Rede vom 21. August 1919 nach der Vereidigung zum Reichspräsidenten
"Ich danke ihnen von ganzem Herzen für die freundlichen
Worte, die sie an mich gerichtet haben. Ich danke ihnen ganz
besonders dafür, daß sie in ihren Worten Erinnerungen
an unsere gemeinsame, engere, liebe Heimat mitklingen ließen.
Meine Damen und Herren. Sie vertreten alle Gaue Deutschlands.
Das aber müssen wir uns erhalten, wenn wir unser Vaterland
auf Grundlagen aufbauen wollen, die unverkennlich und unzerstörbar
sein sollen. Die innige Liebe zur Heimat, zum Volksstamm, dem
der einzelne entsprossen ist, und dazu soll kommen die heilige
Arbeit am Ganzen, daß sie in Dienst stellen in die Interessen
des Reichs. Da löst sich der Widerspruch zwischen Gesamtstaat
und Einzelstaat, da in der engeren Heimat liegt die Quelle unserer
Kraft, in der weiteren, in der großen Heimat das Ziel und
der Kern unserer Arbeit. in diesem Geiste lassen sie mich zu meinem
Teil die Verfassung halten, vertiefen und schützen. Das
Wesen unserer Verfassung soll vor allem Freiheit sein. Freiheit
für alle Volksgenossen. Aber jede Freiheit, an der mehrere
teilnehmen, muß ihre Satzung haben. Diese haben Sie geschaffen,
gemeinsam wollen wir sie festhalten. Aus Ihrem Vertrauen bin
ich an die erste Stelle im deutschen Reich gestellt worden. In
Ihrer Hand habe ich das Gelöbnis abgelegt, die von ihnen
für das deutsche Volk geschaffene Verfassung treu zu wahren.
Ihr Vertrauen wird mir die Kraft geben, immer der erste zu sein,
wenn es gilt, Bekenntnis und Zeugnis abzulegen für den neuen
Lebensgrundsatz des deutschen Volkes, für Freiheit, Recht
und soziale Wohlfahrt."
(Nachgesprochen am 12. Mai 1920)
Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt am Main