Auf ihrer Konferenz in Washington im Mai 1943 einigten sich der
britische Premier Winston Churchill und
der amerikanische
Präsident Franklin D. Roosevelt auf eine Invasion
in Frankreich für das Frühjahr 1944.
Der Ansturm auf
die von Adolf Hitler deklarierte "Festung Europa"
durch Eröffnung einer Westfront sollte einen schnellen
militärischen Zusammenbruch Deutschlands bewirken. Die Alliierten nutzten das Jahr, um starke Truppenkontingente
von den USA und Kanada nach Großbritannien zu überführen
und eine gewaltige Armada für die Landungstruppen unter dem
Oberbefehl von Dwight D. Eisenhower zusammenzuziehen.
Mit über 3.100 Landungsbooten setzte in der Nacht zum 6.
Juni 1944 die erste Welle der Invasionsarmee von Großbritannien
nach Frankreich über. Unter dem Feuerschutz von 1.200 Kriegsschiffen
und 7.500 Flugzeugen landeten im Morgengrauen rund 150.000 Amerikaner,
Briten, Franzosen, Polen sowie Kanadier und weitere Commonwealth-Angehörige
an fünf verschiedenen Stränden der Normandie. Gleichzeitig
brachten Fallschirmjäger und Luftlandetruppen wichtige strategische
Punkte im Hinterland unter ihre Kontrolle.
Am 12. Juni gelang
es rund 330.000 alliierten Soldaten mit 54.000 Fahrzeugen, die
fünf Landungsköpfe zu einer zusammenhängenden Front
von 100 Kilometern Länge und 30 Kilometern Tiefe zu verbinden.
Zu diesem Zeitpunkt hielt Hitler die Invasion in der Normandie
noch immer für ein Täuschungsmanöver. Zwar hatten
er und die Wehrmachtsführung ein alliiertes Landungsunternehmen
seit langem erwartet, jedoch an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals
bei Calais. Dort hatten die Deutschen den "Atlantikwall"
am stärksten ausgebaut, und dort befand sich der Großteil
der 58 im Westen stationierten deutschen Divisionen unter dem
Oberbefehlshaber West, Gerd von Rundstedt. Die Invasion
traf die Wehrmacht daher unvorbereitet. Zudem hatte die
deutsche Wetteraufklärung eine Landung für den Zeitpunkt
als unmöglich bezeichnet, wodurch es zu erheblichen Befehlskomplikationen
kam, da ein Teil der deutschen Kommandeure zum Amüsieren
in Paris weilte. Unübersichtliche Kommandostrukturen und
Kompetenzchaos innerhalb der Wehrmachtsführung lähmten
auch in den folgenden Wochen deutsche Gegenmaßnahmen oder
die Entsendung von Reserveeinheiten in die Normandie.
Als sich Ende Juni die alliierte Streitmacht auf knapp eine Million
Soldaten und 150.000 Fahrzeuge erhöhte und das Ausmaß
der Invasion unverkennbar geworden war, lehnte es Hitler noch
immer ab, den in der Normandie kämpfenden deutschen Einheiten
Verstärkung aus Ostfrankreich zukommen zu lassen. Am Erfolg
der Invasion bestand zu diesem Zeitpunkt kein Zweifel mehr. Sabotageaktionen
der französischen Résistance hatten das deutsche
Verkehrs- und Kommunikationsnetz empfindlich gestört. Während
die Alliierten über die uneingeschränkte See- und Lufthoheit
verfügten, litt die an der Atlantikküste kämpfende
deutsche Heeresgruppe B unter Erwin Rommel an erheblichem
Nachschubmangel. Zudem waren die deutschen Truppen in der Normandie
keineswegs kampferprobt, oder sie bestanden zum Teil aus den in
den besetzten sowjetischen Gebieten rekrutierten "Osttruppen".
Deren Kampfmotivation hielt sich ebenso in Grenzen wie diejenige
der Indischen Legion der Waffen-SS, die aus ehemaligen
Kriegsgefangenen bestand und nun in der Normandie für ein
von Großbritannien unabhängiges "Freies Indien"
kämpfen musste.
Trotz alliierter Überlegenheit verlief der britisch-amerikanische
Vorstoß in das Landesinnere nicht wie geplant. Immer wieder
wurde er von deutschen Infanterieeinheiten aufgehalten, die das
unübersichtliche Terrain zum eigenen Vorteil ausnutzten oder
dazu übergegangen waren, einzelne Ortschaften zäh zu
verteidigen.
Die strategisch wichtige Hafenstadt Cherbourg im
Norden der Halbinsel Cotentin konnte erst Ende Juni von den Amerikanern
eingenommen werden. Caen sollte von den Briten bereits am "D-Day",
dem ersten Tag der Invasion, erobert werden, jedoch dauerte der
Kampf um die Stadt bis Mitte Juli 1944. Am 31. Juli durchbrachen
die Amerikaner schließlich die deutsche Front bei Avranches.
Das französische Hinterland stand den Alliierten nunmehr
für einen weiträumigen Bewegungskrieg und für die
Befreiung Frankreichs offen.
(as)