24/93, zitty: Thomas Wendel über Klaus Schmitt
Klaus Schmidt, (64)
in einem ehemaligen Luftschutzkeller lebender Alt-Anarchist aus Schöneberg, ging ein Wunschtraum in Erfüllung: Seine Vorstellungen von einer gerechten Wirtschaftsordnung wurden in der Bild-Zeitung an prominenter Stelle unters Volk gebracht. "Verrückt: Prenzlberg druckt eigenes Geld", titelte jüngst das kommunistenfressende Boulevard-Blatt über die Ausgabe der "Knochen" - Währung in dem Ost-Bezirk. Nach Anstrengungen aus Schmitts Buch "Silvio Gesell: Marx der Anarchisten?" hatte sich eine illustre Schar Künstler daran gemacht, ausbeutungsfreies "Knochen"- Schwundgeld (vgl. Zitty 26/92) im Nennwert von über 100.000 Mark in Umlauf zu setzen. Die Verantwortlichen der galerie 02 in der Oderberger Straße konnten sich über mangelnde Reaktionen nicht beklagen. Selbst die Landeszentralbank Berlin-Brandenburg meldete sich bei der "Dezentralbank"- Koordinator Bert Papenfuß. Wer neues Geld zirkulieren lasse, ließen die Markwächter allen Ernstes Papaenfuß wissen, mache sich strafbar. Um nicht fünf Jahre Knast zu riskieren, wurde danach aus dem Geldversuch eine auf zwei Monate befristete Künstleraktion. Schmitt war's trotzdem recht: Der Grünen-Feind ("Die sind so intelligent wie Schifferscheiße"), der hinter dem Steuer seiner rot-grünen Ente selbst wie eine Kreuzung aus Papa Marx und AL-Ströbele aussieht, kommentierte die knochentrockenen Reaktionen schlicht mit "Wahnsinn!".
THW







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