Erwerbungen des Museumsvereins


„Ein jeder ist Augenzeuge. Geschichte vergeht in der Zeit, Vergängliches kann man nicht festhalten. Dennoch ist Vergangenes nicht gestorben: Es lebt fort im historischen Gedächtnis eines Volkes. Dessen Erinnerung nährt sich (...) nicht zuletzt aus originalen Exponaten eines historischen Museums.“
Prof. Markus Schächter, ehem. Intendant des ZDF

Neben Dokumentation und Aufklärung ist und bleibt das Sammeln bedeutender, aussagekräftiger historischer Zeugnisse wichtigster Aspekt der Museumsarbeit. Der Museumsverein begleitet die Sammeltätigkeit des DHM durch den Ankauf außergewöhnlicher, für die Dokumentation deutscher Geschichte wichtiger Exponate, um diese für die Nachwelt zu bewahren und zu beschreiben. Darüber hinaus konnte der Verein in einigen Fällen das Museum dabei unterstützen, wichtige Objekte nach neuesten Erkenntnissen restaurieren zu lassen.

In den vergangenen Jahren konnten durch die finanzielle Unterstützung des Museumsvereins viele Exponate für das DHM erworben werden:

Feldküche Modell Hf.11, bestehend aus Feldkochherd, Protze und Zubehör, 1914-1918

Feldküche aus dem Ersten Weltkrieg

Mit dieser auch „Gulaschkanone“ genannten Heeresfeldküche wurden im Ersten Weltkrieg die Soldaten mit Eintöpfen, Kaffee und heißer Suppe versorgt.

 

 

Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es weltweit militärtaktische Überlegungen, wie man Heere beweglicher machen könne und wie man auch unterwegs die laufende Versorgung der Soldaten gewährleisten könne – ohne dass dies auf Kosten der Zivilbevölkerung ginge. Während etwa in Frankreich jeder Soldat sein eigenes Kochgeschirr mit sich trug, entschied man sich in Deutschland für die Einführung fahrbarer Feldküchen.

Die entscheidende Wende brachte 1892 die Erfindung des Feldkochherds durch die in Idar-Oberstein ansässige Firma Fissler. Dieser Herd konnte auf Fahrzeuge montiert werden und setzte sich ab 1908 als mobile Feldküche mehr und mehr durch. 1911 kam die „Heeresfeldküche Modell 1911“ auf den Markt. Sie bestand aus der eigentlichen Feldküche, einem doppelwandigen, holzbefeuerten Kessel mit 200 Liter Inhalt, und einem Vorderwagen, der sog. Protze. Der Schornstein ließ sich zur Seite oder nach hinten klappen, was der Feldküche den noch heute gängigen, volkstümlichen Namen „Gulaschkanone“ verlieh. Die Feldküchen versorgten nicht nur die Soldaten, sie spielten auch für die Zivilbevölkerung in Krisenzeiten eine wichtige Rolle. Zudem waren sie wichtige soziale Mittelpunkte im militärischen Alltag.

Da nach dem Ersten Weltkrieg viele der Feldküchen zivil genutzt und umgebaut wurden, blieben nur wenige Exemplare erhalten. Dieses Exponat wurde ursprünglich vermutlich  von der Armee des Königreichs Württemberg in Auftrag gegeben.

Der Museumsverein ermöglichte 2014 den Ankauf der Feldküche inklusive Zubehör, damit sie gleich bei der Sonderausstellung zum 1. Weltkrieg eingesetzt werden konnte.

Claire Waldoff, um 1930

Claire Waldoff, Gemälde um 1930

Claire Waldoff war eine der größten Berliner  Chansonnetten der Goldenen Zwanziger.

 

 

 

 

 

Mit Titeln wie „Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt“ und „Hermann heeßta“ wurde die 1884 als Clara Wortmann in Gelsenkirchen geborene Sängerin und Schauspielerin berühmt. Ihre Auftritte in den Berliner Variétés Wintergarten und Scala gelten als legendär, sie verkörpert „Berliner Schnauze“ und herben Großstadthumor wie kaum eine andere Chansonette. Eines ihrer Markenzeichen war der rote Bubikopf, den auch Emil Orliks um 1930 entstandenes Porträt betont.

