Johann Friedrichs Standhaftigkeit und der Mut, mit dem er seinen Glauben verteidigte, führten schließlich zu seiner Freilassung - so setzt die vierte Tafel die Erzählung des Geschehens fort. Links im Hintergrund einer Landschaft steht Johann Friedrich vor der Kutsche des Kaisers, der ihn nach fünf Jahren Gefangenschaft persönlich verabschiedet. Auch hier folgt der Gemäldezyklus einer eigenständigen bildlichen Überlieferung. Eine heute im Schloßmuseum Gotha aufbewahrte und von einem zeitgenössischen Meister gemalte Tafel gibt das Geschehen sehr anschaulich, historisch aber wohl nicht ganz korrekt, als Abschied an der Kutsche wieder.
![]() |
Unbekannter Künstler:
Johann Friedrichs Rückkehr und seine letzten Jahre, 1. Drittel 17. Jh., Öl/Holz, 144,5 x
259 cm (Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. Kg 58/15) (Detail) |
![]() |
Auf diese prägnante Bildfindung greift unsere Darstellung auf dem Gemälde zurück und unterscheidet sich darin vom Holzschnitt (Feld 25), der, weniger aussagekräftig, den Kaiser und Johann Friedrich in einem Innenraum zeigt.
![]() |
Die schriftlichen Quellen betonen, daß Johann Friedrich auf seiner Heimreise von Augsburg über Nürnberg und Bamberg überall freudig aufgenommen wurde. In Coburg, wohin ihm seine Frau Sibylle und seine Söhne entgegengekommen waren, feierte man mehrere Tage seine Rückkehr. Die Begrüßung durch die Gemahlin und den Hofstaat sehen wir im Vordergrund der Landschaft. Hierin folgt die Tafel dem Holzschnitt (Feld 26).
![]() |
Unbekannter Künstler: Johann
Friedrichs Rückkehr und seine letzten Jahre, 1. Drittel 17. Jh., Öl/Holz, 144,5 x 259 cm
(Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. Kg 58/15) (Detail) |
![]() |
In einem anderen Holzschnitt des Meisters HM sind statt der Hofdamen seine drei Söhne bei der Begrüßung anwesend.
|
Meister HM: Ankunft Johann Friedrichs vor Coburg, nach 1552, Holzschnitt, 24,5 x 47,4 cm |
Gemeinsam verbrachte die Familie danach einige Tage im kurz zuvor fertiggestellten Jagdschloß bei Wolfersdorf, dessen Planung Johann Friedrich noch während seiner Gefangenschaft initiiert hatte. Dann zog er weiter nach Weimar und hielt am 26. September 1552 feierlichen Einzug in seine Residenz.
Die übrigen fünf Bildfelder der vierten Tafel sind den letzten Lebensjahren Johann Friedrichs und seiner Frau gewidmet. Links oben blickt man auf das Sterbelager Sibylles, die von ihren Hofdamen und einem Prediger umgeben ist. Sie starb bereits zwei Jahre nach der Freilassung ihres Gemahls am 21. Februar 1554 im Alter von 42 Jahren.
![]() |
Darunter ein schmaler Raumausschnitt, in dem Johann Friedrich bei einer Unterredung mit seinen Räten gezeigt ist. Diese Szene soll die Wiederaufnahme seiner Amtsgeschäfte illustrieren. Obwohl er die Kurwürde verloren hatte, bestand er darauf, »geborener Kurfürst« genannt zu werden, worauf die kursächsischen Wappen, die demonstrativ seinen Thron schmücken, anspielen.
|
||
Unbekannter Künstler: Johann Friedrichs Rückkehr und seine letzten Jahre, 1. Drittel 17. Jh., Öl/Holz, 144,5 x 259 cm (Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. Kg 58/15) (Detail) |
Im mittleren der oberen Kompartimente hat Johann Friedrich seine drei Söhne, Johann Friedrich II. (1529-1595), Johann Wilhelm (1530-1573) und Johann Friedrich III. (1538-1565), zu sich gerufen. Sein politisches Testament formulieren die Verse zum entsprechenden Bild des Holzschnittes (Feld 29) folgendermaßen: »Schickte nach seinen Sünen alln / Befalch inen das sie im zgfalln. / Alls ubels vergessn / und theten recht / Wie dan die fromen Gottesknecht.«
![]() |
Unbekannter Künstler: Johann
Friedrichs Rückkehr und seine letzten Jahre, 1. Drittel 17. Jh., Öl/Holz, 144,5 x 259 cm
(Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. Kg 58/15) (Detail) |
![]() |
Am 3. März 1554 starb Johann Friedrich im Schloß zu Weimar. Das letzte Bild der oberen Reihe zeigt ihn auf dem Sterbelager, umgeben von seinen Söhnen. Nikolaus von Amsdorf hält für ihn die letzte Predigt.
![]() |
Darunter blickt man durch einen weiten Bogen in die Gruft der Weimarer Stadtkirche auf den Sarg des Kurfürsten. In Trauer verhüllte Figuren halten die Totenwache, eine männliche Figur nähert sich von links.
![]() |
||
Unbekannter Künstler: Johann Friedrichs Rückkehr und seine letzten Jahre, 1. Drittel 17. Jh., Öl/Holz, 144,5 x 259 cm (Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. Kg 58/15) (Detail) |
Das über dem Sarg liegende Tuch ist mit den kursächsischen Wappen geschmückt, welche auch die darüberhängende Fahne trägt, und in den Zwickeln der Bogenstellung halten Engel ebenfalls diese Wappen - ein überdeutlicher Ausdruck des fortbestehenden Anspruches der ernestinischen Wettiner auf die Kurwürde.