• 20020390

    Armbinde des Volkssturms, 1944/45

> Der Zweite Weltkrieg > Kriegsverlauf

Der Volkssturm

Im September 1944 wurde der "Volkssturm" gebildet, um alle bisher noch nicht kämpfenden waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren für die Verteidigung des "Heimatbodens" und für den deutschen "Endsieg" aufzubieten. Die Rekrutierung von vorgesehenen sechs Millionen Volkssturmmännern unterstand der Verantwortung des Chefs der Parteikanzlei der NSDAP, Martin Bormann. Der unter dem militärischen Befehl Heinrich Himmlers stehende "Volkssturm" war vor allem für Bau - und Schanzarbeiten, Sicherungsaufgaben sowie zur Verteidigung von Ortschaften - meist in unmittelbarer Heimatgegend - vorgesehen. Die Angehörigen des Volkssturmes trugen keine Uniformen des Heeres, sondern eine Armbinde mit der Aufschrift "Deutscher Volkssturm - Wehrmacht".

Auf Adolf Hitler vereidigt und propagandistisch als entscheidende Reserve gegen die vorrückenden Alliierten aufgewertet, zogen die zumeist jugendlichen Hitlerjungen und älteren Männer notdürftig bewaffnet und schlecht ausgebildet in einen ungleichen Kampf gegen einen überlegenen Gegner. Die Funktionalität ihrer Karabiner und Maschinengewehre mussten sie zumeist erst in Schnellkursen erlernen. Zu den Standardwaffen gehörte auch die Panzerfaust: Sie war leicht zu bedienen, hatte eine hohe Durchschlagskraft und war aufgrund des geringen Gewichtes auch von Frauen und Jugendlichen einfach zu transportieren.

Propagandaformeln wie die vom angeblich überaus erfolgreichen Einsatz der "Wunderwaffen" V-1 und V-2, aber auch gezielte Falschmeldungen über vorgeblich neu verfügbare Truppen der Wehrmacht konnten nicht über die Sinnlosigkeit der Kämpfe und die bevorstehende deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg hinwegtäuschen. Der militärische Wert der schlecht ausgerüsteten "Volkssturm"-Verbände war daher gering. Bei Feindberührung lösten sich einige Einheiten auf oder ergaben sich. Oft genug kämpften sie jedoch insbesondere im Osten mit dem Mut der Verzweiflung. Die jahrelange Hasskampagne gegen die "bolschewistischen Untermenschen" und das grausige Wüten der deutschen Besatzer im Osten nährten eine panische Angst vor der Rache der Roten Armee. So verteidigten 15.000 Angehörige des Volkssturms zusammen mit versprengten Wehrmachtseinheiten verbissen das von der Roten Armee eingeschlossene Breslau (heute: Wroclaw; Polen) über Monate hinweg bis Mai 1945. Insgesamt hatte der "Volkssturm" bei seinen Einsätzen mit Zehntausenden Gefallenen einen hohen Blutzoll zu entrichten.

Arnulf Scriba
19. Mai 2015

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