enorme Verluste in der Zivilbevölkerung.
Der Krieg hatte von Anfang an einen globalen Charakter. Seit September 1939 befanden sich die Commonwealth-Mitglieder Australien, Neuseeland, Kanada und Südafrika sowie Indien im Krieg gegen Deutschland. Während das Deutsche Reich eine hegemoniale Großmachtstellung in Europa anstrebte, verfolgte das mit Deutschland befreundete Japan ähnliche Ziele im Fernen Osten.


Der Kriegsverlauf 1939

[Sonderdruck zum "Feld in Polen", 1939] Nach fingierten Grenzzwischenfällen begann am 1. September 1939 der deutsche Überfall auf Polen. In zwei Angriffskeilen stießen die Heeresgruppen Nord und Süd in einer umfassenden Zangenbewegung konzentrisch Richtung Warschau vor. Mit der geballten Kraft der technisch hochgerüsteten Wehrmacht wurde die polnische Armee bis zum 6. Oktober vernichtend geschlagen. Die Wehrmacht führte den Krieg in Polen vom ersten Tag an mit grausamer Härte. Bereits auf dem Vormarsch ermordeten deutsche Truppen, aber auch spezielle "Einsatzgruppen" der Polizei und der SS eine große Zahl polnischer Zivilisten und Kriegsgefangener. Als Vorwand für diese Morde dienten der Wehrmacht und den paramilitärischen Verbänden angebliche Partisanenüberfälle, Morde sowie Gewalttaten von Polen an deutschen Zivilisten.

Gemäß einem Geheimen Zusatzprotokoll des "Hitler-Stalin-Pakts" war die Rote Armee am 17. September in Ostpolen einmarschiert. Am 28. September unterzeichnete Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop in Moskau den deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag, der die deutsche Interessensphäre [Polnische Kriegsgefangene, 1939] nach Osten bis zum Bug verschob. Etwa die Hälfte des von der Wehrmacht besetzten polnischen Gebiets wurde dem Deutschen Reich als Reichsgaue "Danzig-Westpreußen" und "Wartheland" eingegliedert. "Restpolen" stand als "Generalgouvernement" fortan unter der Schreckensherrschaft eines von Hans Frank geführten Besatzungsregimes.

Zwei Tage nach Beginn des Angriffs auf Polen erfolgten die Kriegserklärungen Frankreichs und Großbritanniens an das Deutsche Reich. In Überschätzung der militärischen Stärke der Wehrmacht unterließen sie jedoch einen Angriff. Frankreich war ganz auf seine Defensivtaktik hinter der Maginot-Linie eingestellt, wo während des "Sitzkrieges" von September 1939 bis Mai 1940 über 20 Divisionen untätig in Bunkern ausharrten. Die Regierungen in Paris und London setzten ganz auf den Erfolg einer umfassenden Wirtschaftsblockade gegen Deutschland. In der Nordsee sollte die britische Royal Navy den Handel neutraler Staaten mit Deutschland verhindern. Der Seekrieg brachte in den ersten Kriegstagen aber vor allem Erfolge der zahlenmäßig unterlegenen deutschen Kriegsmarine.


Der Kriegsverlauf 1940

[Narvik-Schild, 1940] Der Krieg weitete sich 1940 auf Nord- und Westeuropa aus. Unabhängig von dem britischen Vorhaben, zur Durchsetzung der Wirtschaftsblockade Norwegen zu besetzen, plante auch das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) seit Kriegsbeginn aus rüstungswirtschaftlichen und militärstrategischen Aspekten die Besetzung Norwegens. Aus Furcht vor einem Festsetzen der Alliierten in Skandinavien und einer Front im Norden des Reiches begann
am 9. April die Landung von sieben deutschen Divisionen entlang der norwegischen Küste. Die Wehrmacht kam der bevorstehenden britischen Norwegenaktion dabei nur um wenige Stunden zuvor.

