Sie sind hier: Startseite > Burgen in Berlin > Spandau
Ort: | Spandau. |
Name: | Zitadelle. |
Bezirk: | Spandau. |
Bundesland: | Berlin. |
Bestand: | Turm, dreigeschossiger Palas, Festungsanlagen, Hafenanlage, Gebäude aus dem 16. bis 20. Jahrhundert, konservierte Reste der slawischen, askanischen und renaissancezeitlichen Befestigung in situ als Teil des Museums. |
Datierung: | 13.-16. Jahrhundert. |
Erwähnungen: | 1197 advovatus spandove; 1317, 1373, 1375: castrum spandow. |
Besitzergeschichte: | Die Burg Spandau war kurfürstlich-brandenburgischer Besitz. Die Zitadelle Spandau gehörte zu einem eigenen Gutsbezirk des gleichen Namens. 1920 wurde sie mit mehreren Gemeinden und den Gutsbezirken Pichelswerder und Heerstraße nach Berlin eingemeindet. |
Baugeschichte: | Im 11. Jahrhundert wurde auf der Insel eine befestigte slawische Siedlung angelegt,
deren ovale Form durch die Askanier beibehalten wurde. Die erste deutsche Anlage war wie die
slawische Befestigung eine Holz–Erdekonstruktion. Der Umbau begann im Jahr 1199, gesichert durch denrochronologisch bestimmte Hölzer. Als erstes steinerndes Bauwerk wurde wahrscheinlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts der 32 m hohe, runde Bergfried, der Juliusturm, errichtet. Sein Sockelgeschoss besteht aus 3,60 m starkem Mauerwerk, der unterste Raum ist gewölbt. Der Kernbereich der Burg mit Turm und den Vorgängerbauten des heutigen Palas wurde durch einen Graben abgetrennt. In der Vorburg fanden sich Reste eines Friedhofes. Der heutige Palas wurde in der Zeit zwischen 1450 und 1470 erbaut. In seinem Sockelmauerwerk wurden jüdische Grabsteine, die aus der Zeit zwischen 1244 und 1347 stammen, verbaut. In den folgenden Jahrzehnten wurde die alte Befestigung durch eine Ziegelmauer ersetzt und die Burg im Renaissancestil umgebaut. Dazu gehörte der Bau eines weiteren großen Gebäudes an der westliche Seite des Turmes. Im Jahr 1557 ließ Kurfürst Joachim II. den Bau der Festung nach italienischem Vorbild durch Christoph Römer beginnen. Die Pläne stammten von Francesco Chiaramella da Gandino, der den Bau 1562 bis 1578 fortführte. 1583 vollendete Rochus Guerrini Graf zu Lynar das Bauwerk. Bis 1594 erfolgten weitere Ausbauten. Die Anlage besteht aus einem Quadrat, das von Kurtinen mit zweigeschossigen Verteidigungsgängen gebildet wird. An den Ecken liegen große pfeilförmige Bastionen, deren Kanten eingezogen und gegenüber den mit roten Backsteinen verkleideten Flächen dunkel abgesetzt waren. Die äußeren Wehranlagen wurden durch den Wassergraben und das Glacis gebildet. 1704 wurde im Westen ein Ravelin hinzugefügt. 1813 explodierte ein Pulvermagazin, was zur Beschädigung mehrerer Gebäude führte. 1838 erhielt der Juliusturm einen Zinnenkranz nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel. 1857 entstanden das Zeughaus nach Plänen von Carl Ferdinand Busse, 1860/1861 Kasernengebäude und das Offiziantenhaus. Die erste Restaurierung fand 1881 bis 1885 statt. Dabei wurden die Außenmauern neu verblendet. 1935 wurden einige Gebäude für ein Heeresgasschutzlaboratorium umgebaut. 1976 bis 1982 wurden die oberen Geschosse des Palas rekonstruiert. |
