Film

Große Liebe

Aus dem Fernseharchiv

Samstag, 02. Dezember 2017, 18.30 Uhr

Zeughauskino

Große Liebe

BRD 1966, R: Johannes Schaaf, B: Gabriele Wohmann, Johannes Schaaf, K: Michael Ballhaus, D: Immy Schell, Heinz Meier, Tilly Breidenbach, Horst Naumann, Else Ehser, 79’ · File

SA 02.12. um 18.30 Uhr + SO 03.12. um 21 Uhr · Einführung: Jan Gympel

Bevor Johannes Schaaf (geb. 1933) mit seinem Kinoerstling Tätowierung 1967 eines der wichtigsten Werke des frühen „Jungen Deutschen Films“ schuf, führte der vom Theater Kommende bei sechs Fernsehproduktionen Regie. So auch bei dem ersten Film nach einem Drehbuch der ebenso vielseitigen wie produktiven Schriftstellerin Gabriele Wohmann (1932-2015), von der in der Reihe Aus dem Fernseharchiv schon Die Witwen oder eine vollkommene Lösung (1971/72, Tom Toelle) und Heiratskandidaten (1974, Klaus Emmerich) liefen.

Große Liebe ist bereits ein für die Autorin ganz typischer Stoff: Eine ledige Lehrerin – nach damaligem Verständnis mit 31 Jahren schon ein „spätes Mädchen“ – (Immy Schell) möchte sich aus ihrem bildungsbürgerlichen protestantischen Elternhaus befreien. Doch der verheiratete Mann, mit dem sie – zum Missfallen des heimischen Matriarchats, das sie und ihre Bedürfnisse nicht ernstnimmt – eine intime Beziehung unterhält, schiebt die Scheidung immer wieder hinaus. Gleichzeitig sieht sich die unsichere Frau mit dem hartnäckigen Werben eines zuvorkommenden, aber kleingeistigen Kollegen vom Land (Heinz Meier) konfrontiert, den sie bei einem Fortbildungsseminar kennengelernt hat, und den zu ehelichen nur den Umzug in einen anderen Käfig bedeuten würde.

Kurt Habernoll urteilte im Abend vom 2.2.1966: „Ein bürgerliches Trauerspiel in mitunter etwas gewollt moderner Erzählweise mit reflektierenden Einblendungen. Gabriele Wohmann weiß in dem Milieu und mit den Typen, die sie uns vorstellt, gut Bescheid. (...) Die Autorin spielt die bösen, verlogen moralischen Redensarten vorzüglich aus. Nur die Beziehungen der einzelnen Figuren zueinander sind zu konstruiert. Die Regie von Johannes Schaaf verdeckte dieses Manko nicht. (...) Dennoch verdient die literarische wie die schauspielerische und fernsehfilmische Bemühung, die ernsthaft künstlerische Ambition, unsere Anerkennung.“ (gym)

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