Seit Oktober 1941 waren große Teile der Krim von der deutschen
11. Armee unter Generaloberst Erich von Manstein und rumänischen
Verbänden besetzt. In dem Befestigungslabyrinth von Sewastopol
hielten sich jedoch noch über 100.000 sowjetische Soldaten
verschanzt. Diese nutzten die monatelange Belagerung, um neue
Stellungen, Bunker und Minenfelder anzulegen. Die Versorgung der
eingeschlossenen Truppen auf dem Seeweg konnten die Deutschen
aufgrund ihrer schwachen Präsenz im Schwarzen Meer kaum unterbinden.
An der nur 35 Kilometer breiten Front zog Manstein neun deutsche
und rumänische Divisionen zusammen. Nach massiven Luft- und
Artillerieeinsätzen begann am 7. Juni 1942 der Angriff auf
den ersten von drei Verteidigungsringen um die Festung, der zweieinhalb
Wochen später fiel. Entschieden war die Schlacht um Sewastopol,
nachdem die Wehrmacht für die Verteidiger überraschend
am 29. Juni mit Sturmbooten das befestigte Südufer der Sewernaja-Bucht
einnahm. Die vollständige Besetzung der Stadt und des Hafens
stieß nach dem Angriff auf die sowjetische Flanke auf nur
noch geringen Widerstand. Am 1. Juli 1942 war die letzte Bastion
der Roten Armee auf der Krim von den Deutschen erobert. Mit dem
Fall des südwestlich der Festung gelegenen Brückenkopfs
Chersones drei Tage später war die Halbinsel vollständig
in deutscher Hand.
Die Wehrmacht kostete die einmonatige Erstürmung des wichtigsten
sowjetischen Flottenstützpunkts im Schwarzen Meer annähernd
6.000 gefallene oder vermisste Soldaten. Die Rumänen
verloren 1.900 Mann. 97.000 Rotarmisten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Mit der Eroberung der Halbinsel erkämpfte die 11. Armee bedeutende
strategische Vorteile und die Flankensicherung für die deutsche
Sommeroffensive von 1942 in Richtung Don und Kaukasus.
(as)