Aus dem Fernseharchiv

Klaus Lemke und Cleo Kretschmer

In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands liegt ein kaum bekannter Schatz: Spielfilme teils prominenter Regisseure und/oder Drehbuchautoren, entstanden hauptsächlich in den sechziger und siebziger Jahren, als die Rundfunkanstalten zugleich ein Übungs- und Experimentierfeld auch für Nachwuchsfilmemacher boten. Reine TV-Produktionen, die in aller Regel auch nur im Fernsehen gezeigt wurden, dort allerdings ein Millionenpublikum erreichten. Auf diesen weitgehend vergessenen Teil der deutschen Filmgeschichte möchte die von Jan Gympel initiierte und mitkuratierte Reihe Aus dem Fernseharchiv hinweisen: Monatlich wird ein Fernsehspielfilm – seit diesem Jahr aus dem Bestand der Sammlung Fernsehen der Deutschen Kinemathek – präsentiert.

Der 1940 geborene Klaus Lemke zählt zu den wenigen Filmemachern seiner Generation, die noch immer aktiv sind und bis heute auch unter jungen Leuten eine beachtliche Fangemeinde besitzen. Seine größten Publikumserfolge feierte er in den siebziger Jahren, als es im deutschen Fernsehen und erst recht im deutschen Film wenig zu lachen gab, mit meist in München angesiedelten Komödien. Die Bild am Sonntag vom 13.4.1980 zitierte Lemkes Credo: „Ich will den Zuschauern Mut machen und gute Laune. Die sollen doch nicht an Selbstmord denken, wenn sie aus dem Kino kommen!“ Zentrale Figur dieser Arbeiten, die aus exakter Beobachtung von Menschen und Milieus sowie genauer Vorbereitung, aber mit vor der Kamera improvisierten Dialogen und vielen Laien entstanden, war Lemkes damalige Muse und Geliebte Ingeborg Maria „Cleo“ Kretschmer. Sie nahm auf die Filme, die frisch und lebensnah wirken und daher viel über den Alltag ihrer Entstehungszeit erzählen, auch inhaltlich Einfluss, und sei es allein dadurch, dass sie in der einen oder anderen Weise immer sich selbst oder zumindest Facetten ihrer Persönlichkeit darstellte.

Aus dem Fernseharchiv ist eine Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

Der Eintritt ist frei.