Das Wappenwesen entstand etwa ab 1130. Es war Folge der militärischen
Notwendigkeit, die vollgerüsteten Krieger für Feind
und Freund erkennbar zu machen. Dies geschah durch farbige Abzeichen,
die an der Schutzwaffe, dem Schild, angebracht wurden. Am Ende
des 12. Jh. hatte sich das Wappenbild auf dem Schild etabliert.
Der Wandel der Kriegstechnik führte dazu, daß die Wappen
ihre militärische Bedeutung verloren und zu Symbolen adliger
Familien, von Klerikern, Städten etc. wurden.
Die Blütezeit des dekorativen Wappens lag im 16. Jh.
Mitte des 17. Jh. kam es zum Verfall und gleichzeitig zur ersten
wissenschaftlichen Erforschung des Wappenwesens.
Zu den unterschiedlichen Wappenarten gehören auch die vorliegend
abgebildeten territorialen Wappen. Sie standen oft mit einem Familienwappen
in Zusammenhang. Aus den Wappen nicht untertäniger Gebiete
gingen später die Staats- bzw. Landeswappen der Republiken
hervor, demgegenüber entstanden die der Monarchien meist
aus dynastischen Wappen.
Das kleine Wappen wurde bei weniger wichtigen Obliegenheiten von
den Staaten bzw. Souveränen geführt. Es stellte in der
Regel nur das Stammwappen dar. In vielen Fällen benutzten
es die Hoflieferanten. Demgegenüber handelte es sich beim
mittleren Wappen um ein für amtliche Belange eingeführtes
Wappen, das meist nur die wichtigsten Schilde enthielt. Es wurde
z.B. von Konsulaten geführt.
Das größere Wappen Seiner Majestät des Kaisers
bildet den deutschen Reichsadler im goldenen Schild ab. Dieser
trägt über sich die deutsche Reichskrone. Um den Schild
hängt die Kette des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Der
Orden wurde am 17. Januar 1701, dem Tag vor seiner Krönung
zum König in Preußen, von Kurfürst Friedrich III.
gestiftet und blieb bis 1918 höchster Orden Preußens.
Das blau emaillierte, goldgesäumte, achtspitzige Kreuz zeigt
im Medaillon die goldenen Initialen des Stifters, F. R. (Fridericus
Rex). Der Schild wird begleitet von zwei mit Eichenlaub bekränzten
und umgürteten wilden Männern. Jeder von ihnen trägt
eine Standarte. (Die wilden Männer waren im deutschen und
slawischen Volksglauben des Mittelalters halbtierische Bewohner
der Wälder und dienen in der Heraldik meist als Schildhalter.)
Über dem Wappen erhebt sich das Kaiserzelt, auf dessen purpurrotem
Reif die preußische Devise "Gott mit uns" zu lesen
ist. Den Gipfel des Zeltes bildet die Reichskrone, über der
das Nationalbanner hervorragt.
Seit 1883 ist der Stadtkreis Berlin aus der Provinz Brandenburg
ausgeschieden und bildet seitdem ein eigenes Verwaltungsgebiet.
Das Stadtwappen Berlins zeigt einen gespaltenen Schild mit dem
Wappen des Königreiches Preußen (links) und dem der
Provinz Brandenburg (rechts). Der kleine aufgelegte Schild mit
einer fünftürmigen Mauerkrone zeigt einen aufgerichteten,
schwarzen Bären und ist gleichzeitig das kleine Wappen von
Berlin.