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1763: Das Ende des Siebenjährigen Krieges

Am 15. Februar 1763 wurde der Frieden von Hubertusburg geschlossen. Der Friedensvertrag zwischen Preußen, Österreich und Sachsen beendete den Siebenjährigen Krieg, dem ab 1756 rund 180.000 preußische, 140.000 österreichische und 120.000 russische Soldaten zum Opfer gefallen waren. Sie starben auf dem Schlachtfeld, an Verwundung oder Seuche. Teile Preußens und Sachsens waren verwüstet, zu Zehntausenden waren Zivilisten gestorben, misshandelt oder ausgeplündert worden. Fast sieben Jahre lang hatte der preußische König Friedrich II. (1712-1786) einer feindlichen Übermacht die Stirn geboten, um Preußen neben seinem Bündnispartner Großbritannien sowie den Feinden Österreich, Frankreich und Russland als fünfte Großmacht in Europa zu etablieren.

 

Friedrich II. trat 1740 die Herrschaft im Königreich Preußen an. Europaweit hatte er als musischer und aufgeklärt-intellektueller Prinz gegolten, der nicht zuletzt mit seiner 1740 veröffentlichten Abhandlung der "Anti-Machiavel" bei vielen Europäern die Hoffnung weckte, er werde die friedfertige preußische Außenpolitik seines Vaters fortführen. Gegen alle Erwartung begann mit der Inthronisierung Friedrichs aber eine kriegerische Epoche: In den ersten beiden Schlesischen Kriegen 1740-1742 sowie 1744/45 nahm er die österreichische Provinz Schlesien ein und verteidigte seine Eroberung erfolgreich gegen Österreich unter seiner Dauerrivalin Maria Theresia (1717-1780). Die militärischen Erfolge brachten Friedrich II. – vermutlich von ihm gezielt gesteuert – zunächst in der preußischen, bald darauf auch in der außerpreußischen Öffentlichkeit den Namen "der Große" ein.

Als Friedrich 1756 von einem bevorstehenden Bündnis des auf Revanche sinnenden Österreich mit Frankreich, Sachsen und Russland gegen Preußen erfuhr, beendete er die elfjährige Friedenszeit: Um dem erwarteten Angriff der verbündeten Streitmacht zuvorzukommen, fiel er ohne Kriegserklärung am 29. August 1756 mit seinen Truppen in Sachsen ein. Die Mehrheit der Reichsfürsten veranlasste daraufhin Anfang 1757 die Reichsexekution gegen den Aggressor Preußen, die mit Hilfe eines Reichsheeres durchgesetzt werden sollte. Doch Friedrichs beeindruckende Siege 1757 über die Reichsarmee und französische Verbände bei Roßbach sowie über ein zahlenmäßig ebenfalls mehr als doppelt so starkes Heer der Österreicher bei Leuthen begründeten eine weit über die Grenzen der deutschen Staatenwelt hinausreichende Verehrung für den Preußenkönig und seinen "Mythos" als quasi unbesiegbarer Heerführer. Diesen Ruhm vermochte auch die fast vernichtende Niederlage in der Schlacht bei Kunersdorf am 12. August 1759 nicht zu trüben. Infolge der Uneinigkeit der russischen und österreichischen Führung konnten die Verbündeten keine Kriegsentscheidung herbeiführen. In den folgenden zwei Jahren gelang es dem preußischen König mit strategischem Kalkül und militärischem Geschick, aber auch mit viel Glück und Zufall der scheinbar übermächtigen Koalition aus Österreich, Russland, Frankreich und Schweden standzuhalten, obwohl halb Schlesien, Teile Sachsens sowie ganz Hinterpommern von den antipreußischen Bündnispartnern eingenommen waren.

Das "Mirakel des Hauses Brandenburg", der zum Frieden mit Russland führende plötzliche Tod der Zarin Elisabeth (1709-1762), rettete Preußen vor dem Untergang. Mit der Thronbesteigung Zar Peters III. (1728-1762) schied Russland aus dem Bündnis mit Österreich und Frankreich aus und schloss am 5.Mai 1762 einen Separatfrieden mit Preußen. Die allgemeine Erschöpfung führte Ende 1762 zu weiteren Friedensverhandlungen: Der Pariser Friede vom 10. Februar 1763 zwischen Großbritannien und Frankreich beendete den Krieg in Übersee und bestätigte Großbritanniens führende Rolle als See- und Kolonialmacht. Auf Anregung des um einen Frieden in Deutschland bemühten sächsischen Kurprinzen Friedrich Christian (1722-1763) fanden Verhandlungen der Bevollmächtigten Preußens, Österreichs und Sachsens vom 30. Dezember 1762 bis zum 15. Februar 1763 in einem Nebengebäude des 1761 von preußischen Soldaten verwüsteten Jagdschlosses von Hubertusburg in der Nähe von Oschatz statt. Dort garantierten sich die Bevollmächtigten gegenseitig ihre Besitzstände, durch den Frieden von Hubertusburg wurde somit der Vorkriegsstand festgeschrieben.

Arnulf Scriba, Februar 2013




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