Um den von Adolf Hitler
geplanten Krieg zu verhindern, hatte der Generalstabschef
des Heeres, Generaloberst Ludwig Beck schon im Sommer 1938
auf den Rücktritt der Generalität hingewirkt. Im August
trat er aus Gewissensgründen von seinem Amt zurück,
blieb aber treibende Kraft der zum Staatsstreich entschlossenen
Militärkreise. Beck, der nach einem erfolgreichen Attentat
auf Hitler Staatsoberhaupt werden sollte, hielt engen
Kontakt zu Carl Friedrich Goerdeler, dem Kopf des zivilen Widerstands,
der für das Amt des Reichskanzlers vorgesehen war. In Abstimmung
mit Beck und Goerdeler erarbeitete der Chef des Allgemeinen Heeresamts,
General der Infanterie Friedrich Olbricht, die "Walküre-Pläne",
mit denen die Verschwörer sich beim Umsturz die vollziehende
Gewalt sichern wollten.
Im Herbst 1943 forderte Olbricht den Oberstleutnant Claus Schenk
Graf von Stauffenberg für das Heeresamt an, der in den folgenden Monaten entschlossen war, ein Attentat auf Hitler schon bereits aus moralischen Gründen zu unternehmen. Auch Stauffenbergs enger Mitstreiter Generalmajor Henning von Tresckow drängte angesichts der aussichtslosen militärischen Situation Deutschlands im Sommer 1944 zur Ermordung Hitlers, um dem In- und Ausland zu zeigen, "daß die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte den entscheidenden Wurf gewagt hat". Nachdem bereits
mehrere Attentatsversuche gescheitert waren, legte Stauffenberg
- inzwischen Oberst und Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheeres
Fromm - am 20. Juli 1944 im "Führerhauptquartier Wolfsschanze"
bei einer Lagebesprechung mit Hitler eine Bombe. Als bekannt wurde,
daß Hitler den Anschlag nur leicht verletzt überlebt
hatte, zeichnete sich bereits das Scheitern des Umsturzversuches
ab. Gegen 21 Uhr bestellte Olbricht seinen bei einer Dienststelle
der Luftwaffe in Bernau bei Berlin tätigen Schwiegersohn,
Major Friedrich Georgi (1917-1998), zu sich und erläuterte ihm
seine Beweggründe und die politische Notwendigkeit des Attentats.
Georgi gelang es, den bereits von hitlertreuen Einheiten umstellten
Bendlerblock mit belastendem Material aus Olbrichts Panzerschrank
zu verlassen. Nach Bernau zurückgekehrt, verfaßte er
einen persönlich gehaltenen Bericht über das letzte
Treffen mit seinem Schwiegervater.
Gegen 23 Uhr erklärte der Befehlshaber des Ersatzheeres Generaloberst Friedrich Fromm (1888-1945) die Verschwörer in Berlin für verhaftet und verkündete unverzüglich Todesurteile wegen Hochverrats. Während Georgi das NS-Regime überlebte, wurden
Friedrich Olbricht, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Mertz
von Quirnheim und Werner von Haeften noch in der Nacht
zum 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks erschossen. Dem ebenfalls
dort anwesenden Beck war kurz zuvor "ehrenhalber" ein
Revolver überreicht worden. Nachdem er sich auch mit einem
zweiten Schuß nicht tödlich getroffen hatte, erhielt
der schwerverletzte Beck nach einiger Zeit von einem Angehörigen
des Wachkommandos den Todesschuß.
Zeitweilig erfolgreicher verlief der Umsturz in Paris, wo der Militärbefehlshaber in Frankreich, Carl Heinrich von Stülpnagel, mit Vertrauten über 1.200 Mitglieder des Sicherheitsapparates inhaftierte. Als sich jedoch der Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Hans Günther von Kluge, dem Umsturzversuch verweigerte, war auch das Schicksal der Putschisten in Frankreich besiegelt. Stüpnagel wurde nach einem gescheiterten Selbstmordversuch solange in einem Krankenhaus gepflegt, bis er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt werden konnte. Auch mit anderen Teilnehmern der Verschwörung machte der Volksgerichtshof
unter Roland Freisler kurzen Prozeß. Nach einer Anweisung
Hitlers sollten die Verschwörer innerhalb von zwei Stunden
nach dem Urteilsspruch "wie Schlachtvieh aufgehängt"
werden. Dieses Schicksal traf auch Oberst Friedrich Gustav
Jaeger,der am 20. Juli 1944 den Befehl erhalten hatte, Reichspropagandaminister
Joseph Goebbels zu verhaften. An der Ecke Wilhelmstraße/Unter
den Linden zerstreuten sich die ihm unterstellten Einheiten jedoch,
als Hitlers Überleben bekannt wurde.
Auf gleiche Weise hingerichtet wurde Oberleutnant Albrecht
von Hagen. Beim Oberkommando des Heeres eingesetzt, war er
maßgeblich an der Beschaffung des Sprengstoffs für
das Attentat vom 20. Juli beteiligt. Zugleich ist die Familie
von Hagen ein Beispiel für die von den Nationalsozialisten
verhängte "Sippenhaft": Auch von Hagens Frau, seine
Kinder und Eltern sowie seine beiden im Reich befindlichen Brüder
wurden inhaftiert, eine Schwester wurde "strafversetzt".
Cuno Raabe, nach dem Umsturz als Verkehrsminister vorgesehen,
zählt zu den wenigen Inhaftierten, die überlebten: Bei
einem Bombenangriff auf Berlin war seine Anklageschrift verbrannt.
Friedrich Georgi: 20. Juli 1944
Josepha von Koskull: General Lindemann und der 20. Juli
Georg Lindemann: Attentat am 20. Juli 1944
Georg Lindemann: Gefangener des NS-Regimes - 20. Juli 1944
Georg Lindemann: Vor dem Volksgerichtshof
(ba)