[Abbildung]
Friedrich der Große als Fahnenträger auf dem Schlachtfeld
Arthur Kampf (1864-1950)
um 1900
Öl/Leinwand; 135 x 95 cm
© DHM, Berlin
1986/47

Am 25. August 1758 besiegte die preußische Armee bei Zorndorf – rund 90 Kilometer östlich von Berlin – kräftemäßig überlegene russische Verbände. Während der Schlacht soll Friedrich der Große die am Boden liegende Fahne des preußischen Infanterieregiments Nr. 46 ergriffen und seine zurückweichenden Soldaten zum Gegenangriff geführt haben. Den Historienmaler Arthur Kampf inspirierte diese oft wiedergegebene „Heldentat“ Friedrichs rund 150 Jahre später zu diesem Gemälde. Im Gegensatz zu den vielen detailreicheren Schlachtendarstellungen aus jener Zeit nehmen hier Figur und Fahne die gesamte Höhe des Gemäldes ein. Friedrich II. ist raumgreifend im Vordergrund platziert, nur schemenhaft sind hinter dichtem Pulverdampf Soldaten zu erkennen, die Geschlossenheit und Dynamik des preußischen Angriffs zum Ausdruck bringen sollen. Kampf inszenierte Friedrich als Vorbild für bedingungslose Opferbereitschaft: Der als Fahnenträger entschlossen vorwärts schreitende König scheint den Tod nicht zu fürchten, den der gefallene Soldat unmittelbar zu seiner Linken bereits erlitten hat. Die deutsche Militärmalerei verwendete das Motiv der Fahne seit dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 durchgängig als Symbol des Sieges. Allerdings ist Kampf in seinem Gemälde ein beachtlicher Detailfehler unterlaufen: Die vier Eckkeile der Fahne des Infanterieregiments Nr. 46 waren nicht rot, sondern schwarz.