Zur Sicherung der Nachschubverbindungen und der Ostseezugänge erfolgte gleichzeitig die Besetzung Dänemarks. Während die dänische Armee angesichts der militärischen Übermacht der Deutschen nahezu kampflos kapitulierte, leisteten die von britischen, französischen und exilpolnischen Verbänden unterstützten sechs norwegischen Divisionen zwei Monate erbitterten Widerstand. In der heftig geführten Schlacht um Narvik erlitt vor allem die deutsche Kriegsmarine erhebliche Verluste.

Die Kapitulation Norwegens am 10. Juni sowie die Installierung eines Besatzungsregimes unter Josef Terboven erfolgten erst, nachdem die britischen und französischen Einheiten aufgrund der deutschen Westoffensive gegen Frankreich und die Benelux-Staaten Anfang Juni 1940 abgezogen worden waren.

[Zwei Wehrmachtssoldaten blicken auf das zerstörte Rotterdam, 1940] Die Offensive von drei Heeresgruppen der Wehrmacht gegen Frankreich war am 10. Mai nach dem von Generalleutnant Erich von Manstein ausgearbeiteten Angriffsplan "Sichelschnitt" erfolgt. Im Norden griff die Heeresgruppe B die neutralen Niederlande, Belgien und Luxemburg an, um die im Gegenzug in die Benelux-Staaten vorrückenden alliierten Streitkräfte zu binden.

Der Angriffsschwerpunkt der deutschen Offensive lag bei der Heeresgruppe A im mittleren Frontabschnitt. Nach dem Vorstoß durch die Ardennen erreichten deutsche Panzerverbände nach zehn Tagen die Mündung der Somme und die französische Kanalküste. Belgien kapitulierte daraufhin am 28. Mai. Die Niederlande hatten nach deutschen Luftlandeunternehmen und der Bombardierung von Rotterdam bereits am 15. Mai ihre Kapitulation erklärt.

Am 5. Juni setzte mit der "Schlacht um Frankreich" die zweite Phase der Offensive ein. In mehreren Stoßrichtungen rückte die Wehrmacht nach Süden und Südosten vor. Die Heeresgruppe B erreichte am 9. Juni die untere Seine. Fünf Tage später erfolgte kampflos der deutsche Einmarsch in Paris, nachdem sich die französische Regierung nach Bordeaux zurückgezogen hatte. [Photo: Deutsche Soldaten vor dem Eiffelturm, 1940] In Richtung Schweiz vorstoßende deutsche Panzerverbände schlossen die Maginot-Linie in Elsass-Lothringen von Westen her ein. Der Heeresgruppe C gelang gleichzeitig der Einbruch in die Verteidigungsstellung von Osten über den Oberrhein, wodurch das Gros der französischen Armee eingekesselt wurde.

Die aussichtslose militärische Lage zwang den französischen Regierungschef Henri Philippe Pétain am 17. Juni, um Waffenstillstand nachzusuchen. Der fünf Tage später im Wald von Compiègne unterzeichnete Waffenstillstandsvertrag stellte drei Fünftel Frankreichs mit den wichtigsten Industriestädten unter deutsche Besatzung. Das unbesetzte südliche Gebiet wurde dem Vichy-Regime unterstellt. In London bildete Charles de Gaulle die französische Exilregierung.

Nach dem kaum erwarteten schnellen deutschen Triumph über Frankreich schien das Deutsche Reich die Hegemonie über weite Teile Europas errungen zu haben. Das am 27. September 1940 unterzeichnete Dreimächteabkommen zwischen Deutschland, Italien und Japan sollte die expansionsorientierte Außenpolitik aller drei Staaten absichern.

Einen herben Rückschlag erlitten die deutschen Expansionsgelüste jedoch durch das Scheitern der geplanten Invasion in Großbritannien, zu deren Vorbereitung am 13. August die "Luftschlacht um England" begann. Die deutsche Luftwaffe scheiterte allerdings an der Eroberung der Luftüberlegenheit und der Zerstörung englischer Rüstungsindustrien. Der Invasionsplan wurde nach schweren Verlusten Ende des Jahrs aufgegeben.