Orlik (1870-1932), der in seiner Heimatstadt Prag und in München Kunst studiert hatte, war vor allem für seine Zeichnungen und ausdrucksvollen Porträts bekannt. Er war Mitglied der Wiener und auch der Berliner Sezession und lebte seit 1906 in Berlin. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Portraits namhafter Künstler und Literaten, zu denen neben der hier gezeigten Claire Waldoff etwa auch Albert Einstein, Thomas Mann und Lovis Corinth zählten.

Der Museumsverein erwarb dieses Porträtbildes im Jahr 2012 für das DHM.

Porträt Herzog Christian von Braunschweig und Lüneburg-Wolffenbüttel, 1620/25

Porträt Herzog Christian von Braunschweig und Lüneburg-Wolffenbüttel, 1620/25

Dieses Porträt aus der Hochzeit des Dreißigjährigen Krieges steht in der Tradition des frühbarocken Herrscherporträts und zeigt einen seiner Zeit höchst verrufenen Kriegsherren.

 

 

 

 

 


Dargestellt ist Herzog Christian d. J., der sich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) als Anführer eines rund 10.000 Mann starken Söldnerheeres einen Namen als besonders rücksichtloser Feldherr machte. Er war einer jener privaten Kriegsunternehmer, die sich aus purer „Kriegslust“ und Profitstreben auf das Schlachtfeld begaben. Der für Standes- und Soldatenporträts bekannte niederländische Maler Harmen Willemsz Wieringa stellt den Herzog, der aufgrund seiner Gewaltexzesse als „toller (verrückter) Christian“ in die Geschichte einging, als stolzen Kriegsherren in Rüstung dar.

Er trägt eine geschwärzte Rüstung und hält eine seinerzeit von der Kavallerie benutzte Radschlosspistole in der rechten Hand. Der links getragene Handschuh kaschiert eine schwere Kriegsverletzung: 1622 verlor der Herzog in der Schlacht von Fleurus, in die er zusammen mit dem Kriegsunternehmer Ernst von Mansfeld gezogen war, den linken Unterarm.

Das Werk wurde dem Deutschen Historischen Museum anlässlich des Ausscheidens seines langjährigen Präsidenten, Herrn Prof. Hans Ottomeyer, im Jahre 2011 geschenkt. Der Museumsverein trug die Anschaffungskosten dafür.

Einweihung der Neuen Wache als Ehrenmal im Jahr 1931

Einweihung der Neuen Wache als Ehrenmal im Jahr 1931, Radierung

Diese Radierung von Paul Herrmann erinnert an die Umgestaltung der Schinkelschen Neuen Wache in ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

 

 

 

Die von Karl Friedrich Schinkel in den Jahren 1816-1818 im erbaute Berliner Neue Wache wurde 1931 von Heinrich Tessenow (der sich bei einem dem Projekt vorausgehenden Wettbewerb Ludwig Mies van der Rohe und Peter Behrens durchgesetzt hatte) zu einer „Gedenkstätte für die Toten des Weltkriegs 1914 bis 1918“ umgestaltet.

Eingeweiht wurde die neue Gedenkstätte unter Beisein zahlreicher Honoratioren und paradierender Soldaten am 2. Juni 1931. Und wie zeitgenössische Fotografien zeigen, trugen die Bäume dichtes Sommerlaub, die geladenen Gäse und Soldaten standen unmittelbar vor dem Bauwerk.

Ganz anders vermittelt der Maler und Illustrator Paul Herrmann das Geschehen in seiner Radierung. Diese wurde vermutlich erst im Herbst 1931 von Regierungsmitgliedern als Erinnerungsgeschenk für die am Wettbewerb und an der Einweihung beteiligten Honoratioren in Auftrag gegeben wurde. Herrmann (übrigens der Neffe des Schriftstellers Paul Heyse) verlegte, wohl aus dramaturgischen Gründen, das Geschehen in den Winter. Die kahlen Bäume unterstreichen das Feierliche, auch ist der Blick auf die Fassade ungetrübt. Die Zuschauer zeigt er in zwei rechts und links im Bild stehenden Gruppierung. Vorne rechts steht Reichskanzler Heinrich Brüning. Links stehen in vorderster Reihe der preußische Finanzminister Hermann Höpker-Aschoff sowie der Kunstschriftsteller Karl Scheffler, der als einflussreiches Jurymitglied Tessenows Entwurf favorisiert hatte.

