> Herbert Hermann: Meine letzte Fahrt auf U 735

Herbert Hermann: Meine letzte Fahrt auf U 735

Dieser Eintrag stammt von Herbert Hermann (*1927 ), November 2005 :

Ich war 1944 als Maschinen Maat auf dem U-Boot U735 stationiert. Wir befanden uns in Horten/Südnorwegen um unsere neue Schnorchelanlage zu testen. Am 28. Dezember 1944 wollten wir abends gegen 18.00 Uhr im Hafen einlaufen und an einer günstigen Stelle vor Anker gehen, doch sollte dies unser Verhängnis werden. Durch die vielen Anker- und Tauchmanöver ging unsere Preßluft zur Neige. Einige Besatzungsmitglieder gingen an Land (es sind die außer mir nur zehn andere Überlebende), wir an Bord arbeiteten weiter um unsere fehlende Luft wieder zu ergänzen, doch sollte uns dies nicht gelingen. Unser Junkerverdichter fiel aus und so konnten wir nur mit dem kleinen E-Verdichter pumpen, wodurch wir ca. 6 Stunden Maschinenarbeit benötigten um die Preßluft aufzubauen.

Mittlerweile wurde es 21.30 Uhr. Fliegeralarm. Nun war Eile geboten. Der Kommandant ließ den Anker durchrauschen um weitere Luftvergeudung zu sparen. Befehl an Diesel "Klarmachen zum Auslaufen". Der OB-Maschinist Wilde gab den Befehl zurück "Diesel unklar!", es fehlte die Preßluft zum Anlassen. Inzwischen überflogen einzelne Flieger den Hafen von Horten. Der LI. O1. Ing. Ebeling brachte es dennoch fertig den Diesel in Fahrt zu bringen. Er verwendete den Preßluftinhalt unserer Torpedos. Inzwischen zeigte die Uhr 23.30 Uhr an. Der Funker meldete: "Starker Bomberverband im Raum von Karten". Der Kommandant gab den Befehl "Auslaufen" und "Alle Mann auf Fliegergefechtsstation" Das seemännische Personal stand an den Flugabwehrwaffen. Ich selbst hatte meinen Platz in der Zentrale.

Das Boot befand sich mitten im Fjord als die ersten Bomben fielen. Der Kommandant lies Zickzack fahren, doch eine Bombe fiel hart neben dem Boot ins Wasser. Die Wasserfontäne bedeckte das Boot und das ganze herabfallende Wasser kam im Turmleck herunter. Ein Mann fiel an der 3,7 Flak aus und so wurde der Gefechtsrudergänger nach oben kommandiert. Ich selbst sprang an den Platz des Rudergängers, was jedoch nur von kurzer Dauer war. Eine ungeheure Detonation schleuderte mich an die Wand. Mein erster Gedanke war, das Boot muß einen Volltreffer erhalten haben und so war es auch. Der Diesel-Heizer Otto Meier kam aus dem Maschinenraum gestürzt und war verwundet. Er rief "Wassereinbruch im E-Raum". Ein Lenzen war unmöglich, denn das Boot senkte sich schon nach Achtern. Der Kommandant befahl "Alle Mann an Oberdeck".

Alles sprangen sofort ins Wasser, denn das Boot sank nun sehr schnell. Dies alles hatte sich innerhalb einer Minute abgespielt. Einige haben versucht an Land zu schwimmen, das kalte Wasser wurde ihnen zum Verhängnis, wie auch allen anderen meiner Kameraden. Ich wurde als einziger von einer Pinasse aufgenommen und anschließend an ein Torpedoboot übergeben. Ich war zirka 30 Minuten im Wasser. Aufgrund der kalten Jahreszeit hatte ich mehr Kleider an. Rollkragenpullover, Lederzeug, warme Unterwäsche, Schwimmweste usw. Als ich ins Wasser sprang war das erste was ich dachte, so schnell wie möglich von dem sinkenden Boot wegzukommen, damit mich der Sog nicht mit nach unten zieht. Dann war es wichtig keine Schwimmbewegungen mehr zu machen und sich zusammenrollen, damit das eisige Wasser nicht an den Körper kommt. Dadurch habe ich überlebt.

Von den Rettungsmannschaften habe ich erfahren, daß 26 von 36 Mann an Bord geborgen wurden. Die Beerdigung der 26 Geborgenen fand am 5. Januar 1945 in Oslo auf dem Eckeberg (Heldenfriedhof) statt. Nachdem alles vorbei war bekam ich 14 Tage Heimaturlaub und konnte zurück nach Deutschland zu meiner Frau, die in Danzig lebte, fahren.

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