Vier Gemälde mit Szenen aus dem Leben Johann Friedrich des Großmütigen von Sachsen
von Elke Anna Werner
Aus dem DHM-Magazin, Heft 16, 6.Jahrgang, Berlin, Winter 1995/1996
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| Unbekannter Künstler: Johann Friedrichs Rückkehr und seine letzten Jahre, 1. Drittel 17. Jh., Öl/Holz, 144,5 x 259 cm (Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. Kg 58/15) (Detail) |
Einleitung
Im Deutschen Historischen Museum in Berlin befinden sich vier Gemälde, die Szenen aus dem Leben des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrichs I. des Großmütigen (1503-1554) zeigen. Obwohl sie bereits 1955 ins Zeughaus kamen und eines von ihnen seit längerem zum festen Bestand der Ausstellung gehört, konnten die drei weiteren Tafeln erst jetzt restauriert und einer eingehenden wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen werden. Damit können die vier Gemälde nun wieder in ihrem ursprünglichen Zusammenhang als Bilderzyklus präsentiert werden und einen Eindruck von den monumentalen Ausmaßen des anspruchsvollen Gesamtwerks vermitteln.
Die vier Tafeln schildern in 28 Szenen das Leben Johann Friedrichs I., der als letzter sächsischer Kurfürst aus der ernestinischen Linie der Wettiner eine wichtige Rolle in den politischen Wirren der Reformationszeit spielte. In enger Beziehung zu Luther stehend, war er maßgeblich beteiligt an der institutionellen Festigung der neuen Lehre, geriet dadurch in Konflikt zum Kaiser und verlor schließlich seine Kurwürde. Auf den Gemälden sind verschiedene Szenen aus seinem Leben von der religiösen Erziehung am väterlichen Hof in Torgau bis zu seinem Tod im Jahre 1554 in Weimar dargestellt. Im Zentrum stehen jedoch die Ereignisse des Schmalkaldischen Krieges (1546/47). In dieser militärischen Auseinandersetzung zwischen Kaiser Karl V. und den protestantischen deutschen Fürsten, die sich im Schmalkaldischen Bund unter der Führung von Johann Friedrich und Philipp von Hessen zusammengeschlossen hatten, mußte der Kurfürst eine vernichtende, für ihn und sein Haus schicksalsträchtige Niederlage hinnehmen.
Leider sind wir über wichtige Daten zur Entstehung der Tafeln nicht informiert. Weder die ausführenden Künstler noch der Auftraggeber sind bekannt. Da die Werke auch nicht datiert sind, können sie anhand stilistischer Vergleiche nur grob in den Zeitraum zwischen 1620 und 1650 eingeordnet werden. Auch die Provenienz der Bildfolge läßt sich nur bis 1857 zurückverfolgen, als sie in die neogotische Ausstattung von Schloß "Fröhliche Wiederkunft" bei Wolfersdorf nahe Jena/Thüringen integriert wurde.
Das Fehlen von Quellen zur Entstehung der Bildfolge läßt sich wohl auch damit erklären, daß die Tafeln aus kulturhistorischer Sicht zwar von herausragender Bedeutung sind, der künstlerische Rang dem aber nicht nachkommt. Die typisierten, sich oft etwas steif bewegenden Figuren agieren vor kulissenhaften Architekturen und unnatürlich fluchtenden Landschaften. Irritierend wirkt auch das unvermittelte Aufeinanderstoßen von Innenräumen und Landschaftsausschnitten. Gegenüber dem künstlerischen Anspruch überwiegt hier ein didaktisch-erzählerisches Interesse, das vorrangig auf die Vermittlung von Informationen zu Leben und Werk Johann Friedrichs gerichtet ist. Die Aufteilung der einzelnen Tafeln in mehrere räumlich getrennte Kompartimente hat den Vorzug, eine Fülle von Ereignissen aus dem Leben des Kurfürsten zeigen zu können, indem zeitlich und örtlich nicht zusammengehörende Szenen simultan dargestellt werden.
Die Identifizierung der Darstellungen bereitet uns heute Schwierigkeiten. Das liegt nicht zuletzt an der unausgeführt gebliebenen oder aber bei einer früheren Restaurierung entfernten Beschriftung der weißen Schilder, die auf den Bildern den einzelnen Szenen zugeordnet sind. Vermutlich sollten sie, mit Zahlen versehen, auf einen erläuternden Text hinweisen. Eine andere Schwierigkeit beim Bestimmen der Szenen stellt die mangelnde Porträtähnlichkeit der Figuren dar, die oft selbst im Zusammenhang historisch benennbarer Ereignisse nicht zu identifizieren sind.
Glücklicherweise steht uns neben den schriftlichen Quellen über das Leben Johann Friedrichs, die in ungewöhnlich reicher Zahl vorhanden sind, auch ein Holzschnitt zur Verfügung, der ebenfalls Ereignisse aus dem Leben des Kurfürsten zeigt. Dieser wurde bald nach dessen Tod von einem mit HM signierenden Meister angefertigt und umfaßt 32 Bildfelder, die durch Ornamentleisten getrennt und streng systematisch in zwei Registern übereinander angeordnet sind. Die einzelnen Szenen können anhand vierzeiliger Unterschriften in Versform identifiziert werden. Es spricht alles dafür, daß den Künstlern unserer Tafeln dieser Bilderbogen des Meisters HM als unmittelbare Vorlage gedient hat. Von den 28 Szenen auf den Gemälden stellen 24 eine Umsetzung der Szenen des Holzschnittes dar, vier kommen neu hinzu oder orientieren sich an anderen bildlichen bzw. literarischen Vorlagen, vier Szenen des Holzschnittes sind auf den Gemälden nicht dargestellt. In stilistischer und kompositorischer Hinsicht unterscheiden sich die Gemäldefolge und der Bilderbogen jedoch deutlich, da der Holzschnitt die Ereignisse noch schematischer und reduziert auf wenige Figuren schildert.
Eine gewisse Hilfe bei der Identifizierung der einzelnen Szenen stellt weiterhin eine Beschreibung der Gemäldefolge aus dem 19. Jahrhundert dar. 1857/58 wurden die vier Tafeln, nachdem sie längere Zeit im Altenburger Schloß »untergestellt« waren, in das restaurierte Renaissancejagdschloß »Zur fröhlichen Wiederkunft« bei Wolfersdorf gebracht. Im Zusammenhang mit dieser Verwendung wurde ein Text zur Erläuterung der Bilder verfaßt. Die Autoren stellten bereits fest, daß die Beschriftungen der Tafeln fehlten, und es gelang ihnen nicht, jede Szene zu identifizieren. Da ihre Beschreibungen aber auf intensiven heimatgeschichtlichen Studien beruhen, ist es hilfreich, sie zum Vergleich heranzuziehen, obgleich die Autoren ihre Quellen leider nicht nennen. Wenn im folgenden für fast alle Szenen eine Deutung vorgeschlagen wird, so soll nicht darüber hinweggetäuscht werden, daß letztlich bei der präzisen Benennung historischer Ereignisse und Persönlichkeiten ein Rest Ungewißheit bleibt.
| Quelle: | Vier Gemälde mit Szenen aus dem Leben Johann Friedrich des
Großmütigen von Sachsen DHM-Magazin, Heft 16, 6.Jahrgang Berlin, Winter 1995/1996 Redaktion: Alfred Nützmann Bearbeitung für das Internet: Björn Quiring |