Zur Graphik gehört eine Originalmappe mit eingeklebter Widmung: „Zur Erinnerung an die Einweihung am 2. Juni 1931 / Herrn Kunstschriftsteller Scheffler / Der preußische Finanzminister / Dr. Höpker-Aschoff“.

Der Ankauf dieser Radierung durch das DHM wurde 2011 vom Museumsverein ermöglicht.

Prachtband zur Krönung des preußischen Königs Wilhelm I. 1861 in Königsberg, 1868

Prachtband zur Krönung des preußischen Königs Wilhelm I. 1861 in Königsberg, 1868

Das von Rudolf von Stillfried-Rattoniz verfasste, prachtvoll ausgestattete Buch „Die Kroenung Ihrer Majestaeten des Koenigs Wilhelm und der Koenigin August von Preussen zu Königsberg am 18. Oct. 1861“ schildert die Königskrönung im Jahre 1861.

 

 

 

 

 

Rudolf von Stillfried-Rattonitz Graf von Alcántara war Historiker und Hofbeamter am preußischen Königshof. Seit 1853 Oberzeremonienmeister, war er im Jahr 1861 verantwortlich für die Organisation der Krönungsfeierlichkeiten Wilhelms I. in Königsberg. Im gleichen Jahr veröffentlichte er im Verlag der Koeniglichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei Berlin einen großformatigen Prachtband zu Krönung und Königshaus. Das hier in der 1868 erschienen 2. Auflage vorliegende Buch enthält neben detailreichen Ansichten des Königsberger Schlosses auch einen großformatigen, ausfaltbaren Stammbaum des neu gekrönten Königs.

Dieses Buch konnte 2011 durch den Museumsverein von einem Privatsammler erworben werden.

Anatomisches Modell in Form eines griechischen Torsos (4-teilig), 1880

Anatomisches Modell in Form eines griechischen Torsos (4-teilig), 1880

Dieses nach Vorlagen von Carl Ernst Bock konzipierte Modell diente einst als Anschauungsmittel im Volksschulunterricht.

 

 

 

 

 

 

Der 1809 in Leipzig geborene Anatom Carl Ernst Bock machte sich mit anatomischen Lehrbüchern wie etwa dem 1838 erschienenen „Handbuch der Anatomie des Menschen“ einen Namen. Sehr beliebt waren die Ausführungen des ab 1845 an der Universität Leipzig lehrenden Professors aber nicht nur im akademischen Umfeld: Bocks Beiträge für die Zeitschrift „Die Gartenlaube“ brachten ab 1853 medizinisches Wissen populärwissenschaftlich an den Leser. Auch in dem von ihm geförderten anthropologischen Schulunterricht sollte gesundheitliche Aufklärung und das Wissen um den eigenen Körper eine große Rolle spielen. In Zusammenarbeit mit Franz Josef Steger, einem der wichtigsten deutschen Hersteller anatomischer Modelle, erarbeitete Bock in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Reihe so anschaulicher wie preisgünstiger Modelle, die für den Unterricht an Volksschulen gedacht waren.

Das hier vorliegende anatomische Gips-Modell ist gestaltet wie ein klassischer, griechischer Torso. Es zeigt einen sog. Situs (die Lage der Organe), die einzelnen, farbig gefassten Organe sind einzeln zu entnehmen.

Der Museumsverein kaufte dieses Objekt im Jahr 2011 an.

Das geizige Weib - eine alte Frau mit Geldsack und Münzen, 1751/1800; Die Armut - ein alter Bauer mit Krug, 1751/1800

Das geizige Weib - eine alte Frau mit Geldsack und Münzen, 1751/1800 und Die Armut - ein alter Bauer mit Krug, 1751/1800

Diese beiden farbig gefassten Wachsreliefs sind Werke des Kölner Domvikars Kaspar Bernhard Hardy (1726-1819).

 

 

 

Die Armut - ein alter Bauer mit Krug, 1751/1800

Johann Wolfgang von Goethe war begeistert von Hardys aufwendig hergestellten Wachsreliefs und erwarb einige der Figurendarstellungen für seine private Sammlung. Überaus angetan war auch der Kunstsammler Ferdinand Franz Wallraff, der dem Kölner Original 1803 die„Ode an Hardy“ widmete. Kein Zweifel, der Kölner Domvikar und Bildhauer war einer der bedeutendsten Wachsmodelleure seiner Zeit und weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Seine Werke, die zunächst aus Wachsmasse gegossen und dann koloriert wurden, zeigen historische Persönlichkeiten, aber auch Genreszenen und Allegorien.

