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    Propagandaschild der NSDAP, 1932

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Die NS-Propaganda

Die Propaganda war eines der wichtigsten Betätigungsfelder der NSDAP in der Weimarer Republik. Sie konzentrierte sich auf wenige, ständig wiederholte Schlagworte und prägnante Losungen für die breite Masse. Unterschiedliche Bevölkerungskreise wurden mit unterschiedlichen Methoden angesprochen, aber stets sollte die Propaganda "die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse" finden - wie Adolf Hitler 1924 in "Mein Kampf" betonte. Nicht Argumentation, sondern der Appell an die Emotionen sollte im Vordergrund stehen - einen Aspekt, den ansonsten nahezu alle anderen Parteien in der Weimarer Republik vernachlässigten. Unermüdlich agierte die NS-Propaganda auch zwischen den Wahlen: Sie beschwor Katastrophen, prangerte die "nationale Schmach" des Versailler Vertrages und ein Versagen der demokratischen Parteien während der Inflation 1923 an, schürte so die Ängste der Menschen und ihren Hass auf die Republik.

"Führerkult" und "Kampfzeit"

Mythisch überhöht als "nationaler Heilsbringer" und "Erlöser" angepriesen, stand Hitler im Mittelpunkt der Propagandakampagnen. Hitlers Begabung als Agitator und die Suggestivkraft seiner Rhetorik waren auch bei seinen Gegnern unbestritten. Seine oft mehrstündigen, zumeist frei gehaltenen Reden waren in der Weimarer Republik wie im NS-Regime stets ein sorgsam inszeniertes "Gesamterlebnis" mit Aufmärschen, Choral- und Marschmusik, Fackeln und Lichterdom. Die Verehrung für Hitler steigerte sich zu einem Kult um seine Person. Ab Mitte der 1920er wurde der "Führerkult" zur zentralen Triebkraft der NS-Bewegung. "Hitler über Deutschland" titelte die NS-Propaganda 1932 anlässlich seiner Wahlkampfreisen per Flugzeug. Sie ermöglichten Hitler Auftritte in bis zu drei Städten am Tag, die bewusst weit auseinander lagen. Die bis dahin im Wahlkampf unbekannte Omnipräsenz eines Politikers vermittelte nachhaltig den Eindruck von Modernität und Vitalität, die Aufbruchstimmung erzeugen und der NSDAP das Image der Jugendlichkeit geben sollten. Ebenfalls 1932 erschien eine Broschüre von Heinrich Hoffmann über "Hitler wie ihn keiner kennt". Zur Identifikation der Bevölkerung mit Hitler wurde er als "normaler Deutscher", als Kinderfreund, technikbegeisterter Autofahrer oder - wie auf dem Titelbild - als Naturliebhaber und Hundefreund dargestellt.

Die NSDAP war Anfang der 1930er Jahre nicht zuletzt Dank ihrer Propaganda zu einer Massenbewegung aufgestiegen. Organisatorischer Einfallsreichtum der Reichspropagandaleitung der Partei - ab 1930 unter Führung von Joseph Goebbels - sowie eine lärmende Öffentlichkeitsarbeit mit Propagandamärschen und einer sorgfältigen Choreographie bei Massenveranstaltungen mit Uniformen, Fahnen und Symbolen übten vor allem bei jungen Männern verführerische Faszination aus. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise und allgemeiner Orientierungslosigkeit vermittelten die provozierenden Aufmärsche der Sturmabteilung (SA) den Eindruck von Stärke und Geschlossenheit. Die fortschreitende Verarmung und Angst vor Verelendung boten einen fruchtbaren Nährboden für antikapitalistische und antiliberale Propaganda. In Schwarz-Weiß-Manier wurden mit Demokraten und Juden Feindbilder stilisiert, denen die Nationalsozialisten die Verantwortung für die politische und ökonomische Krise gaben. Millionen Deutsche sahen in Adolf Hitler tatsächlich ihre "letzte Hoffnung" und eine starke politische Hand, die nationale Geschlossenheit und Ordnung wiederherstellen sollte.

