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Ort: | Lünow. |
Name: | Gutshaus, Turm, Kapelle. |
Landkreis: | Potsdam-Mittelmark. |
Bundesland: | Brandenburg. |
Bestand: | Eingeschossiger einräumiger Backsteinbau mit Netzgewölbe und einem tonnengewölbten Keller. |
Datierung: | Mitte 16. Jahrhundert. |
Besitzergeschichte: | 1375 wird im Landbuch Kaiser Karls IV. der markgräfliche Lehnsträger Huneken oder Hünicke als Inhaber des Patronats und der Gerichtsbarkeit Lünow genannt. 1450 besaßen die von Kloth die adligen Freihufen. 1527 bis 1529 erwähnen bischöfliche Steuerregister die Kirche in Lünow als „filia von Weseram“. 1583 waren Arndt und Joachim Klott in Lünow begütert. 1609 wurde Arndt Kloth mit der Herrschaft belehnt. 1726 verkaufte Friedrich von Görne auf Plaue das Dorf Lünow an das Domkapitel in Brandenburg. |
Baugeschichte: | Das Gutsgelände liegt leicht erhöht an der Uferstraße von
Brandenburg zwischen dem kleinen Straßendorf und der Kirche. Auf der gegenüberliegenden
Insel im Beetzsee soll sich ein Burgwall befunden haben. Vom ehemaligen Herrenhaus ist ein
eingeschossiger, unterkellerter, mit aufwändigen Netzfigurationen gewölbter Backsteinbau
auf 7 x 9 m Grundfläche erhalten. Ein der Straße folgendes Scheunengebäude des
19. Jahrhunderts und ein zum Wohnhaus erweiterter Wirtschaftstrakt begrenzen die rechteckige
Hofanlage. Die Mauern des Backsteinturmes bestehen aus hellen Ziegeln. Nach Nitschke ist das Netzgewölbe in die erste Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts zu datieren. Dazu passt das einheitliche Ziegelformat. In den Hauptraum gelangt man über einige Stufen durch ein rundbogiges Portal, dessen Gewände mit Quaderwerk bemalt ist. Das Gewände des Kellerabgangs besteht aus mehrfach gestaffelten Bögen aus Formziegeln. Der Backsteinbau war ursprünglich in ein 1910 abgerissenes Fachwerkhaus integriert, wie Pläne und Abbildungen in den Kunstdenkmälern zeigen. Im gemauerten Kernbau ist die Hofstube, hier allerdings ohne Kamin, zu sehen. Das Gebäude entspricht damit einem Typ des brandenburgischen städtischen Bürgerhauses mit einem so genannten festen Zimmer. Der Gesamtgrundriss lässt sich auf ein dreiachsiges Gebäude mit durchbindender Mitteldiele zurückführen, an das später im Osten eine Küche angebaut wurde. Auffällig ist allerdings, dass die nördliche Stube mit hölzerner Kassettendecke und Alkoven nicht die Breite des massiven Teiles aufnimmt, sondern eigenen, symmetrischen Ordnungsprinzipien folgt. Es erscheint möglich, dass der Backsteinturm ursprünglich frei gestanden hat und jedenfalls nicht zusammen mit dem Fachwerkgebäude geplant wurde. Für eine solche Annahme spricht der Kamin im tonnengewölbten Keller, der dadurch als Küche fungiert haben könnte. Außerdem verweist der herausgezogene Kellerzugang auf einen früheren Treppenabsatz. Damit ist der Fachwerkteil nach dem frühen 16. Jahrhundert zu datieren. Ob es einen mittelalterlichen Vorgänger gegeben hat, müsste durch Untersuchung des Fundamentmauerwerks und der Fuge zwischen der inneren und der äußeren Mauerschale geklärt werden. Der heutige Vorbau im Norden ist aus zweitverwendeten Ziegeln mit deutlich modernem Mörtel aufgeführt und wird kurz nach dem Abriss des Fachwerkhauses entstanden sein. Das Bauwerk ist in seiner Konstruktion und dem Gewölbe mit dem nahegelegenen Bagow zu vergleichen und sicherlich in die gleiche Zeit zu datieren. |
Literatur: |
BREITLING, Stefan, Adelssitze zwischen Oder und Elbe 1400 - 1600. (Veröffentlichung der Deutschen Burgenvereinigung Reihe A: Forschungen, Band 10). Braubach 2005, S. 97-98; BADSTÜBNER, Ernst, Schlösser der Renaissance in der Mark Brandenburg.(Monumenta Brandenburgica 2). Berlin 1995; DEHIO, Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg, bearb. von Gerhard Vinken u. a., München/Berlin 2000, S. 632-633; NITSCHKE, Willi, Stern- und Netzgewölbefigurationen und ihre Entwicklung in der Mark Brandenburg von 1350 bis zum Ende des 16. Jahrhundert. Diplomarbeit HU Berlin 1957, S. 62; HELMIGK, Hans-Joachim, Märkische Herrenhäuser aus alter Zeit. Berlin 1928/1929, S. 49; HERRMANN, Joachim, Die Vor- und Frühgeschichtlichen Burgwälle Groß-Berlins und des Bezirkes Potsdam. Berlin 1960, S. 134; Die KUNSTDENKMÄLER der Provinz Brandenburg, hrsg. vom Brandenburgischen Provinzialverband. Berlin 1907-1941. - 2, Teil 1, Kreis Westhavelland, bearb. von Paul Eichholz und Willy Spatz. Berlin 1913, S. 95-102; Messtischblatt 3541, 1903. |
Autor: | Stefan Breitling. |