Das farbig gefasste „geizige Weib in Reichthum“ und der „bey armuth Vergnüter alter“, so die zeitgenössischen Titel, sind typisch für Hardys realistische Bildsprache. Bei dem Wachsporträt des Mannes mit Hut und Krug handelt es sich möglicherweise um den „Bauern mit Weinkrug" aus der Sammlung Heinrich Sebastian Hüsgen, die am 9. Mai 1808 in Frankfurt am Main versteigert wurde.

Der Museumsverein konnte die beiden Wachsreliefs im Jahr 2010 erwerben. So können nun erstmals zwei wichtige Hardy-Werke öffentlich in Berlin ausgestellt werden, eine wichtige Lücke wurde somit geschlossen.

Priorin Anna Gertrud Leven, um 1800/1802

Priorin Anna Gertrud Leven, um 1800/1802

Dieses Gemälde zeigt die letzte Priorin des 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelösten Kölner Dominikanerinnenklosters St. Gertrud am Neumarkt.

 

 

 

 

 

Dargestellt ist Anna Gertrud Leven, die seit 1798 als letzte Priorin die Leitung des Klosters innehatte. Sie trägt ein Holzkreuz, auf dem ein Banner befestigt ist. Darauf befindet sich eine lateinische, von Johann Adolph Dederich (dem Kellermeister des Klosters) verfasste Inschrift. Sie nennt den Namen der Priorin und zwölf weiterer Schwestern und berichtet von der Säkularisierung des bis ins Jahr 1257 zurückgehenden Klosters Sankt Gertrud am Neumarkt. Auch das Kloster selbst ist dargestellt: auf einer von Engeln getragenen Tuchkartusche am rechten oberen Bildrand.

Der Museumsverein übernahm im Jahr 2010 die Anschaffungskosten für dieses Gemälde.

Leuchter (Girandolen), 1805

Leuchter (Girandolen), 1805

Das Leuchterpaar stammt vermutlich aus dem Sortiment des Nürnberger Kunstgewerbe- und Spielzeuganbieters Georg Hieronimus Bestelmeier.

 

 

 

 

Leuchter (Girandolen), 1805

Der Nürnberger Unternehmer und „Galanteriewarenhändlers“ Bestelmeier war ein Pionier des modernen Versandhandels, sein Warensortiment reichte von allerlei nützlichen Haushaltsgegenständen über luxuriöse Dekorationsartikeln bis hin zu Kinderspielzeug. Später kamen Möbel und selbst produzierte Tapeten hinzu. 1795 veröffentliche er erstmals einen Bestellkatalog mit dem klingenden Namen „Magazin von verschiedenen Kunst- und anderen nützlichen Sachen, zur lehrreichen und angenehmen Unterhaltung der Jugend, als auch für Liebhaber der Künste und Wissenschaften, welche Stücke meistens vorräthig zu finden bei G. H. Bestelmeier in Nürnberg“. Dieses Magazin war eine echte Innovation und gilt heute als weltweit erster Versandkatalog überhaupt! Im einem späteren, etwa 1812 erschienen Katalog ist ein, diesen sog. Girandolen sehr ähnliches, Leuchterpaar abgebildet.

Der Museumsverein finanzierte die Anschaffungskosten für dieses Leuchterpaar im Jahr 2011.

Medaille zum 25jährigen Bestehen des Deutschen Bundes, 1840

Medaille zum 25jährigen Bestehen des Deutschen Bundes, 1840

Diese im Jahr 1840 geprägte Bronzemedaille erinnert an den 1815 auf dem Wiener Kongress geschlossenen Deutschen Bund.

 

 


Der 8. Juni 1815 war ein historisches Datum: 35 bis dahin eigenständige Fürstentümer und vier freie deutsche Städte unterzeichneten im Zuge des Wiener Kongresses die Bundesakte. Mit dieser Gründung des „Deutschen Bundes“ war für die kommenden Jahre zunächst einmal der Frieden gesichert. 25 Jahre später erinnerte diese Bronzemedaille, die vom königlich bayerischen Hofmedailleur August Neuss in Augsburg geprägt wurde, an diesen Zusammenschluss.