Der Kriegsverlauf 1941

Für das Jahr 1941 verlangte Hitler den ursprünglich für Herbst 1940 vorgesehenen Krieg gegen die Sowjetunion und die Eroberung von "Lebensraums im Osten". Zuvor sah sich die deutsche Führung jedoch auf Bitte von Benito Mussolini gezwungen, dem in Nordafrika bedrängten italienischen Bündnispartner zu Hilfe zu eilen. Um das Mittelmeer [Photo: Hakenkreuzfahne auf der Akropolis, 1941] und die damit verwundbare europäische Südflanke nicht dem britischen Aktionsradius zu überlassen, landete im Februar das Deutsche Afrikakorps in Tripolis. Zu Beginn des Afrikafeldzugs stießen italienische und deutsche Truppen unter Führung von Erwin Rommel gegen überlegene britische Streitkräfte in den Osten Libyens vor. Starke Gegenangriffe der Briten warfen Rommels Afrikakorps allerdings bis Ende des Jahres auf seine Ausgangsstellung zurück.

Ein weiterer Nebenkriegsschauplatz wurde im Frühjahr durch den Balkanfeldzug eröffnet. Nach ihrem Angriff auf Griechenland Ende Oktober 1940 waren die italienischen Truppen auch auf dem Balkan durch die Briten arg in Bedrängnis geraten. Zur Abwendung einer italienischen Niederlage und zur Sicherung der Südostflanke beim geplanten "Russlandfeldzug" begannen am 6. April die deutschen Angriffe auf Griechenland und Jugoslawien. Die jugoslawische Armee kapitulierte am 17. April bedingungslos. Vier Tage später ergab sich die griechische Heeresführung nach zum Teil erbittert geführten Kämpfen, am 27. April wehte die Hakenkreuzfahne auf der Akropolis. Bis Mitte Mai war das griechische Festland vollständig besetzt. Anfang Juni war auch die von den Briten als Rückzugsgebiet genutzte Mittelmeerinsel Kreta durch die Luftlandeoperation Merkur in der Hand deutscher Fallschirmjäger.

[Photo: Sowjetische Kriegsgefangene, 1941] Die Planungen galten anschließend dem Überfall auf die Sowjetunion und der "Zerschlagung des Bolschewismus". Die deutsche Führung war überzeugt, die durch blutige "Säuberungen" von Josef W. Stalin geschwächte Rote Armee innerhalb weniger Monate bezwingen zu können. Die militärischen Anfangserfolge der Wehrmacht nach der Offensive vom 22. Juni 1941 schienen diese Auffassung zu bestätigen. Begünstigt wurde der schnelle Vorstoß von drei deutschen Heeresgruppen und ihren Verbündeten auf einer Linie zwischen Ostsee und Karpaten durch die äußerst offensiv ausgerichtete Aufstellung der Roten Armee unmittelbar hinter der deutsch-sowjetischen Demarkationslinie.

Die sowjetische Luftwaffe war bereits nach wenigen Tagen durch Zerstörung auf dem Boden nahezu vollständig ausgeschaltet worden. Schon in den ersten Wochen gelang es deutschen Panzerkeilen in gewaltigen Kesselschlachten, Teile der Roten Armee zu besiegen. Hunderttausende Soldaten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft, die kaum einer von ihnen in improvisierten Lagern ohne ausreichende Verpflegung überlebte.

[Photo: Als Partisanen erhängte sowjetische Zivilisten, 1941] Im Spätsommer waren das Baltikum sowie große Teile der Ukraine und Weißrußlands besetzt, welche mit ihren riesigen landwirtschaftlichen Anbauflächen die Lebensmittelversorgung im Deutschen Reich sicherstellen sollten. Die Deutschen wurden vor allem von den Ukrainern als "Befreier" aus dem "stalinistischen Joch" bejubelt. In den eroberten Gebieten begann jedoch unmittelbar hinter der Front der Terror von "Einsatzgruppen" mit der systematischen Ermordung von Juden, von kommunistischen Funktionären und von anderen als "Untermenschen" diffamierter Bewohner der Sowjetunion. Im Laufe der Zeit erhob sich daher ein erbitterter Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, die Teile der einheimischen Bevölkerung zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich verschleppten.

