1939-45

[Broschüre: "Wir von der Westfront", 1940]

[Photo: Vormarsch durch die Ardennen, 1940]

[Photo: Britischer Rückzug in Flandern, 1940]

[Photo: Vor Dünkirchen, 1940]

[Photo: Gefangene Briten, 1940]

[Broschüre: "Kleiner Führer durch Paris für deutsche Soldaten" (Deckblatt), 1940]








Westoffensive ("Fall Gelb")


Den monatelangen "Sitzkrieg" an der deutsch-französischen Grenze beendete die Führung des Deutschen Reichs am 10. Mai 1940 mit einer Offensive. Die Angriffsstrategie war seit Herbst 1939 von Generalleutnant Erich von Manstein ausgearbeitet worden. Um die stark befestigte französische Maginot-Linie im Norden zu umgehen, sah sein Operationsplan "Sichelschnitt" den Angriff der Heeresgruppe B unter Generaloberst Fedor von Bock auf die neutralen Niederlande und Belgien vor. Nach dem zu erwartenden Vorrücken französischer und britischer Truppen zur Unterstützung des belgischen Heers nach Belgien sollte die Heeresgruppe A unter Generaloberst Gerd von Rundstedt durch Luxemburg und die dicht bewaldeten Ardennen bis zur französischen Kanalküste vorstoßen. Dadurch konnten bereits in der ersten Phase der Offensive starke alliierte Truppenverbände eingeschlossen und die strategische Ausgangsbasis für die Eroberung von Frankreich errungen werden. Die Heeresgruppe C unter Generaloberst Wilhelm Ritter von Leeb sollte sich vorerst mit kleineren Scheinangriffen entlang der Maginot-Linie begnügen.

Adolf Hitler hielt an dem riskanten Plan "Sichelschnitt" fest, obwohl die traditionell denkenden Generale des Oberkommandos des Heeres (OKH) starke Zweifel äußerten. Sie glaubten nicht, daß ein Vorstoß durch die Ardennen mit Panzern Aussicht auf Erfolg haben könnte. Trotz alliierter Überlegenheit von 3.375 gegen 2.445 deutsche Panzer nahm die Offensive den von Manstein erwarteten Verlauf. Wie bei den Feldzügen gegen Polen und Norwegen wendete die Wehrmacht erfolgreich die Taktik des "Blitzkriegs" an. Trotz eines wochenlangen Aufmarsches an der westlichen Reichsgrenze kam der Zeitpunkt der Offensive für die Alliierten unerwartet. Durch das Überraschungsmoment begünstigt, gelang es 141 deutschen Divisionen einen an militärischer Stärke gleichwertigen Gegner in wenigen Wochen zu besiegen. Entscheidender Anteil kam der Luftwaffe zu, die den Angriff mit 2.288 gegen 2.185 alliierte und 250 belgische Maschinen sicherte.

Nach deutschen Luftlandungen in der Festung Holland und der verheerenden Bombardierung von Rotterdam kapitulierten die Niederlande am 15. Mai 1940. Bis zum 18. Mai waren Lüttich, Brüssel und Antwerpen von deutschen Truppen besetzt. Zugleich wurden die in Flandern gebundenen alliierten Einheiten von Süden her eingeschlossen. Zu spät erkannte der alliierte Oberbefehlshaber, General Maurice Gamelin (1872-1958), daß der Schwerpunkt des deutschen Angriffs von 44 Divisionen der Heeresgruppe A südlich der Linie Maas-Sambre durch die Ardennen durchgeführt wurde. Am 13. Mai standen Truppen der deutschen 4. Armee unter Generaloberst Hans Günther von Kluge und der 12. Armee unter Generaloberst Wilhelm List auf dem westlichen Maas-Ufer zwischen Dinant und Sedan. Nachdem der Durchbruch durch den schwierigsten Teil der alliierten Front gelungen war, stand ihnen das französische Hinterland bis zum Unterlauf der Somme offen. Am 19. Mai erreichten Panzerverbände Abbéville an der Flußmündung. Einen Tag später drangen sie bis zur französischen Kanalküste vor.

Auch dem am 20. Mai neu ernannten alliierten Oberbefehlshaber Maxime Weygand (1867-1965) war es nicht möglich, den deutschen Vormarsch aufzuhalten. Den durch die deutsche Sichelschnittbewegung von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnittenen alliierten Truppen nördlich der Somme blieb als einziger Ausweg die Evakuierung bei Dünkirchen über den Seeweg. Insgesamt knapp 370.000 Soldaten konnten auf diese Weise dem deutschen Zugriff entfliehen.

Mit dem Vormarsch deutscher Truppen auf die französische Verteidigungslinie entlang von Somme und Aisne begann am 5. Juni die zweite Phase der Westoffensive: die Schlacht um Frankreich. Der deutsche Operationsplan sah nach einem schnellen Durchbruch durch die Verteidigungslinien in Nordfrankreich das Einschwenken nach Südosten vor. Die Masse der französischen Truppen wurde dadurch in Ostfrankreich eingekesselt und die Maginot-Linie aus rückwärtigem Raum genommen.

Der französische Ministerpräsident Paul Reynaud versuchte während des Frankreichfeldzugs vergeblich, den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zu einem Kriegseintritt der USA an der Seite der Alliierten zu bewegen. Ein vom britischen Premier Winston Churchill unterbreiteter Vorschlag zur Gründung einer politischen Union beider Länder lehnte die Anfang Juni 1940 nach Bordeaux geflüchtete französische Regierung mehrheitlich ab. Die Briten standen in Verdacht, sich ausschließlich der französischen Flotte bedienen zu wollen. Reynaud, der die Fortsetzung des Kriegs in der Union befürwortete, trat am 16. Juni aufgrund mangelnden Rückhalts im Kabinett zurück. Einen Tag später unterbreitete sein Nachfolger Henri Philippe Pétain dem Deutschen Reich aufgrund der aussichtslosen militärischen Lage ein Waffenstillstandsangebot.

Der Waffenstillstand wurde am 22. Juni von den Generalen Wilhelm Keitel und Charles Huntziger (1880-1941) im Wald von Compiègne unterzeichnet. Die Deutschen nahmen die Unterzeichnung an jenem Ort, wo 1918 die Niederlage im Ersten Weltkrieg besiegelt und die "Schmach" des Versailler Vertrags eingeleitet worden war, mit tiefer Genugtuung auf. Adolf Hitler stand nach dem von vielen Zweiflern für kaum möglich gehaltenen "Blitzsieg" gegen Frankreich auf dem Höhepunkt seines innenpolitischen Ansehens. Während sein Ruhm als "Größter Feldherr aller Zeiten" in Deutschland schier ins Unermeßliche zu steigen schien, rief General Charles de Gaulle in seinem Londoner Exil zum entschlossenen Widerstand gegen das deutsche Besatzungsregime in Frankreich auf.

In von der NS-Propaganda herausgegebenen "Kleinen Kriegsheften" konnten die Deutschen die Kämpfe aus Sicht der Wehrmachtssoldaten noch einmal nachlesen. Von den rund 27.000 deutschen Toten, 18.400 Vermißten und 111.000 Verwundeten während der Westoffensive fehlten allerdings detaillierte Berichte. Erwähnung fanden hingegen die 92.000 Gefallenen und 200.000 Verwundeten die Frankreich zu beklagen hatte. 1,9 Millionen alliierte Soldaten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

(as)

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