Die Vorderseite der Medaille zeigt den über den Krieg triumphierenden Arminius und die Inschrift „Ein Mann, Ein Bund, ein Freies Deutsches Volk“. Auf der Rückseite sind die Wappenschilde der Bundesgenossen zu sehen. Eine umlaufende Inschrift verkündet: „Vereint z. einem Bilde, vereint z. Schirm und Wehr, so stehn d. Wappenschilde, gedraengt im Kreis umher“ und nennt als Prägedatum das Jahr 1840.

Diese Gedenkmedaille gehört zu der insgesamt 90 Münzen umfassenden Sammlung Jordan. Dieses Medaillenkonvolut, das Objekte zur deutschen Geschichte und insbesondere zur Arminius und der Varusschlacht (auch Hermannschlacht) bündelt, konnte vom Museumsverein im Jahr 2010 angekauft werden.

Merowingische Scheibenfibel, um 601-700 n. Chr.

Merowingische Scheibenfibel, um 601-700 n. Chr.

Die Gestaltung dieser kreisförmigen Gewandnadel ist typisch für die vorkarolingische Merowingerzeit.

 

 

 

Mit Scheibenfibeln dieser Art, oft auch aufwendig mit Almandinen verziert, verschlossen und schmückten Frauen im merowingischen Siedlungsgebiet ihre Gewänder. Und gerade in wohlhabenden Familien waren diese knopfähnlichen Verschlüsse nicht der einzige Schmuck. Als Grabbeigaben fanden sich auch goldene Schmuckplättchen und vielfältig geformte, bunte Glasperlen. Die vorliegende Fibel besteht aus einer Bronzescheibe, auf die eine kräftige Eisenplatte gelötet wurde. In das Eisen sind feine Silbermotive tauschiert, d.h. als Intarsien in die Metalloberfläche eingelegt.

Der Museumsverein übernahm 2010 die Anschaffungskosten für diese Fibel.

Römische Zwiebelknopffibel, um 300-500 n.Chr.

Römische Zwiebelknopffibel, um 300-500 n.Chr.

Diese spätantike, einst vollständig vergoldete Gewandnadel war fester Bestandteil der römischen Soldatentracht und diente dazu, den Militärmantel zu schließen.

 

 


Fibeln mit dem charakteristischen Zwiebelknopfdetail, waren in römischer Zeit dem militärischen Umfeld vorbehalten. Andere römische Kleidungsstücke wie Tuniken und Togen wurden hingegen nicht mit Gewandnadeln getragen. Einige Fibeln dieser Art wurden in den Gräberfeldern entlang des Limes gefunden. Ihre Gestaltung und Funktionalität hatten die Römer von den Galliern übernommen.

Der Museumsverein übernahm 2010 die Anschaffungskosten für diese Fibel.

FDGB-Fahne des VEB Einzelhandel Waren täglicher Bedarf 1980/1989

FDGB-Fahne des VEB Einzelhandel Waren täglicher Bedarf 1980/1989

Diese rote Doppelblattfahne des VEB WtB Friedrichshain wurde vermutlich auf Demonstrationen mitgeführt.

 

 

Die Fahne, die zentral das Emblem des zentralen Gewerkschaftsbundes der DDR FDGB zeigt, gehörte der Betriebsgewerkschaft des VEB Einzelhandel WtB (Waren des täglichen Bedarfs) in Friedrichshain. Dieser war Teil der zentralen staatlichen Handelsorganisation HO, die seit ihrer Gründung 1948 als staatliche Einrichtung den Einzelhandel in der DDR bestimmte.

Die Fahne (inkl. Fahnenstange)konnte im Jahr 2010 aus Privatbesitz vom Museumsverein angekauft werden.

Aquarellierte Federzeichnungen eines Feldharnischs Kurfürst Joachims II. von Brandenburg, 1920/1939 und gotischen Feldharnischs, 1920/1939

Aquarellierte Federzeichnungen eines Feldharnischs Kurfürst Joachims II. von Brandenburg, 1920/1939 und gotischen Feldharnischs, 1920/1939

Diese beiden Blätter stammen aus der Feder des Berliner Kriegs- und Historienmalers Walter Graf von Looz-Corswarem (geb. 1874) und zeigen Harnische aus der Berliner Zeughaussammlung.

