Film

Saison in Kairo

100 Jahre UFA

Freitag, 15. Dezember 2017, 21.00 Uhr

Zeughauskino

Saison in Kairo

D 1933, R: Reinhold Schünzel, B: Walter Reisch, K: Carl Hoffmann, M: Werner Richard Heymann, Liedtexte: Robert Gilbert, D: Renate Müller, Willy Fritsch, Leopoldine Konstantin, Gustav Waldau, 80‘ · 35mm

SA 09.12. um 18.30 Uhr + FR 15.12 um 21 Uhr · Einführung am 09.12.: Daniel Rafaelic

Vorprogramm:

Kairo. Bilder aus der Hauptstadt des jungägyptischen Staates D 1934, R: Martin Rikli, K: Carl Hoffmann, 11‘ · 35mm

Während die Weimarer Republik im Januar und Februar 1933 sang- und klanglos untergeht, dreht Reinhold Schünzel in Ägypten eine Komödie. Anstatt wie früher im Atelier und vor Kulissen aus Pappmaché, entstehen nun Aufnahmen vor Ort in Kairo und in der Wüste, bei den Pyramiden von Gizeh und auf arabischen Märkten. Immer wieder drängt sich in Saison in Kairo das Lokalkolorit hinein in die Geschichte von Willy Fritsch und der wie immer hinreißenden Renate Müller. Sie stammt aus abgebranntem Adel und verdingt sich nun auf der Schreibmaschine klappernd als Reisejournalistin; er ist der Spross einer Kaufhausdynastie, deren Läden selbst in Ägypten an jeder Ecke beworben werden. Gemeinsam hecken sie eine Intrige aus, in der sie sich glücklicherweise selbst verheddern.

Auch hier wird gesungen und gewienert, bekommen Nebendarsteller schönste Pointen und scheint die Sonne alle Sorgen weg. Zumindest für den Moment: Regisseur Schünzel, auf dessen goldenes Händchen die Ufa nicht verzichten will, durfte unter Goebbels als „Halbjude“ nur noch einige Jahre mit Sondergenehmigung weiterarbeiten; der Autor des Films, Walter Reisch, der Komponist, Liedtexter und Produzent emigrierten. Die große Zeit des Ufa-Lustspiels der frühen Tonfilmjahre war abrupt beendet. Was blieb, war die internationale Ausrichtung der Firma: Die Ufa arbeitete nicht allein an internationalen Schauplätzen, sondern auch mit internationalen Schauspielern und in unterschiedlichen Sprachen. So wurde von Saison in Kairo auch eine französische Version hergestellt, in der außer Renate Müller fast alle anderen deutschen Darsteller durch Franzosen ersetzt wurden.

Mochten Teile der gleichgeschalteten Presse zur Premiere im Sommer 1933 sehr abfällig urteilen, lobte die Berliner Morgenpost dennoch Schünzels Witz und Raffinesse: „Sie ist die liebende Jugend, mit langen Blicken, zürnender Blondheit und weicher Hingabe; er kommt uns diesmal geschäftig federnd, mit blinkendem Gebiß, Zahlen rasselnd. Er bleibt ahnungslos, bis durch einen zierlichen Knock-out, den er gelegentlich einem Ekel (Pointner: ausgezeichnet) hinwischt, die Herzen sich endlich finden und der Walzer siegt. Anhaltender Beifall.“ (8.8.1933).

Parallel zu Saison in Kairo entstand das kurze Städteporträt Kairo, ebenfalls fotografiert vom großartigen Kameramann Carl Hoffmann. Einführend spricht Daniel Rafaeli? (Croatian Audiovisual Centre, Zagreb) über die Arbeit der Ufa in Ägypten. (ps)

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