Entgegen dem Rat des Oberbefehlshabers des Heeres, Generalfeldmarschalls Walther von Brauchitsch, suchte Hitler den "tödlichen Stoß" gegen die Rote Armee auf den Flügeln auszuführen. Während die Heeresgruppe Süd Richtung Krim vorstieß, um das Erz- und Industrierevier im Donezbecken sowie kaukasische Erdölgebiete zu erobern, begann die Heeresgruppe Nord mit der Eroberung der Ostseebasen und der 900 Tage andauernden Belagerung von Leningrad, die Hunderttausenden von Eingeschlossenen den Tod brachte.

Erst für den 2. Oktober befahl Hitler den Angriff auf Moskau. In keiner Weise für die eisigen Temperaturen ausgerüstet, endete die Winterschlacht 1941/42 für die Wehrmacht in einer Katastrophe. Ende des Jahres 1941 war die deutsche Angriffskraft erlahmt. Die sowjetische Gegenoffensive setzte unmittelbar ein. Noch im Dezember übernahm Hitler, der allein die Generale für das Scheitern des vorgesehenen "Blitzfeldzugs" verantwortlich machte, das Oberkommando des Heeres.


Der Kriegsverlauf 1942

[Photo: Gefangennahme deutscher Soldaten bei El-Alamein, 1942] Der weitgehend auf Europa beschränkte Krieg weitete sich um die Jahreswende 1941/42 zu einem Weltkrieg aus. Vier Tage nach dem japanischen Angriff auf den US-Stützpunkt Pearl Harbour erklärte Hitler in völliger Überschätzung der militärischen Situation seinerseits am 11. Dezember 1941 den USA den Krieg. Der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten mit ihrem überlegenen Rüstungspotential sowie eine zu erwartende Landung der Amerikaner in Europa setzten den Feldzug im Osten unter erheblichen Zeitdruck.

In Nordafrika mussten die Deutschen Anfang November einen weiträumigen Rückzug einleiten. Nach einem erfolgreichen Vorstoß des Afrikakorps bis nach Ägypten in der ersten Jahreshälfte wurde ihre Stellung in El-Alamein am 2. November von den Briten überrannt. Im Westen Nordafrikas eröffnete die Landung alliierter Streitkräfte in Marokko und Algerien am 7./8. November eine zweite Front. Deutschland reagierte mit dem Einmarsch in die unbesetzte südliche Hälfte Frankreichs, um dort einer möglichen Invasion der Alliierten entgegentreten zu können.

[Photo: Kriegsgefangene nach der Schlacht um Stalingrad, 1943] In der Sowjetunion konnte die Wehrmacht bis zum Frühjahr 1942 nur unter enormen Verlusten den Zusammenbruch der Front verghindern. Monatelang waren starke deutsche Verbände ab Januar 1942 bei Demjansk und Cholm eingeschlossen. Die Kesselschlacht bei Charkow und die Eroberung von Sewastopol leiteten Ende Juni die große Sommeroffensive der Heeresgruppe Süd zu den kaukasischen Ölfeldern ein. Bedingt durch einen taktischen Rückzug der Roten Armee stieß die Heeresgruppe bis zum Don, der Wolga und tief in den Kaukasus vor. Die deutsche Machtausdehnung erreichte im Spätsommer 1942 ihren Höhepunkt, bevor die Wende des Kriegs einsetzte. Am 22. November schlossen die Sowjets die deutsche 6. Armee unter Friedrich Paulus im Kessel von Stalingrad ein. Ein Entsatzversuch scheiterte im Dezember an unzureichenden Kräften und katastrophalem Nachschub. Zur selben Zeit zogen sich die Wehrmachtsverbände aus dem Kaukasus zurück.

Immer häufiger schlug der Krieg im Verlauf des Jahres 1942 auf Deutschland zurück. Gezielt richteten sich die massiven Luftangriffe der britischen Royal Air Force in zunehmendem Maß gegen die Zivilbevölkerung, um deren Moral zu brechen.


Kriegsverlauf 1943

[NS-Propagandabroschüre über den "Totalen Krieg", 1943] An sämtlichen Kriegsschauplätzen ging das Gesetz des Handelns 1943 an die Alliierten über. Am 18. Februar, zweieinhalb Wochen nach der deutschen Kapitulation von Stalingrad, rief Propagandaminister Joseph Goebbels den "Totalen Krieg" aus. Allerdings konnte auch die Mobilisierung aller Kräfte an der Front und in der Heimat die zunehmenden Risse in der von Hitler gegen östlichen Bolschewismus und westlichen Kapitalismus proklamierten "Festung Europa" nicht überdecken.