 

 

Aquarellierte Federzeichnungen eines Feldharnischs Kurfürst Joachims II. von Brandenburg, 1920/1939 und gotischen Feldharnischs, 1920/1939

Bereits unter Kaiser Wilhelm I. wurde das preußische Zeughaus zu einem Waffen- und Militärmuseum umgestaltet. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden hier 60.000 Militariaobjekte aufbewahrt, darunter auch die von Looz-Corswarem gezeichneten Harnische. Während der Feldharnisch als Kriegsverlust gilt, blieb der 1470 entstandene Gotische Harnisch erhalten und befindet sich heute im Besitz des DHM.

Nach Angaben des Vorbesitzers erhielt der Bamberger Oberstabsarzt d.R. Dr. Matthäus Schmidt die beiden Zeichnungen 1945 zum Dank für seine Tätigkeit im Feldlazarett im unterfränkischen Schloss Werneck überreicht. Davor waren die Blätter, wie der rückseitige Stempel zeigt, im Besitz der Unteroffiziersschule der Luftwaffe Werneck.

Der Museumsverein übernahm den Ankauf dieser Zeichnungen im Jahr 2010 aus Privatbesitz. Sie waren Teil der Sonderausstellung „Burg und Herrschaft“ und wurden in der Publikation über die kriegsbedingten Verluste des Zeughauses verwendet.

Plakat mit den Porträts der Abgeordneten der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, 1912

Plakat mit den Porträts der Abgeordneten der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion,  1912

Die Reichstagswahlen im Januar 2012 brachten der SPD einen beeindruckenden Wahlsieg. Mit 110 Mandaten wurde die SPD die stärkste Partei im Reichstag und damit zur stärksten politischen Kraft im Deutschen Reich. Das Plakat zeigt die 110 neu gewählten Abgeordneten.

Der Ankauf dieses Plakats wurde 2010 vom Museumsverein aus Privatbesitz finanziert.

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (mit Schussspuren), 1845

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (mit Schussspuren), 1845

Diese Büste des preußischen Königs ist ein Werk des klassizistischen Bildhauers Christian Daniel Rauch.

 

 

 

 

 


1845 kreiert von Christian Daniel Rauch, einem der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit, und in Berlin gegossen von Carl Fischer, existiert diese im Hohlgussverfahren gefertigte Büste in mehreren Ausführungen. Rauchs erster Entwurf stammt aus dem Jahre 1844 und wurde in mehreren Sitzungen aus Ton modelliert. Eines war dem damals 49-jährigen Preußische König sehr wichtig: er wollte „altersgerecht“ dargestellt werden, wie uns Tagebuchaufzeichnungen des berühmten Berliner Bildhauers Rau verraten.

Das im Jahr 2009 für das DHM erworbene Exemplar zeigt freilich mehr als nur Falten und gelichtetes Haar. Der Kopf trägt Schussspuren im Bereich von Stirn und Wange. Vermutlich gehen diese Beschädigungen auf die Wirren der 1848er Revolution zurück, modernere Waffen hätten wohl den Bronzehohlguß durchschlagen. Ursprünglich handelte es sich übrigens nicht nur um eine Porträtbüste, sondern um eine Büste mit Bruststück. Dieses zeigte einen hermelinverzierten Mantelansatz. Dieses Bruststück allerdings fehlt bei dem vorliegenden Objekt.

Der Museumsverein erwarb diese Bronze 2009 aus Privatbesitz für die Skulpturensammlung des DHM. Sie konnte erstmals in der Gründerzeit-Ausstellung (vgl. den entsprechenden Katalog) der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Kolonialuhr, um 1905

Kolonialuhr, um 1905

Diese von der Badischen Uhrenfabrik Furtwangen in hoher Stückzahl gefertigte „Deutsche Reichs-Colonial-Uhr“ brachte einst koloniale Träume in deutsche Wohnzimmer.

 

 

 

 

 

Elefanten, Schlangen und Palmen: diese Uhr brachte exotischen Flair und Großmachtsträume in das bürgerliche, deutsche Heim der Jahrhundertwende. Aber nicht nur exotische Motive zieren das Ziffernblatt, auch die Ortszeiten in den damaligen deutschen Kolonialgebieten Afrika, China und der Südsee werden anzeigt. Und schließlich demonstrieren zwei zeitgenössische Slogans, wie groß man sich im deutschen Kaiserreich die Zukunft der Kolonialmacht Deutschland erhoffte: über Kaiser Wilhelms II. Ausruf „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser“ (angesichts der Eröffnung des Stettiner Hafens 1998) steht an prominenter Stelle der affirmative Satz: „Kein Sonnenuntergang in unserem Reich“, eine Anspielung auf das Habsburgische Reich Karls V.

