Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion stieß
die Panzergruppe 3 unter Generaloberst Hermann Hoth
nördlich des Frontbogens von Bialystok keilförmig in
das gegnerische Hinterland vor. Im Süden erfolgte der Angriff
durch die Panzergruppe 2 unter Generaloberst Heinz Guderian.
Am 26. Juni 1941 schlossen sie zusammen mit nachrückenden
Infanteriedivisionen zwischen Bialystok und der weißrussischen
Hauptstadt Minsk zwei Kessel um vier sowjetische Armeen mit zusammen
43 Divisionen.
Die Panzervorstöße erfolgten auf kaum befestigten Straßen.
Motorschäden durch Sandstaub überstiegen die Ausfälle
durch gegnerische Treffer. Den schnellen Einheiten folgte in Gewaltmärschen
die Infanterie, um den von Panzertruppen gebildeten Ring zu verstärken
und auszuräumen. Auch die deutschen Verluste waren aufgrund
zähen sowjetischen Widerstands beträchtlich. Verzweifelt
versuchten eingeschlossene Verbände, sich aus der Umzingelung
freizukämpfen. Jedoch trieben sowjetische Offiziere und Politkommissare
ihre Soldaten auch in militärisch aussichtslosen Ausbruchsversuchen
in offenen Sturmangriffen direkt in deutsches Feuer und den zumeist
sicheren Tod. Mit dem von Josef W. Stalin ausgegebenen
Befehl Halten oder sterben banden sie deutsche Truppen - ein für die Rote Armee beim Aufbau neuer Verteidigungslinien
kostbarer Zeitgewinn, der einen hohen Blutzoll forderte.
Die erste Kesselschlacht des Ostfeldzugs endete am 9. Juli 1941.
Ohne Nachschub mussten über 325.000 Rotarmisten kapitulieren
und sich in deutsche Kriegsgefangenschaft begeben. Nach
Ende der Schlacht bei Smolensk einen Monat später
erhöhte sich die Zahl sowjetischer Kriegsgefangener auf rund
das Doppelte.
(as)