Aus dem Fernseharchiv

In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands liegt ein kaum bekannter Schatz: Spielfilme teils prominenter Regisseure und/oder Drehbuchautoren, entstanden hauptsächlich in den sechziger und siebziger Jahren, als die Rundfunkanstalten zugleich ein Übungs- und Experimentierfeld auch für Nachwuchsfilmemacher boten. Reine TV-Produktionen, die in aller Regel auch nur im Fernsehen gezeigt wurden, dort allerdings ein Millionenpublikum erreichten. Auf diesen weitgehend vergessenen Teil der deutschen Filmgeschichte möchte die von Jan Gympel initiierte und mitkuratierte Reihe Aus dem Fernseharchiv hinweisen: Monatlich wird ein Fernsehspielfilm – seit diesem Jahr aus dem Bestand der Sammlung Fernsehen der Deutschen Kinemathek – präsentiert.

Im zweiten Quartal 2018 zeigen wir drei Fernsehfilme, die unter der Regie von Falk Harnack (1913-1991) entstanden. Der aus einer Akademikerfamilie stammende Harnack war frühzeitig im Widerstand gegen die Nazis, hatte das „Dritte Reich“ jedoch mit viel Glück überlebt – im Gegensatz zu seinem Bruder Arvid Harnack, dessen Frau Mildred oder seinen Cousins Ernst von Harnack und Dietrich Bonhoeffer. Bei der jungen DEFA wirkte Falk Harnack, der zunächst nur beim Theater gearbeitet hatte, 1949-52 als künstlerischer Direktor. Nachdem seine Arnold-Zweig-Adaption Das Beil von Wandsbek in der DDR angegriffen worden war und sich weitere DEFA-Projekte zerschlagen hatten, versuchte er in der westdeutschen Filmindustrie Fuß zu fassen, wo er jedoch nur wenige Werke inszenieren konnte. Ab Ende der 1950er Jahre arbeitete Harnack, außer am Theater, fast ausschließlich für das Fernsehen – weshalb sein ebenso umfangreiches wie bedeutendes Schaffen mittlerweile kaum mehr präsent ist.

Aus dem Fernseharchiv ist eine Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

Der Eintritt ist frei.