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zum Thema Olympia
Regine Falkenberg
"Souvenirs, Souvenirs ..."
Olympische Andenken aus den Beständen des Deutschen Historischen Museums
Souvenirs erinnern. Über sie ist jederzeit das "Weißt-du-noch" abrufbar, kann längst Vergangenes in die Gegenwart transformiert werden. Andenken sind langlebige Indizien dafür, da- oder dabeigewesen zu sein. Sie sind weder Kunstwerke noch funktionale Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs (Brock, S. 64). Der Versuch einer Klassifizierung und Bewertung von Andenken nach dem Kriterium Kitsch, Kunst oder Volkskunst greift zu kurz. Denn ihre Leistung besteht wesentlich darin, gelebtes Leben zu speichern und bereit zu halten.
In den Beständen des Deutschen Historischen Museums gibt es nur eine vergleichsweise kleine Auswahl aus der großen Masse von seriengefertigten Souvenirs, die zu den jeweiligen Olympischen Spielen hergestellt und vertrieben wurden. Mit kleinen Objektensembles sind die Sommerspiele Berlin 1936, München 1972, Moskau 1980 und die Bewerbung Berlins um die Spiele 2000 vertreten.
Die Produktion von Souvenirartikeln hebt den Wert der Spiele als touristische Attraktion. Die Besucher der Sportveranstaltungen schauen nicht mehr nur zu, wie den Sportlern ihre Medaillen überreicht werden, sie dürfen auch selbst ein vorgefertigtes Stück Erinnerung mit nach Hause nehmen, sei es in Form einer Postkarte, eines Halstuches, eines Abzeichens oder eines Wandtellers. Die Besonderheit des olympischen Souvenirs macht sein Aufdruck aus: die Olympischen Ringe, ein Olympia-Emblem oder eine Werbefigur, ein lokales Wahrzeichen. Diese Symbole zieren allein oder in Kombinationen die verschiedenen Artikel.
Als das Symbol für die Spiele schlechthin gelten die Olympischen Ringe. Ihre exakt festgelegte heraldische Form und Farbgebung dienen der unverwechselbaren Erkennung. Die fünf in gleichem Abstand ineinander verschlungenen Ringe sind ein Zeichen der Verbundenheit, des gemeinsamen, geschlossenen Erlebens. Künstlerischer Urheber des Symbols ist Pierre Baron de Coubertin (1863-1937) (Schroeder, S. 49-56). Im Sommer 1913 schuf er die Ringe, und -- wie er in seinen "Mémoires olympiques" von 1931 berichtet -- erstmals im Juni 1914 wurde die weißgrundige Fahne in Paris zur Feier des 20. Jahrestages der Wiederaufnahme der Spiele der Öffentlichkeit vorgestellt (Coubertin 1959, S. 147). Er ließ insgesamt 500 Stück im Pariser Warenhaus Bon Marché herstellen (Schroeder, S. 50 f.).
Die fünf Farben der Ringe auf weißem Grund -- dem Fahnenmast am nächsten blau, dann gelb, schwarz, grün und rot -- symbolisieren die fünf Erdteile, die durch den Olympischen Gedanken vereint wurden. Die Kontinente sind farblich nicht zugeordnet. Diese sechs sogenannten heraldischen Farben waren zudem in den Flaggen aller damals an den Spielen teilnehmenden Nationen vertreten.
Seit den ersten Olympischen Spielen nach dem Ersten Weltkrieg, die 1920 in Antwerpen stattfanden, wird diese Fahne für die Dauer der Spiele gehißt. Sie ist Teil einer Zeremonie, eines Initiationsrituals, mit dem bei der Olympischen Eröffnungs- und Schlußfeier zunächst zur Festzeit und dann wieder zum Alltag übergeleitet wird. Der Utrechter Kunstmaler und Graphiker Jos. (Joseph Johannes) Rovers bezieht erstmals die Fahne auf seinem offiziellen Plakat zur IX. Olympiade 1928 in Amsterdam ein (Comité International Olympique, S. 34 f.).
Ausschließlich das Internationale Olympische Komitee, die Nationalen Olympischen Komitees und die Organisations-Komitees für die Olympischen Spiele besitzen das Recht, die Ringe wie die Fahne zu verwerten und den Gebrauch durch Dritte zu gestatten (Schroeder, S. 110). Um den Schutz des olympischen Symbols vor Mißbrauch bemühte sich das IOC bereits 1910 (Schroeder, S. 124).