Die zunächst auf westdeutsche Städte wie Köln und Essen konzentrierten alliierten Flächenbombardements dehnten sich seit Beginn des Jahrs über ganz Deutschland aus. Amerikanische Tagesangriffe und die Nachteinsätze der Briten prägten das Alltagsleben der Großstadtbewohner in immer stärkerem Umfang. Trotz der zahlreich angeordneten Evakuierungsmaßnahmen waren die Folgen der Luftangriffe verheerend: Die Bombardierung von Hamburg im Juli 1943 forderte über 30.000 Menschenleben.

Auf See gewannen die Alliierten das Übergewicht. Nach hohen Verlusten im U-Boot-Krieg brach der neue Oberbefehlshaber der Marine, Karl Dönitz, die Atlantik-Schlacht im Mai ab.

[Sowjetisches Propagandaplakat, 1943] An der Ostfront geriet die Wehrmacht 1943 vollständig in die Defensive. Ihre Rückzugsstrategie der "verbrannten Erde" oder das sinnlose Verteidigen von nicht haltbaren Stellungen wurden nur noch gelegentlich von kleineren Teiloffensiven unterbrochen. Auch die letzte deutsche Großoffensive "Zitadelle" mit der größten Panzerschlacht des Kriegs bei Kursk blieb nach nur wenigen Kilometern in der tief gestaffelten gegnerischen Verteidigung stecken. Der unmittelbar darauf einsetzenden sowjetischen Sommeroffensive 1943 in den südlichen Frontabschnitten zwischen Asowschem Meer und Dnepr gelangen dagegen tiefe Einbrüche in die deutschen Verteidigungsstellungen. Anfang November waren weite Teile der Ukraine einschließlich Kiews von der Roten Armee zurückerobert. Auch die Winteroffensive 1943/44 führte die Sowjets weiter unaufhaltsam nach Westen.

Im Gegensatz zur Sowjetunion verfügte das Deutsche Reich über keine nennenswerten Reserven an Mensch und Material. Erschöpfung, schlechte Versorgung und Nachschubprobleme ließen die Kampfkraft der deutschen Infanterie rapide sinken. Zudem mussten starke Wehrmachtsverbände von Osten nach Italien verlegt werden, um die europäische Südflanke nach der Kapitulation der letzten deutsch-italienischen Afrikatruppen im Mai sowie der alliierten Landung auf Sizilien im Juli zu stabilisieren.

Nachdem das kriegsmüde Italien Ende Juli 1943 Mussolini staatsstreichartig als "Duce" abgesetzt und Deutschland im Oktober den Krieg erklärt hatte, musste sich die Wehrmacht dem alliierten Vormarsch in Italien ohne Unterstützung des ehemaligen Bündnispartners entgegenstellen.


Der Kriegsverlauf 1944

[Photo: Volkssturm in Berlin, 1944] Sämtliche Fronten verschoben sich 1944 in Richtung Deutsches Reich. Unter dem Druck der deutschen Niederlagen fielen die Bündnispartner von Deutschland ab: Rumänien (25. August), Bulgarien (8. September), Finnland (19. September). Eine Absetzbewegung des Verbündeten Ungarn wurde im letzten Moment verhindert. Auch die deutsche Bevölkerung zweifelte 1944 zunehmend an dem vom NS-Regime unermüdlich propagierten "Endsieg". Die militärische Situation konnte weder von den als "Wunderwaffen" angekündigten V-Raketen noch vom verzweifelt einberufenen Volkssturm verbessert werden.

Die sich immer deutlicher abzeichnende Niederlage setzte auch regimefeindliche Verschwörer in der Wehrmacht unter erheblichen Zeitdruck, wenn sie nach ihrem geplanten Umsturzversuch nicht sämtliche Faustpfänder für Waffenstillstandsverhandlungen verlieren wollten. Das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler verschärfte aber nicht nur den innenpolitischen Terror durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo); Hunderte verhafteter und ermordeter Offiziere waren für die Wehrmacht nicht mehr zu ersetzen.

