Sie sind hier: Startseite > Landkreise > Ostprignitz-Ruppin > Garz
Ort: | Garz. |
Name: | Wohnturm. |
Landkreis: | Ostprignitz-Ruppin. |
Bundesland: | Brandenburg. |
Bestand: | Dreigeschossiger Wohnturm. |
Gebäudetyp: | Wohnturm. |
Datierung: | Um 1400. |
Besitzergeschichte: | Der Name „Garz“, slavisch „gord“ für „Burg“ sowie Funde slawischer Keramik deuten auf eine Besiedelung des Ortes in slawischer Zeit hin. Die dort seit 1419 nachweisbare Familie von Quast war bis 1945 im Besitz des Dorfes. Albrecht Christoph von Quast (1613-1669) vereinigte die Rittersitze Spandau und Garz. 1890 ist das Rittergut Garz im Ruppiner Kreis belegt, hat einen Gesamt-Flächeninhalt von 1666 Magdeburger Morgen und ist im Besitz des Königl. Preussischen Rittmeisters a. D. Hermann Adolph Friedrich Otto von Quast (1812-1888)(Dunker). 1936 wurde das Efeu entfernt und der Wohnturm restauriert. Das Herrenhaus wurde zu DDR-Zeiten als Kulturhaus genutzt und ist heute mit Park, Wohnturm und Stallgebäuden aus dem Barock und dem 19. Jahrhundert in Privatbesitz. |
Baugeschichte: | Auf dem heutigen Gutsgelände weisen spätslavische Funde und Mauerreste einer Burganlage mit Mauerzügen und dem Sockel eines Rudnturmes auf ältere Anlagen hin. Etwa einen Meter unter dem heutigen Niveau wurden ein ehemaliges Fußbodenniveau mit Pflasterung gefunden. Der erhaltene Wohnturm mit drei Vollgeschossen auf rechteckigem Grundriß wurde nach den Baubefunden um 1400, möglicherweise durch die von Quast errichtet. Die 1,40 m dicken Außenwände sind aus Feldsteinen, Mauerkanten sowie Fenster- und Türgewände aus Ziegeln gemauert. Die ursprüngliche Geschoßeinteilung und die stichbogigen kleinen Fenster mit tiefen spitz zulaufenden gewänden lassen sich rekonstruieren. Die Deckenbalken lagen auf Ringbalken auf Mauerrücksprüngen auf. Von der Ausstattung haben sich ein mehrfach verzogener Kamin und Reste eines in rechteckige Felder eingeteilten Ritzputzes erhalten. Auf der Südseite des Turms wurde nachträglich ein Gebäude mit einem tonnengewölbten Keller, vielleicht ein Saalbau, angebaut. In einer weiteren Bauphase wurden im Turm Kreuzgratgewölbe eingezogen und damit die Geschoßeinteilung stark verändert. Kennzeichnend ist das kleinere Ziegelformat der Gewölbe, das sich in den Türgewänden wiederfindet. Alte Fenster wurden vermauert und Aborterker eingerichtet. Das Datum in der Wetterfahne 1681 bezieht sich wahrscheinlich auf diese Umbauphase. Um 1704 wurde neben dem Wohnturm ein Gutshaus mit Krüppelwaldach errichtet. Der Wohnturm blieb daneben erhalten und wurde um 1765 zu einem Lusthaus umgestaltet. Zu dieser Bauphase gehören die Balkenlage des zweiten Obergeschosses, das Dachwerk und der oktogonale Treppenturm auf der Südseite. Eine Nutzung als Lager führte im 20. Jahrhundert zu massiven Schäden. 1936 wurden der Efeu entfernt und der Wohnturm restauriert. 1991 wurde das Bauwerk dokumentiert und gesichert. |
Literatur: |
BREITLING, Stefan, Der Wohnturm in Garz. Bauhistorisches Gutachten, 1998, Archiv BLDAM; BREITLING, Stefan, Adelssitze zwischen Oder und Elbe 1400 - 1600. (Veröffentlichung der Deutschen Burgenvereinigung Reihe A: Forschungen, Band 10). Braubach 2005, S. 85-86; CORPUS archäologischer Quellen zur Frühgeschichte auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik (7. bis 12. Jahrhundert). 3. Lieferung, ed. von Joachim Herrmann and Peter Donat. Berlin 1979, S. 120; FONTANE, Theodor, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Die Grafschaft Ruppin. München 1971, S. 551; Die KUNSTDENKMÄLER der Provinz Brandenburg, hrsg. vom Brandenburgischen Provinzialverband. Berlin 1907-1, Teil 3, Kreis Ruppin, hrsg. von Theodor Goecke, bearb. von Paul Eichholz, Friedrich Solger und Willy Spatz. Berlin 1914, S. 30-32; STEIN, Theodor, Der alte Wohnturm in Garz. In: Jahrbuch des Kreises Ruppin, 1938, S. 78 ff; |
Autor: | Stefan Breitling. |