Bei den XI. Olympischen Spielen in Berlin 1936 trat die Glocke als Signum neben die Ringe. Der Graphiker Johannes Boehland gestaltete sie zusammen mit dem Reichsadler auf Olympischen Ringen zunächst als Briefsiegel und Stempel für das Komitee. Dann schuf der Bildhauer Walter E. Lemcke das Glockenmodell, nach dem der Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation sie goß. Mit einem zehn Tage dauernden "Triumphzug" wurde die pompöse Glocke (mit Krone 2,70 m hoch, 13.841 kg schwer) im Januar 1936 nach Berlin verbracht und am 11. Mai auf dem Glockenturm bei der Ehrenhalle für die jungen Kriegstoten von Langemarck installiert (Amtlicher Bericht, S. 111-118).
Die Glocke als Symbol schien von den Organisatoren mit Bedacht gewählt zu sein. Sie demonstrierte Macht und Festigkeit des NS-Staates. Sie besaß sakralen Charakter -- als Kirchenglocke diente sie zum Tauf- und Totengeläut. Mit ihrer Aufschrift "Ich rufe die Jugend der Welt" appellierte sie an diese, sich aufopferungsvoll dem sportlichen Wettkampf ihrer Nation hinzugeben. Sie erinnerte an Opfer wie die Toten von Langemarck und forderte zugleich Opfer, die sich ebenso heroisch auf das Vaterland verpflichten sollten (Alkemeyer, S. 61 f., Bernett 1986, S. 383 ff.).
Für die Spiele nach 1945 gaben die jeweiligen Organisations-Komitees ein sogenanntes Olympia-Emblem in Auftrag, das zur Mitfinanzierung der Kosten genutzt wurde. Denn der gigantische finanzielle Aufwand machte aus den Sportspielen ein Geldspiel: Sponsoren wurden geworben, Lotterien veranstaltet, Fernsehrechte verkauft und Lizenzgebühren erhoben für ebenjene Embleme.
Auch Werbefiguren wurden als Botschafter des Kommerzes eingesetzt.
Zu den X. Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble gab es ein erstes inoffizielles Maskottchen, den Skiläufer "Schuß" (Die Herren der Ringe, S. 55). Vier Jahre später war der Dackel "Waldi" offizielles Souvenir der Spiele in München. Diese Werbefiguren, die im Zusammenhang mit Olympiaden in der Art von Spielzeug- oder Comicfiguren auftreten, bezeichnet die Werbebranche als Sympathieträger. Sie sollen Emotionen ansprechen, affirmativ wirken, die Spiele schon im Vorfeld bewerben und schließlich begleiten und vor allem Geld einbringen. Dazu werden sie als Motiv beispielsweise auf Schlüsselanhängern oder Abzeichen vervielfältigt und sind als Figur in verschiedenen Materialien erhältlich. Werbefiguren stellen sich auf Medien ein, sie sind "medienkompatibel" (Grasskamp, S. 51). Im Fernsehen können sie lebendig werden, im Radio eine Stimme bekommen oder in statischer Form eine Plakatwand so gut wie eine Postkarte schmücken.
Das gestalterische Konzept der "Corporate identity" gelangte durch die Sommerspiele 1972 in München zu großer Popularität. 1966 wurde Otl Aicher von der Hochschule für Gestaltung in Ulm engagiert. Er hatte die Idee, dem Sportfest ein umfassendes visuelles Erscheinungsbild zu geben (Kornatzki, S. 41), und ließ Formulare, Urkunden, Plakate, Kleidung, Plätze, Fahnen, Straßen, Plätze, sogar das Maskottchen und einige Souvenirartikel einheitlich gestalten. Neben dem Strahlenkranz -- offizielles Olympia-Emblem und gleichzeitig als Lotterie-"GlücksSpirale" bekannt zur Mitfinanzierung der Spiele (Haas, S. 98) -- prägten sich vor allem die Farben in ihrer ästhetischen und ordnenden Funktion ein.

Abb.1: Olympia-Maskottchen
Abb.2: Abzeichenserie zu den Olympischen Spielen in Moskau 1980
Abb.3: Der Bär als Maskottchen der Olympiade in Moskau
Abb.:4: Brotkorb 1936
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