Die sowjetische Frühjahrsoffensive 1944 auf einer Breite von 1.100 Kilometern endete mit der Rückeroberung der Krim und der restlichen Ukraine. Die Sommeroffensive 1944 setzte konzentrisch gegen die Heeresgruppe Mitte an, der innerhalb von vier Wochen 28 ihrer 40 Divisionen verlorengingen. Durch einen gewaltigen Einbruch in die deutsche Mittelfront stieß die Rote Armee Richtung Ostpreußen und Weichsel vor. Anfang August kam sie 25 Kilometer vor Warschau zum Stehen. Dem beim Nähern der Sowjets von der nationalpolnischen Untergrundarmee entfachten Warschauer Aufstand verweigerte Stalin jedoch jede Hilfe in Form von Entlastungsoffensiven oder Luftunterstützung.

[Plakat: "Hinaus mit den Deutschen!" 1944] Nach ihrem Vordringen über Rumänien und Bulgarien stand die Rote Armee auch in Jugoslawien und Ungarn. Sämtliche Frontabschnitte zwischen Ostpreußen und Karpaten konnten von den Deutschen aber Ende des Jahrs ein letztes Mal stabilisiert werden.

Im Westen stießen 1,5 Millionen alliierte Soldaten nach der Invasion in der Normandie
vom 6. Juni aufgrund einer enormen Luftüberlegenheit - und unterstützt durch Sabotageaktionen der Résistance - unaufhaltsam Richtung Deutschland vor. Nach der Befreiung Frankreichs scheiterte die Eroberung des Ruhrgebiets im September allerdings an der fehlgeschlagenen Besetzung der Rheinbrücken bei Arnheim und Nimwegen hinter den deutschen Linien. Zwar wurde am 21. Oktober Aachen als erste deutsche Großstadt von den Amerikanern eingenommen, doch der Frontdurchbruch an der Reichsgrenze mißlang. Bei Wintereinbruch gelang der Wehrmacht unter Ausnutzung aller verfügbaren Reserven eine Stabilisierung der Westfront von der Schweizer Grenze bis zum Westwall. Mit der Ardennenoffensive Mitte Dezember versuchte das OKW in einer letzten Kraftanstrengung noch einmal vergeblich, dem Kriegsverlauf im Westen eine Wende zu geben.


Der Kriegsverlauf 1945

[Photo: Einnahme von Bensheim, 1945] Trotz eindringlicher Durchhalteparolen hielten die geschlossenen Frontlinien gegen die Übermacht der Angreifer nicht lange stand. Obwohl die Wehrmachtsverbände unmittelbar vor der sich abzeichnenden Niederlage kaum Auflösungserscheinungen zeigten, war ihre Kampfkraft erschöpft.

Im Westen besetzten die Alliierten bis zum 5. März das linksrheinische Gebiet. Von den Brückenköpfen Remagen im Süden und Wesel im Norden ausgehend, trieben sie anschließend einen Umfassungskeil um das Ruhrgebiet. Der von Hitler angesichts der Bedrohung der deutschen "Waffenschmiede" ausgegebene Nero-Befehl, der die vollständige Zerstörung sämtlicher Industrie-, Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen beinhaltete, wurde von den deutschen Befehlshabern unterlaufen. Am 18. April kapitulierten die im Ruhrkessel eingeschlossenen 325.000 Wehrmachtssoldaten. Bis Mitte April waren nahezu die gesamten nordwestlichen Reichsgebiete auf der Linie Wittenberge-Magdeburg-Leipzig-Nürnberg von den Alliierten erobert. [Photo: Hitler zeichnet jugendliche Volkssturmkämpfer mit dem Eisernen Kreuz aus, 1945] Am 25. April trafen sich Amerikaner und Sowjets in Torgau an der Elbe.

Das Propagandabild vom Bolschewisten sowie Grausamkeiten sowjetischer Soldaten an deutschen Zivilisten lösten parallel zum sowjetischen Vormarsch im Osten in den Wintermonaten 1944/45 eine Massenflucht der deutschen Bevölkerung vor der Roten Armee aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien in das westliche Reichsgebiet aus.

