Nach dem Durchbruch durch die französische Verteidigungslinie
entlang von Somme und Aisne erreichten starke Panzerverbände
der deutschen Heeresgruppe B drei Tage nach Beginn der Schlacht um Frankreich am 8. Juni 1940 die untere Seine bei Rouen.
Gleichzeitig stieß die Heeresgruppe A in Richtung Marne-Linie
vor. Vor den unmittelbar auf Paris anrückenden deutschen
Truppen zog sich die französische Regierung über Tours
nach Bordeaux zurück. Auch Tausende Einwohner flüchteten
aus der Metropole.
Auf Paris wurde die deutsche 18. Armee unter Generaloberst Georg
von Küchler angesetzt. Nachdem sich das Armeeoberkommando
18 durch einen Unterhändler die Räumung der Stadt durch
die französische
7. Armee hatte zusichern lassen, zogen die
Wehrmachtsverbände am 14. Juni kampflos in das menschenleer
wirkende Paris ein. Mit der Einnahme der gegnerischen Hauptstadt
waren keine strategischen Ziele verbunden. Die Wehrmacht demonstrierte
den sich abzeichnenden militärischen Triumph des Deutschen
Reichs über Frankreich an symbolträchtigem Ort: Am Arc
de Triomphe nahmen Küchler und der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe
B, Generaloberst Fedor von Bock, den Vorbeimarsch der 18.
Armee ab. Allerdings fiel die Parade bescheidener aus, als sich
dies Adolf Hitler wegen des außenpolitischen Prestiges
wünschte. Soldaten und Panzerverbände wurden bis zur
französischen Kapitulation noch immer auf dem Kriegsschauplatz
benötigt.
Was die kaiserliche deutsche Armee in verlustreichen Schlachten des Ersten Weltkrieges vergeblich versucht hatte, gelang der Wehrmacht in knapp einem Monat. Kaum ein deutscher Soldat in Paris wollte es sich nehmen lassen, sich vor dem Eiffelturm, dem Wahrzeichen der Stadt, fotografieren zu lassen. Paris übte auch wegen der vielen Amüsiermöglichkeiten große Anziehungskraft auf deutsche Soldaten aus. Die Militärbehörden reglementierten den Besuch von Wehrmachtsangehörigen in der Stadt in den folgenden Monaten streng.
(as)