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Ort: | Tangermünde. |
Name: | Tangermünde. |
Landkreis: | Stendal. |
Bundesland: | Sachsen-Anhalt. |
Bestand: | Trapezförmige Anlage mit Wall, Ringmauer und Graben zur Landseite, in der Vorburg Burgtor, Bergfried und Wirtschaftsgebäude. Hauptburg mit Wohngebäude, Kapelle, Turm und sog. „Kanzlei“. |
Erwähnungen: | 1009 erwähnt Thietmar von Merseburg eine Burg in Tangermünde. |
Besitzergeschichte: | Wohl im 10. Jahrhundert gab es hier eine Grenzburg, 1009 wird sie von
Thietmar von Merseburg erstmals erwähnt. Sie wurde von den Grafen von
Aschersleben genutzt, war aber vielleicht
königlicher Besitz. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts war sie Sitz der Edelherren von
Tangermünde. Von 1180 bis 1192 nutze
Heinrich von Gardelegen, Sohn Markgraf
Ottos von Brandenburg die Burg,
nach seinem Tod tritt sie als Burgward neben
Arneburg und Osterburg auf. Ab 1201 werden erstmals Ministerialen des
Markgrafen auf der Burg erwähnt. 1373 war sie Residenz von Kaiser Karl IV., nach dessen Tod fiel sie an seinen Neffen, dem brandenburgischen Markgrafen Jobst von Mähren. Zwischen 1463 und 1869 diente die Burg als Sitz des kurbrandenburgischen Amtes Tangermünde. |
Baugeschichte: | Aus der Frühgeschichte der Burg ist nichts erhalten. Teile der Ringmauer mit
Zinnenresten und ein Bogenanfänger des inneren Burgtores sowie der Kapitelturm sind romanisch.
Der Kapitelturm wurde wahrscheinlich als Wohnturm errichtet. Der Rechteckbau mit 6 Geschossen ist ca. 40 m hoch und hat ein bauzeitliches Gewölbe im Untergeschoss. Ein Kamin hat sich in Resten im 3. und 4. Obergeschoss erhalten. Das Obergeschoss und der Turmhelm sind 1990 rekonstruiert worden. Nördlich vom Turm fanden sich archäologische Reste eines längsrechteckigen Gebäudes mit Kamin. Eine Kapelle wird 1236 erwähnt und ist wohl in der Stiftskirche verbaut worden, die 1377 geweiht wurde. Die Kanzlei stammt größtenteils aus dem 15. Jahrhundert und war wohl ursprünglich ein zweigeschossiger Saalbau für Festlichkeiten. Der Keller hat Kreuzgratgewölbe mit Gurtbögen auf einer Pfeilerreihe, die oberen Geschosse sind jeweils Säle mit Balkendecken, die auf Holzsäulen auflasten. Die Fenster des Erdgeschosses sind spitzbogig und segmentbogig im Obergeschoss. Ehemals bemalte Wappenschilde an der Außenfassade finden sich auch am Neustädter Tor, das um 1450 datiert wird und am Elbtor, um 1470. Im Dreißigjährigen Krieg ist die Burg von den Schweden zu großen Teilen zerstört worden. 1687 wurde die Kanzlei zum Kornspeicher umgebaut. Nördlich und südlich davon wurden Anbauten ergraben. Von einem weiteren Gebäude sind noch Kellerfundamente im Barockbau (1699-1701) der für Friedrich I. errichtet wurde, erhalten. Der Rundturm in der Vorburg wird auch Gefängnisturm genannt. Es ist ein dreigeschossiger, gewölbter Bau mit Keller, der nach heutiger Sicht in zwei Bauabschnitten 1450/60 errichtet wurde. Auch hier ist der Turmhelm modern rekonstruiert. Der ehemals überdachte Toranbau ist geringfüggig jünger als der Turm und wird um 1475 datiert. |
Literatur: | DEHIO, Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bearb. von der Abt.
Forschung des Instituts für Denkmalpflege. Bezirk Magdeburg, Berlin 1974, S. 415-416; SCHMITT, Reinhard, Die Burg in Tangermünde in ihrer bau- und kunstgeschichtlichen Entwicklung und Bedeutung. In: Tangermünde. 1000 Jahre Geschichte. Hrsg. im Auftrag der Stadt Tangermünde von Sigrid Brückner. Dößel 2008, S. 155-179. |
Autor: | Katrin Atzbach. |