Untersuchungen: | Ausgrabungen, Baubegleitungen und Notbergungen von 1969 bis 2000. |
Funde: | Reste der slawischen, askanischen und Renaissancezeitlichen Befestigung aus Holz und Stein. Umfangreiche Kollektionen an Keramik und Sonderfunden aus der Zeit vom 11. bis in das 20. Jahrhundert. 70 jüdische Grabsteine aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, die teilweise im Palas verbaut waren. |
Literatur: |
BILLER, Thomas, Die Entstehung der Stadt Spandau im hohen Mittelalter. Berlin 1980; BREITLING, Stefan, Adelssitze zwischen Oder und Elbe 1400 - 1600. (Veröffentlichung der Deutschen Burgenvereinigung Reihe A: Forschungen, Band 10). Braubach 2005, S. 108; DEHIO, Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg, bearb. von Gerhard Vinken u. a., München/Berlin 2000 S. 380-381; GEHRKE, Wolfgang, Vorläufige Grabungsergebnisse im Palas der Spandauer Zitadelle und einige Bemerkungen zu hochmittelalterlichen Handwerk im Spandauer Raum. In: Alfred Kernd’l und Adriaan von Müller (Hrsg.), Ausgrabungen in Berlin 2/1971 (Berlin 1972), S. 111 – 130; GEHRKE, Wolfgang, Siedlung und Burg auf dem Gelände der Spandauer Zitadelle vor der Renaissancefestung. In: Alfred Kernd’l und Adriaan von Müller (Hrsg.), Ausgrabungen in Berlin 5/1978 (Berlin 1980), S. 83 – 136; GEHRKE, Wolfgang, Das Gelände der Spandauer Zitadelle im Mittelalter. In: Berlin und Umgebung – Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 23. Stuttgar 1991, S. 117 - 124; KERND’L, Alfred, Frühgeschichte der Spandauer Zitadelle (Museumsblätter); MASZIJEWSKI, Raimund, Auf den Spuren Chiaramellas: Neues zur Zitadelle von Berlin-Spandau. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg; 1998 (1999), S.101-103; MASZIJEWSKI, Raimund, Zwischen König und Kronprinz: Archäologie auf der Zitadelle in Berlin-Spandau. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg; 1993-1994 (1996), S.178-179; MICHAS, Uwe, Die Burg Spandau. In: Dorfkern - Altstadt - Denkmalpflege: Traditionsorte in der Metropole; Jahrbuch 1997/98. Berlin, 1999. S. 54-56; MÜLLER, Adriaan von, Spandau - Fürstenburg, Fernhandelsplatz und frühe Stadt: Neue Forschungsergebnisse zu seiner mittelalterlichen Geschichte. Kreis der Freunde und Förderer des Heimatmuseums Spandau, Heimatkundliche Vereinigung 1954 e.V. Berlin-Spandau, 1997; MÜLLER, Adriaan von/MÜLLER-MUOI, Klara von, Die Entwicklung von Burg und Burgstadt Spandau im Lichte interdisziplinärer Forschungsergebnisse. In: Miscellanea Archaeologica II: Festschrift für Heinz Seyer. Hrsg. von Jörg Haspel, S. 120-131; RIBBE, Wolfgang (Hrsg.), Slawenburg Landesfestung Industriezentrum, Untersuchungen zur Geschichte von Stadt und Bezirk Spandau. Berlin 1983; THEISSEN, Andrea, Die Zitadelle Spandau. Berlin, 2001. In: Von Vestungen: die brandenburgisch-preußischen Festungen Spandau, Peitz, Küstrin; [Begleitband zu der Ausstellung als Teil der Gemeinsamen Landesausstellung Berlin und Brandenburg im Rahmen des Projektes "Preußen 2001 - Facetten einer Epoche" vom 25.5. bis 31.12.2001 im Kommandantenhaus der Zitadelle Spandau]. |
Autor: | Stefan Breitling, Uwe Michas |