Der Ankauf dieser Uhr wurde 2009 vom Museumsverein finanziert.

Bayerisches Wirtshaus in Berlin, um 1900

Bayerisches Wirtshaus in Berlin, um 1900

Anfang des 20. Jahrhunderts wandelte sich Berlin zur blühenden deutschen Metropole. Eine ganz neue Gasthauskultur entstand, in der die sogenannten „ „bayerischen Wirtshäuser“ eine wichtige Rolle spielten.

 

 

In einer Zeit, in der Berlin nicht nur zum kulturellen und wirtschaftlichen, sondern auch politisch-militärischen Zentrum des Deutschen Reiches wurde, bekommen die Gasthäuser der Stadt mit einem Mal eine neue Bedeutung. Hier traf Zivil- auf Militärgesellschaft, hier begegneten sich Beamte, Bürger und Künstler – all das freilich noch, ohne Klassen- oder gar Geschlechtergrenzen zu übertreten. Und während sich die Arbeiter in einfachen Eckkneipen trafen, bevorzugte die „bessere Gesellschaft“ die vielen jetzt neu öffnenden „bayerischen Gasthäuser“, in denen bayerisches Bier ausgeschenkt wurde. Die vorliegenden zwei Bilder (deren Künstler nicht bekannt ist) entstanden wohl um 1900 und geben einen guten Einblick in das Berliner Wirtshausleben.

Männer in Zivilkleidung und Uniform bevölkern die opulent ausgestalteten Gasträume, die gediegen bürgerliche Atmosphäre ausstrahlen. Dass die abgebildeten Herren sich in Berlin aufhalten, zeigt das an der Decke hängende Stadtwappen mit dem Berliner Bären.

Der Ankauf dieser beiden Bilder, die aus Münchner Privatbesitz stammen, konnte 2009 vom Museumsverein finanziert werden.

Schreibzeug für König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen - Allegorie auf den Staat und die Moral, um 1850

Schreibzeug für König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen

Sie war ein Prunkstück der Londoner Industrieausstellung von 1851: Die vom Berliner Goldschmied Friedrich Schneider aus Gold, Silber und Edelsteinen gefertigte Schreibgarnitur war Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gewidmet und befand sich später auch im Besitz des preußischen Königshauses.

 

 

Das aus vergoldetem Silber und Massivgoldelementen gearbeitete Schreibzeug umfasst Tinten- und Sandgefäß, eine Uhr sowie einen Federhalter in Form eines flammenden Schwertes. Es kommt aus der Werkstatt des Berliner Goldschmieds Friedrich Schneider und ist eine beeindruckende Demonstration preußisch-monarchistischen Selbstverständnisses. Schneider, der sein Objekt Friedrich Wilhelm IV. widmete, entschied sich für einen architektonisch anmutenden Kaskadenaufbau.

Der halbrunde Korpus ruht auf drei kräftigen Klauenfüßen, mittig platziert fällt sogleich ein wuchtiger Denkmalssockel mit eingearbeiteter Uhr auf. Auf ihm trohnt Christus, begleitet von Personifikationen des Guten und Bösen. Vor der Uhr befindet sich das preußische Wappenschild, getragen von weiteren Personifikationen und umgeben von zahlreichen, auf die Erfolge Preußens in den Bereichen der Künste und Wissenschaften, der Landwirtschaft, der Industrie und dem Gewerbe verweisenden Allegorien.

Der Gesamtkomposition vorgelagert zeigt sich ein goldener Adler, der sich mit ausgebreiteten Schwingen (die als Ablage für den Federhalter dienen) auf einen Drachen stürzt. In zeitgenössischen Berichten werden die „vaterländischen Ausschmückungen“ des Schreibzeugs gerühmt, deren wichtigste dürfte wohl neben den Initialen „FR“ (Friedrich d. Großen) und „FW“ (Friedrich Wilhelm IV.) der preußische Adler sein, der hier in zahlreichen Varianten auftritt. Auch die (in der Zeit des Nationalsozialismus in Verruf geratene) Devise des 1701 von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg gestifteten preußischen Schwarzen Adlerorden – „Jedem das Seine“ (Suum cuique) – findet sich eingraviert.

