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    Werbeplakat zur Kinderlandverschickung, um 1943

> Der Zweite Weltkrieg > Alltagsleben

Kinderlandverschickung (KLV)

Vor dem Hintergrund zunehmender Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs und der gravierend anwachsenden Versorgungsprobleme in den Städten wurden bis Kriegsende rund 2,5 Millionen Jungen und Mädchen in ländliche Gebiete evakuiert. Die 10- bis 14-Jährigen wurden zumeist klassenweise in einem von etwa 9.000 Lagern untergebracht. Ihr Alltag dort war streng reglementiert. Die meisten Kinder litten sehr unter Heimweh. Mit großem Aufwand stellte die NS-Propaganda diese Kinderlandverschickung (KLV) als gesundheitlich begründete Ferienreisen für Stadtkinder dar. 

Maßgeblich beteiligt an der KLV war die Hitler-Jugend (HJ), bei der seit 1940 auch die organisatorische Verantwortung für diese Maßnahme lag.

Aus der durch den Luftkrieg hervorgerufenen Notlage machten die Nationalsozialisten in mehrfacher Hinsicht eine ideologische Tugend: Die Kinder konnten vor dem Krieg geschützt werden und wurden gleichzeitig der politischen und ideologischen Beeinflussung sowie dem paramilitärischen Drill in den Lagern ausgesetzt. Zugleich waren die oft über Monate, bisweilen auch über Jahre in Schullandheimen, Zeltlagern, Pensionen oder Jugendherbergen lebenden Kinder dem Einfluss ihres Elternhauses entzogen. Fernab von Elternhaus und Schule konnte das NS-Regime so im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie auf die Kinder einwirken.

Bernhard Struck
13. Mai 2015

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