Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am
22. Juni 1941 rief Josef Stalin die sowjetische Bevölkerung
in den besetzten Gebieten dazu auf, einen umfassenden "Volkskrieg"
im Hinterland des Feindes zu organisieren. Doch verhielten sich
Teile der Zivilbevölkerung anfänglich noch abwartend
oder sogar tendenziell freundlich den Deutschen gegenüber.
Vor allem die Bevölkerung des Baltikums und viele Ukrainer
begrüßten die Wehrmacht als Befreier vom stalinistischen
Regime. Mit zunehmender Brutalisierung der Besatzungsmacht stieg
jedoch die Unterstützung für die Partisanen. Im Frühjahr
1942 setzte ein wirksamer Partisanenkrieg gegen die Deutschen
ein, der von beiden Seiten mit beispielloser Härte geführt
wurde. Verstärkt wurde der Hass auf die Deutschen auch
durch wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete, durch
die der Bevölkerung ihre Existenzgrundlagen weitgehend entzogen
wurden.
Einen alles umfassenden "Volkskrieg", wie ihn Stalin
forderte, konnte die Partisanenbewegung allerdings nie entfachen.
Anfangs bestanden die Brigaden der Untergrundkämpfer hauptsächlich
aus versprengten Angehörigen der Roten Armee und der sowjetischen
Jugendorganisation Komsomol. Im weiteren Kriegsverlauf
setzten sich die Partisaneneinheiten aus - zum Teil zwangsrekrutierten
- männlichen Einwohnern der besetzten Gebiete zusammen. Aber
auch Frauen und Kinder waren unter den Partisanen zu finden. Ab
Mai 1942 wurde der Partisanenkrieg von der Kommunistischen Partei
der Sowjetunion (KPdSU), der Roten Armee und dem sowjetischen
Inlandsgeheimdienst "Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten"
(NKWD) allmählich stärker organisiert und militärischen
Strukturen unterworfen. Von Mai 1942 bis Januar 1944 existierte
- mit Unterbrechungen - ein "Zentralstab der Partisanenbewegung".
Die nur annäherungsweise bestimmbare Anzahl der Partisanen
wuchs von Januar 1942 bis Sommer 1943 von ca. 30.000 auf etwa
200.000. Mit Rückeroberung der besetzten Gebiete durch die
Rote Armee reduzierte sie sich allerdings kontinuierlich. Insgesamt
kämpften zwischen 1941 und 1944 schätzungsweise rund
400.000 bis 500.000 Einwohner der Sowjetunion als Partisanen gegen
die Wehrmacht und ihre ausländischen Verbündeten. Sie
operierten zumeist in Gruppen von 300 bis zu 2.000 "Volksrächern"
- wie sie sich selbst bezeichneten. Ihr militärischer Ausbildungsstand
war uneinheitlich und variierte vom Spezialisten wie Scharfschützen
oder Sprengmeister bis zum "angelernten Bauern". Unterschlupf
fanden die Partisanen in getarnten Lagern, die sie vor allem in
den ausgedehnten und schwer zugänglichen Wald- und Sumpfgebieten
Weißrusslands und den besetzten Teilen der Ukraine
und Russlands aufgebaut hatten. Die Versorgung mit Waffen
und Gerät wurde zumeist durch die sowjetische Luftwaffe und
aus deutschem Beutegut gesichert. Verpflegung und Kleidung waren
häufig nur durch Requirierungen aus den jeweiligen Gebieten
zu erhalten. Die um ihr Überleben kämpfende Bevölkerung
litt dabei erheblich unter den gewaltsamen Plünderungen durch
Partisanen, die sich den Hass der Einheimischen zuzogen.
Die Partisanen kontrollierten jedoch häufig auch große
landwirtschaftliche Nutzflächen. Dadurch fügten sie
den deutschen Besatzungsbehörden auf dem Ernährungssektor
empfindliche Schäden zu, da die deutschen Armeen aus dem
besetzten Land versorgt werden sollten. Mit dem sogenannten Schienenkrieg
fügten die Partisanen der Wehrmacht ebenfalls hohe Verluste
zu. So wurden im rückwärtigen Gebiet der Heeresgruppe
Mitte - dem hauptsächlichen Operationsgebiet der Partisaneneinheiten
- zwischen Juni und Dezember 1942 durchschnittlich fünf bis
sechs Anschläge auf Bahneinrichtungen pro Tag verübt.
Im Jahr 1943 wurden insgesamt ca. 11.000 Gleissprengungen, 9.000
entgleiste Züge, 40.000 zerstörte Waggons und 22.000
vernichtete Fahrzeuge gezählt. Während der sowjetischen
Sommeroffensive 1943 erreichten diese Sabotageakte ihren
Höhepunkt. So beeinträchtigten die Partisanen die Verbindungslinien
und damit die Versorgung der deutschen Truppen mit Personal und
Gerät erheblich. Aber auch die sowjetischen Truppen, die
auf ihrem Vormarsch in großem Umfang die Bahn als Transportmittel
nutzten, hatten unter diesen Zerstörungen zu leiden. Daneben
banden die Partisanen größere deutsche Einheiten, da
ihre Überfälle und Sabotageakte stark erhöhte Sicherungsmaßnahmen
erforderlich machten.
Die Gegenmaßnahmen der Deutschen setzten 1942 massiv ein.
Von Adolf Hitler ausgegebene Weisungen sahen die "restlose
Ausrottung" der Partisanen im gesamten Ostraum vor. Der von
den Deutschen als "Bandenbekämpfung" - die Bezeichnung
Partisanen durfte seit Sommer 1942 aus psychologischen Gründen
nicht mehr gebraucht werden - geführte Krieg gegen die Partisaneneinheiten
war daher von Rücksichtslosigkeit und Brutalität geprägt.
Heinrich Himmler, Reichsführer der Schutzstaffel
(SS) und Chef der deutschen Polizei, hatte eigens dazu den Höheren
SS- und Polizeiführer (HSSPF) Erich von dem Bach-Zelewski
(1899-1972) zum "Bevollmächtigten für die Bandenbekämpfung"
ernannt. Neben Polizei- und SS-Einheiten waren auch einheimische
Hilfswillige und Wehrmachtstruppen für die Partisanenbekämpfung
in speziell dafür zusammengestellten "Jagdkommandos"
zuständig. Immer häufiger wurden aber auch unbeteiligte
Zivilisten Opfer der "Säuberungsaktionen". Zumeist
besetzten und umstellten die Deutschen nach einem Partisanenüberfall
ein Dorf, in dem sie Verdächtige vermuteten. Nachdem sie
die Einwohner einer Überprüfung unterzogen hatten, wurden
häufig diejenigen ausgesondert, die zur Zwangsarbeit für
fähig befunden wurden. Das Schicksal der übrigen blieb
in den Händen des jeweiligen Kommandeurs. Zur Abschreckung
der Bevölkerung wurden die Hingerichteten - tatsächliche
Partisanen wie bloße Verdächtige - oft tagelang hängen-
oder liegengelassen. Für die Jahre 1943 und 1944 sprachen
"Erfolgsmeldungen" deutscher Stellen von insgesamt ca.
150.000 getöteten und 91.000 gefangenen "Banditen".
Die tatsächliche Gesamtzahl der Opfer des Partisanenkriegs
lässt sich kaum beziffern, er dürfte aber Hunderttausende
sowjetischer Partisanen und Zivilisten sowie deutscher Soldaten
das Leben gekostet haben.
(tj)