Die an der gesamten Ostfront zwischen Memel und Karpaten einsetzende Winteroffensive führte die Sowjets binnen weniger Wochen an die Oder und Neiße. Am 16. April begann die erbittert geführte Schlacht um Berlin, die Hitler in seinem Wahn mit einem letzten Aufgebot an Hitlerjungen und schlecht ausgerüsteten Wehrmachtseinheiten noch glaubte gewinnen zu können. Erst als sich Soldaten der Roten Armee wenige hundert Meter an die von der französischen Waffen-SS-Einheit "Charlemagne" verteidigte Reichskanzlei herankämpften und auch dem "Führer" die vollkommen ausweglose militärische Situation deutlich wurde, verübte Hitler am Abend des 30. April Selbstmord.

[Photo: Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet die Kapitulationsurkunde, 1945] Um eine noch möglichst große Anzahl von Wehrmachtsangehörigen und flüchtenden Zivilisten in das westliche Reichsgebiet gelangen zu lassen, verfolgte der zu seinem Nachfolger ernannte Dönitz eine Taktik der Teilkapitulation gegenüber den Westalliierten. Im Hauptquartier des britischen Oberbefehlshabers Bernard L. Montgomery in der Lüneburger Heide erfolgte am 4. Mai die Kapitulation der deutschen Truppen in Dänemark, Nordwestdeutschland und den Niederlanden. Nach massivem Drängen der Alliierten erfolgte drei Tage später in Reims die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte durch Generaloberst Alfred Jodl, die am 8./9. Mai vom Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst wiederholt wurde.

Weltweit fielen dem Zweiten Weltkrieg mehr als 50 Millionen Soldaten und Zivilisten zum Opfer, unter ihnen über sechs Millionen in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern (KZ) ermordete Menschen. Das Deutsche Reich verlor während des Krieges schätzungsweise 3,8 bis 4 Millionen deutsche Soldaten und 1,65 Millionen Zivilisten. Die weitaus meisten Toten beklagte mit über 25 Millionen Menschen die Sowjetunion. Relativ zur Bevölkerungszahl hatte jedoch Polen den höchsten Blutzoll entrichtet: Rund 6 Millionen tote Polen entsprachen etwa 17 Prozent der Vorkriegsbevölkerung.

(as)



Persönliche Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg:


[Kollektives Gedächtnis] Werner Mork: Kriegsbeginn am 1. September 1939
[Kollektives Gedächtnis] Werner Mork: Als Soldat nach Paris 1940
[Kollektives Gedächtnis] Karl-August Scholtz: Vor Leningrad 1941/42
[Kollektives Gedächtnis] Hermann Lohmann: Einsatz bei Monte Cassino 1943
[Kollektives Gedächtnis] Werner Brähler: Frontbewährung in Russland 1944
[Kollektives Gedächtnis] Willi Witte: Kriegserlebnisse in Sylt
[Kollektives Gedächtnis] Willi Witte: Kriegserlebnisse in der Waffen-SS
[Kollektives Gedächtnis] Wolfgang Waldhauer: Als Luftwaffenhelfer 1944 in Berlin und Leuna
[Kollektives Gedächtnis] Horst Ahrens: Als Luftwaffenhelfer in Oberschlesien 1944
[Kollektives Gedächtnis] Hans Mendgen: Als Flaksoldat im Raum Mannheim 1945
[Kollektives Gedächtnis] Günter Hätte: Erleichterung in Italien 1945
[Kollektives Gedächtnis] Wolfgang Bohnes: Letztes Aufgebot - Auf dem Weg an die Front 1945
[Kollektives Gedächtnis] Dorothea Günther: Die Bombardierung Potsdams 1945
[Kollektives Gedächtnis] Werner Frischholz: Letzte Kriegstage in Norddeutschland 1945
[Kollektives Gedächtnis] Ursula Sabel: Das Kriegsende 1945 in Duisburg

[Kollektives Gedächtnis] Weitere Zeitzeugenberichte aus dem Kollektiven Gedächtnis



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