"Volksgemeinschaft" und Ausgrenzung

Wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde am 13. März 1933 das "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" unter Joseph Goebbels geschaffen. In kurzer Zeit gewann es die vollständige Kontrolle über das kulturelle Leben und die Medien. Die gleichgeschaltete Presse, Literatur, Film und Rundfunk standen von nun an im Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung und dienten als wichtigste Instrumente der Massenbeeinflussung. Über den preisgünstigen Volksempfänger erreichte Goebbels eine immer größere Zahl von Hörern. Die NS-Propaganda versuchte, die deutsche Gesellschaft in allen Lebensbereichen zu erfassen und zu indoktrinieren. Im Zuge einer "geistigen Mobilmachung" sollten die Deutschen zu überzeugten Anhängern des Regimes werden und geschlossen hinter der NS-Führung stehen. Deren Anstrengungen und Erfolge beim Aufbau des "Dritten Reiches" wurden in Filmen, in der Literatur und der Bildenden Kunst gepriesen. Arbeit und technischer Fortschritt erfuhren eine mythische Verklärung. Darstellungen von neuen Bauten, Industrieanlagen und Autobahnen sollten von der Tatkraft der nationalsozialistischen Regierung zum Wohle der Bevölkerung zeugen. Gleichzeitig glorifizierte die Propaganda das Bild des arbeitenden "Volksgenossen". Parallel zur Arbeiterschaft wurden Bauern und Soldaten als Grundlage und Verteidiger der "Volksgemeinschaft" verherrlicht, als dessen Keimzelle und Garant sittlicher Ordnung die traditionelle, kinderreiche Familie galt. Die große Kinderzahl bei abgebildeten Familien verweist auf die politischen Bemühungen des NS-Staates um eine deutliche Steigerung der Geburtenrate. Künstler wurden in diesem Zusammenhang dazu angehalten, "wenigstens vier deutsche Kinder zu zeigen, wenn eine Familie dargestellt" werde.

Das NS-Regime propagierte von Beginn an das Ideal einer neuen, klassenübergreifenden aber rassisch homogenen "Volksgemeinschaft". Propagandistisch inszeniert wurde sie bei öffentlichen Festen und Großveranstaltungen. Der "Tag der nationalen Arbeit" am 1. Mai, der Reichsparteitag im September oder das "Erntedankfest" auf dem Bückeberg im Oktober dienten zugleich der Selbstinszenierung und der Machtdemonstrationdes NS-Staates. In den Aufmärschen der Parteiformationen schienen die Menschenmengen stets in einen "festen Block" zusammenzuschmelzen. Der "Hitler-Gruß" mit ausgestrecktem rechten Arm und ein tausendfaches "Sieg Heil" sollten die Einheit von "Volk und Führer" demonstrieren, das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation des Einzelnen mit dem NS-System stärken. Prägnante Losungen wie "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" oder "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" stießen als Ausdruck von Einigkeit und Einheitlichkeit auf breite Zustimmung.

Gleichzeitig intensivierte der NS-Staat seine antisemitische und rassenideologische Propaganda auf vielfältige Weise. In Zeitungen, Büchern und auf Plakaten wurde dem "stolzen Arier" der "niederträchtige Jude" gegenübergestellt, der ausschließlich auf Profit bedacht war. Das für seinen plakativen Antisemitismus bekannte Hetzblatt "Der Stürmer" versuchte nicht zuletzt mithilfe der Karikatur eines geldgierigen und zumeist unrasierten Juden mit langer gebogener Nase und hervorstehenden Augen einen radikalen Antisemitismus in der deutschen Bevölkerung zu manifestieren. Eine ähnlich stereotype Figur zeigt das Werbeplakat für die Propagandaausstellung "Der ewige Jude", die Goebbels am 8. November 1937 in München eröffnete und in der die "halbmenschliche Abartigkeit" und Andersartigkeit der jüdischen Bevölkerung "wissenschaftlich" dargestellt und somit bewiesen werden sollte. Kinderbücher wie "Trau keinem Fuchs auf grüner Heid", in dem mit bildlicher Gleichsetzung die dem Fuchs nachgesagte Hinterlistigkeit auf Juden übertragen wurde, förderten die Erziehung zum Antisemitismus bereits im Kindesalter.

Bereits Mitte der 1930er Jahre begann die NS-Führung damit, die deutsche Bevölkerung mit Hilfe einer intensiven Kriegspropaganda für den geplanten Krieg zu mobilisieren.

Arnulf Scriba
14. Juli 2015

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