Vereinigungskonzepte
Mit dem Fall der Mauer stand auch die deutsche Frage im Raum. Die Wiedervereinigung bedeutete eine politische Umwälzung, deren nationale und internationale Auswirkungen schwer absehbar waren.
Die Regierung von Ministerpräsident Hans Modrow (SED) wollte eine reformierte DDR erhalten und schlug am 17. November eine „Vertragsgemeinschaft“ zwischen beiden deutschen Staaten vor. Die Frage einer möglichen Vereinigung mit der Bundesrepublik spaltete die Bürgerbewegung in Befürworter und Gegner. Die meisten Oppositionsgruppen und Intellektuellen plädierten für eine grundlegende Erneuerung des ostdeutschen Staates. In dem Aufruf „Für unser Land“ warnten sie am 26. November vor einem „Ausverkauf materieller und moralischer Werte“ und einer „Vereinnahmung“ der DDR durch die Bundesrepublik.
Mit seinem „10-Zehn Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ vom 28. November 1989 ging Bundeskanzler Helmut Kohl zu einer offensiven Strategie über. Damit reagierte er auf lauter werdende Forderungen nach Wiedervereinigung in der DDR.
Nun übernahm die westdeutsche Regierung zunehmend die Führung im deutschen Einigungsprozess: Am 7. Februar schlug sie der DDR eine Währungs- und Wirtschaftsunion bereits zum 1. Juli 1990 vor.