Am 28. Juni 1940 besetzten sowjetische Truppen das rumänische
Bessarabien und die Nordbukowina. Die Besetzung und Annektierung
dieser Gebiete waren schon in einem geheimen Zusatzprotokoll zum
deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von August 1939 schriftlich
festgehalten worden. Zudem hatten Deutschland und die Sowjetunion
auch Umsiedlungsmaßnahmen der dort angesiedelten deutschstämmigen
Bevölkerung längerfristig geplant: Etwa 136.000 Bessarabien- und Nordbukowinadeutsche
wurden bis Mitte November 1940 ins Deutsche Reich - vor allem in
die von Polen annektierten Reichsgaue Wartheland und Danzig -
umgesiedelt.
Aufgrund seines Kriegseintritts 1916 hatte das Königreich
Rumänien Bessarabien nach Ende des Ersten Weltkriegs
von Sowjetrußland erhalten. Die Bukowina, Siebenbürgen
und das östliche Banat erhielt es vom aufgelösten Österreich-Ungarn
sowie die Dobrudscha von Bulgarien. Damit verdoppelte sich das
Staatsgebiet und die Einwohnerzahl Rumäniens, das 1940 aber
der Annektierung seiner Gebiete durch die übermächtige
Sowjetunion hilflos gegenüberstand. Angesichts der unmittelbaren
Bedrohung durch die Sowjetunion und der Revisionsansprüche
seiner Nachbarn Ungarn und Bulgarien näherte sich Rumänien
außenpolitisch dem Deutschen Reich an, unter dessen Vermittlung
im Oktober 1938 bereits Territorialstreitigkeiten zwischen Ungarn
und der Slowakei beigelegt worden waren. Während Rumänien
mit Bulgarien 1940 eine Einigung über die Abtretung der Süddobrudscha
erzielte, konnte es die Meinungsverschiedenheiten mit Ungarn nicht
ausräumen. Nach Kriegsdrohungen Ungarns konnte erst der
von Adolf Hitler ausgearbeitete und am 30. August 1940
unterzeichnete Zweite Wiener Schiedsspruch den Konflikt
zwischen den beiden deutschen Verbündeten weitgehend beilegen.
Über die im Schiedsspruch enthaltenen immensen Gebietsverluste
herrschte in Rumänien große Empörung, die sich
gegen König Carol II. (1893-1953) richtete und sich in einem
Putschversuch der nationalistischen und antisemitischen "Eisernen
Garde" entlud. Um seine Macht zu sichern und den Forderungen
der Protestierenden nachzukommen, setzte der König den auch
von Deutschland favorisierten General Ion Antonescu (1882-1946)
als Ministerpräsidenten mit außerordentlichen Vollmachten
ein, der ab Januar 1941 eine Militärdiktatur errichtete.
Schon Anfang September 1940 hatte Antonescu den König zur
Abdankung gezwungen, worauf diesem sein Sohn Mihai I. (geb.
1921) gefolgt war. Im Herbst 1940 sagte Hitler der Entsendung
einer deutsche Militärmission nach Rumänien zu, die
offiziell der Ausbildung der rumänischen Soldaten dienen
sollte. Damit verfolgte Antonescu nicht nur materielle und personelle
Unterstützung beim Aufbau einer schlagkräftigen rumänischen
Armee, sondern auch ein enges Militärbündnis mit Deutschland.
Mit der Stationierung deutscher Truppen in Rumänien wollte
die rumänische Regierung die Sowjetunion vor einem erneuten
Angriff abschrecken. Zudem trat Rumänien am 23. November
1940 dem Dreimächtepakt bei und ließ die deutsche
Seite mehrmals von der Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen
die Sowjetunion wissen.
Dem Deutschen Reich war im Vorfeld des anvisierten Kriegs gegen
die Sowjetunion an politischer Stabilität in Südosteuropa
gelegen. Sein Interesse galt zudem der Sicherung des rumänischen
Erdölgebiets zu wirtschaftlichen und militärischen Zwecken.
Ende März 1941 begannen mit Truppenbewegungen und der Ausarbeitung
von Verteidigungsstrategien für das dringend benötigte
rumänische Öl die deutschen Vorbereitungen für
den Krieg gegen die Sowjetunion. Dieser begann am 22. Juni 1941
unter Teilnahme rumänischer Truppen, die zusammen mit der
seit 1940 in Rumänien stationierten deutschen 11. Armee rasch
vorstießen. Antonescus Kriegsziele, die von der Mehrheit
der rumänischen Bevölkerung unterstützt wurden,
sahen die Rückgewinnung der 1940 verlorenen Gebiete vor.
Noch während der Rückeroberung Bessarabiens und der
nördlichen Bukowina begannen rumänische Armee, Gendarmerie
und Geheimpolizei mit der Ermordung und Vertreibung von mehreren
zehntausend dort ansässiger Juden und Roma. Deportierte mussten
in Kolonnen über den Dnjestr nach Transnistrien marschieren.
Dort ermordeten die deutsche Einsatzgruppe D und rumänische
Sondereinheiten Zehntausende Juden.
Das Einsatzgebiet der rumänische Armee im Krieg gegen die
Sowjetunion beschränkte sich weitgehend auf den Südabschnitt
der Ostfront in der Ukraine mit der Krim und dem Donezbecken
sowie im Kaukasus. Obwohl die schlecht ausgerüsteten rumänischen
Einheiten bewusst nicht an militärischen Brennpunkten eingesetzt
werden sollten, beteiligten sie sich 1942 erfolgreich an der Schlacht
um Charkow, beim Angriff auf die Halbinsel Kerè',
der Eroberung von Odessa und Sewastopol und am Vorstoß
in den Kaukasus. Nach der Niederlage von Stalingrad,
vor der die rumänische Militärführung die deutsche
Seite bereits im August 1942 warnte und bei der auch Tausende
rumänische Soldaten umkamen, sowie der sich langsam abzeichnenden
Kriegswende sank die Bereitschaft Bukarests, weitere wirtschaftliche
und militärische Opfer zu erbringen.
Trotz - inhaltsloser - territorialer und militärischer Versprechen
Deutschlands an Rumänien nahm die rumänische Regierung
ab Anfang 1943 ihr Engagement im Krieg zurück. Sie verstärkte
die Truppen im Land selbst, da sie eine Militäraktion Deutschlands
oder Ungarns gegen den nun zurückweichenden Verbündeten
Rumänien befürchtete. Als die Front im April 1944 auf
rumänisches Territorium übergriff, konnten deutsche
und rumänische Kräfte den sowjetischen Vormarsch nicht
aufhalten. Nach einer sowjetischen Großoffensive im August
1944 wurde Antonescu von einigen Generalen aus dem Umkreis des
Königs festgenommen und abgesetzt. Die neue Regierung brach
die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Nachdem
Hitler am 24. August 1944 die Bombardierung der Hauptstadt Bukarest
angeordnet hatte, erklärte Rumänien einen Tag später Deutschland
den Krieg. Am 31. August besetzte die Rote Armee Bukarest, am
12. September 1944 wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Rumänische
Soldaten kämpften anschließend an sowjetischer Seite
gegen das Deutsche Reich, wobei es noch einmal zu hohen Verlusten
der rumänischen Armee kam.
Rumänien verlor während des Zweiten Weltkriegs rund
378.000 Soldaten und Zivilisten. Zudem war die rumänische
Regierung im Rahmen des NS-Völkermords an der Ermordung
von etwa 270.000 rumänischen Juden aktiv beteiligt.
(sp)