Das kostbare Schreibzeug wurde 1851 auf der Londoner Weltausstellung präsentiert und ging später in den Besitz des Hauses Preußen über. Kaiser Wilhelm II. nahm das Schreibzeug sogar mit ins Exil nach Holland.

Der Museumsverein finanzierte, unterstützt von Sonderspendenmitteln der Vereinsmitglieder, im Jahr 2008 den Ankauf dieses kostbaren Objektes für die ständige Sammlung des DHM. Gleich nach dem Erwerb wurde das Schreibzeug in der Sonderausstellung „Deutschland im Industriellen Gründerzeitalter“ präsentiert.

Lavabogarnitur, 1730

Lavabogarnitur, 1730

Dieses aus Wasserbecken und Helmkanne bestehende Waschgeschirr ist ein Werk des Silberschmieds Christian Hövel und stammt wohl aus dem Besitz eines ganz besonderen Barockherrschers.

 



Sowohl Kanne als auch Becken sind aus massivem Silber getrieben und mit insgesamt 68 eingelassenen Münzen und Medaillen versehen. Die alle vor 1728/29 geprägten Münzen stehen in thematischem Zusammenhang mit militärischen Erfolgen, Hochzeiten, Geburten und Krönungen der Adelshäuser Hannover und Braunschweig sowie den Amtsfolgen der Bischöfe von Paderborn, Hildesheim, Münster und Osnabrück. Dies verweist auf den möglichen Auftraggeber der Garnitur, auf den Kölner Erzbischof Clemens August, der im Jahre 1729 auch das Amt des Bischofs von Osnabrück übernahm. Später befand sich das Waschgeschirr im Besitz der Grafen von Landsberg-Velen, deren Ahnherr Anton Heinrich von Velen (1678-1752) Domherr zu Osnabrück war.

Die prunkvolle Gestaltung des barocken Waschgeschirrs (das so im kirchlichen aber auch im höfischen Zeremoniell eingesetzt wurde) dürfte dem Geschmack seines Auftraggebers durchaus entsprochen haben. Denn Erzbischof Clemens August I. war kein geringerer als der Sohn des bayerischen Kurfürsten Max Emanuels. Und obgleich Kleriker, führte er den luxuriösen Lebensstil eines Barockfürsten. Als solcher holte er einige der bedeutendsten Baumeister und Künstler seiner Zeit an seinen „Hof“. Mit der Lavabo-Garnitur beauftragte er den aus dem niederrheinischen Wesel stammenden, in Hamm tätigen Gold- und Silberschmied Christian Hövel.

Den Kaufpreis für dieses besondere Stück wurde vom Museumsverein gemeinsam mit der Rudolf-August Oetker-Stiftung 2008/2009 finanziert.

Standuhr mit Harfenspielwerk für den Kanonengießer Johann Georg Krieger, um 1770

Standuhr mit Harfenspielwerk für den Kanonengießer Johann Georg Krieger, um 1770

Diese reich verzierte Musikuhr ist ein wichtiges Zeugnis der unter Friedrich II. begründeten preußischen Uhrenindustrie.

Sie war ein Geschenk des preußischen Königs an den 1766 zum Königlichen Stückgießereidirektor ernannten Breslauer Kanonen- und Glockengießmeisters Johann Georg Krieger (1728-1810). Entstanden ist die mit Kriegers Monogramm versehene Standuhr in der Werkstatt von Johann Pfister. Dieser zählt zu den von Friedrich II. angeworbenen 40 Schweizer Uhrmachern, die die preußische Uhrenindustrie begründeten. Die mit Harfen- oder Flötenspielwerken versehenen Uhren kamen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Mode und entwickelte sich bald zu einem wichtigen Exportartikel Preußens.


Die hochformatige, mit Blumen- und Rankenschnitzerei reich verzierte Uhr verfügt über ein walzengetriebenes Harfenspielwerk mit vier Melodien sowie ein Uhrwerk mit Glockenschlag. Ihr Ziffernblatt zeigt neben römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen auch das Datum an. Die bekrönende, nicht farbig gefasste Reliefschnitzerei zeigt Kriegstrophäen und erinnert damit an den Erstbesitzer dieser außergewöhnlichen Uhr.

Der Museumsverein ermöglichte durch eine Spende die Restaurierung dieses besonderen, bereits im Jahr 2000 durch das DHM erworbenen Objektes.