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Götschendorf / Kölpin

Ort: Götschendorf.
Name: Turmhügel, Ruine -> siehe auch: Sitz der Familie von Arnim.
Landkreis: Uckermark.
Bundesland: Brandenburg.
Bestand: Bodendenkmal, Ruine.
Datierung: 13. Jahrhundert, vermutlich vor 1375 aufgegeben.
Erwähnungen: 1270:"in colpino"; 1275: "Curia Kolpyn ... iacet desolata".
Besitzergeschichte: Klosterhof des Klosters Walkenried, markgräflicher Hof (?).
Baugeschichte: Am Ufer des Kölpinsees liegen die Reste eines Bauwerks aus regelmäßigem Feldsteinquadermauerwerk. Archäologische Ausgrabungen im Jahr 2008 bestätigten den zeitlichen Ansatz aus dem Kunstdenkmälerband Templin, in dem das Bauwerk - unter Götschendorf geführt - ins 13. Jahrhundert datiert wurde. Mit Innenmaßen von 8,63 m x 7,40 m bei einer Mauerstärke von nur 1,50 m ist das Gebäude mit den rechteckigen Bauten in Garz, Badingen, Lünow und Kleinmachnow vergleichbar. Der Bau war unterkellert. Im Norden lag etwa 3m von der Außenwand entfernt ein rechteckiger, ca. 1,5 x 4 m messender Sockel aus Feldsteinen und Ziegeln. Möglicherweise handelt es sich um die Substruktion einer Treppe zu einem Hocheingang des Turmes. Funde von Säulentrommelbruchstücken aus Backstein weisen auf eine Öffnung, eventuelle ein Doppelfenster, hin. Im Umfeld des Hügels konnten nur wenige Siedlungsspuren beobachtet werden. Westlich des Turms befand sich ein Nebengebäude, von dem Unterlegsteine für Schwellen freigelegt werden konnten. Etwa 50 m westlich wurde ein flacher Graben dokumentiert. Nördlich und südlich des Hügels erstreckten sich in früheren Zeiten - vermutlich bis zur Melioration in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts - feuchte Arme des Kölpinsees.
Bei dem Turm handelte es sich um das zentrale Gebäude eines ausgedehnten, befestigten Siedlungskomplexes auf einer Spornlage im Kölpinsee. Ob es sich tatsächlich um den in den Schriftquellen genannten Klosterhof der Walkenrieder Mönche und die "Curia Kolpyn" handelt, ist bisher noch kaum zu entscheiden. Das archäologische Fundmaterial, vor allem Keramik der harten Grauware, ein Kugelstachelsporn und einige weitere Kleinfunde sowie zwei Masseln (Eisenbarren) und eine Luppe (schlackehaltiger Eisenklumpen, der beim Verhüttungsprozess entsteht) bestätigt die Datierungsansätze, die sich aus den Schriftquellen ergeben. Die Anlage war im 13. und 14. Jahrhundert besiedelt.
Untersuchungen: Feldbegehungen, Ausgrabung 2008.
Funde: Keramik, Metallfunde, Bauteile.
Literatur: BIERMANN, Felix/KRAUSKOPF, Christof, Burg, Klosterhof oder Kirche? Fragen an den Turmhügel von Götschendorf. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2008. Stuttgart 2010, S. 96-98;
BREITLING, Stefan, Adelssitze zwischen Oder und Elbe 1400 - 1600. (Veröffentlichung der Deutschen Burgenvereinigung Reihe A: Forschungen, Band 10). Braubach 2005, S. 87;
ENDERS, Lieselott, Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VIII: Uckermark. Weimar 1986;
Die KUNSTDENKMÄLER der Provinz Brandenburg, hrsg. vom Brandenburgischen Provinzialverband. Berlin 1907-1941. - 3, Teil 2, Kreis Templin, bearb. von Heinrich Jerchel. Berlin 1937, S. 85-86;
SCHÜTZ, Antonia, Die hoch- und spätmittelalterlichen Burgen und Adelssitze in der Uckermark, Land Brandenburg. Bestandsausfnahme und vergleichende Untersuchungen vom späten 12. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Diss. Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin 2006, S. 310-311 http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/schuetz-antonia-2007-05-10/PDF/schuetz.pdf.
Autor: Christof Krauskopf.