WEBVTT

1
00:00:00.480 --> 00:00:04.080
Es sind Bilder, die Geschichte schreiben
und einen Eindruck hinterlassen.

2
00:00:05.240 --> 00:00:07.160
Bilder, die Geschichte und unser

3
00:00:07.160 --> 00:00:09.640
Verständnis von ihr prägen.

4
00:00:10.200 --> 00:00:13.240
Die Geschichte gelangt
durch sie in unser Bewusstsein.

5
00:00:13.760 --> 00:00:16.640
Wir leben mit ihnen.

6
00:00:20.760 --> 00:00:26.160
Was, wenn die Revolution 1848
erfolgreich gewesen wäre?

7
00:00:26.760 --> 00:00:30.240
Was, wenn 1945 eine Atombombe

8
00:00:30.240 --> 00:00:33.360
auf Ludwigshafen gefallen wäre?

9
00:00:33.360 --> 00:00:36.440
Was, wenn 1989 die Proteste

10
00:00:36.440 --> 00:00:39.560
und Demonstrationen
gewaltsam niedergeschlagen worden wären?

11
00:00:40.560 --> 00:00:43.560
Unter derart
ungewöhnlicher Perspektive passieren

12
00:00:43.560 --> 00:00:49.520
14 Zäsuren deutscher Geschichte von 1989
bis 1848

13
00:00:49.520 --> 00:00:50.680
Revue

14
00:00:52.680 --> 00:00:55.320
Vor dem Hintergrund
wirklich gewordener Wendungen

15
00:00:55.760 --> 00:00:59.960
werden andere als wahrscheinlich erachtete
Möglichkeiten in den Blick genommen.

16
00:01:00.880 --> 00:01:03.240
Die Ausstellung ist darauf aufgebaut.

17
00:01:03.240 --> 00:01:06.920
Welche Dinge treten
ein, von denen man ausgehen könnte,

18
00:01:07.080 --> 00:01:10.640
dass sie einen Charakter eines Wendepunktes
haben?

19
00:01:11.000 --> 00:01:13.680
Wobei es nicht im Wesentlichen darum geht,

20
00:01:14.280 --> 00:01:17.360
die Wendepunkte
oder den Wendepunkt darzustellen,

21
00:01:17.720 --> 00:01:23.560
sondern die in diesem Wendepunkt
eingelassene, ja, Möglichkeit,

22
00:01:23.920 --> 00:01:33.720
einer doch anderen Entwicklung.

23
00:01:34.440 --> 00:01:39.960
Es geht ja darum, die Realität abzubilden,
aber letztendlich an bestimmten Punkten,

24
00:01:39.960 --> 00:01:43.240
die man als Wendepunkte begreifen kann,
verstehen kann.

25
00:01:43.600 --> 00:01:46.760
Auch vor dem Hintergrund
des Verständnisses der Zeitgenossen

26
00:01:47.360 --> 00:01:49.760
zu erkunden, inwieweit

27
00:01:50.160 --> 00:01:53.280
sich doch andere Möglichkeiten

28
00:01:53.760 --> 00:01:57.480
in diesem,  
in diesen Wendepunkten verborgen hatten,

29
00:01:57.840 --> 00:02:02.480
die unter Umständen der Geschichte
eine andere Richtung hätten gehen können.

30
00:02:02.960 --> 00:02:05.520
Das heißt, es geht darum, im Schutze des

31
00:02:05.800 --> 00:02:09.240
Geländers, an dem er sich festhält,
nämlich der Realität

32
00:02:09.600 --> 00:02:13.840
sich über das Geländer zu lehnen,
um sozusagen

33
00:02:13.840 --> 00:02:18.000
eine gewisse Devianz zu erkennen,
aus der heraus wie ein Keim

34
00:02:18.440 --> 00:02:21.760
sich doch eine andere Geschichte
jeweils hätte entwickeln können.

35
00:02:22.680 --> 00:02:26.440
Mit den wiederkehrenden Fragen
Was war im Rahmen des Möglichen?

36
00:02:26.880 --> 00:02:29.120
Und was ist tatsächlich geschehen?

37
00:02:29.720 --> 00:02:33.120
nimmt die Ausstellung
14 Wendepunkte exemplarisch in den Blick.

38
00:02:34.480 --> 00:02:36.880
1945 

39
00:02:36.880 --> 00:02:40.640
eine Atombombe auf Ludwigshafen.

40
00:02:40.840 --> 00:02:44.520
Während des Zweiten Weltkriegs arbeiten
die verschiedenen Kriegsparteien

41
00:02:44.520 --> 00:02:47.040
an einer militärischen Nutzung
der Atomenergie.

42
00:02:47.640 --> 00:02:52.200
Albert Einstein warnt auf Veranlassung von
in die USA emigrierten Physikern

43
00:02:52.640 --> 00:02:55.800
den US amerikanischen Präsidenten
Franklin D. Roosevelt

44
00:02:56.160 --> 00:03:00.040
in einem Schreiben vor der Entwicklung
einer deutschen Atombombe.

45
00:03:00.560 --> 00:03:05.600
Dieser gibt 1942 das Manhattan
Project in Auftrag,

46
00:03:05.960 --> 00:03:10.720
das bis Juli 1945 zum Bau
einer amerikanischen Atombombe führt.

47
00:03:11.400 --> 00:03:15.360
Zu Beginn des Projekts geht man noch
vom Angriffsziel Deutschland aus.

48
00:03:16.960 --> 00:03:20.760
Seit der Landung in der Normandie
im Juni 1944

49
00:03:21.120 --> 00:03:24.040
befinden sich die Alliierten
auf dem Vormarsch in Europa.

50
00:03:24.720 --> 00:03:29.160
Um diesen aufzuhalten,
startet die Wehrmacht 1944

51
00:03:29.160 --> 00:03:34.040
das sogenannte Unternehmen Wacht am Rhein.

52
00:03:34.640 --> 00:03:39.400
Die Ardennenoffensive hat das Ziel,
den Hafen von Antwerpen zurückzuerobern

53
00:03:39.560 --> 00:03:42.040
und so
den Nachschub der Alliierten zu stoppen.

54
00:03:43.200 --> 00:03:45.960
Wenige Monate später, an der strategisch

55
00:03:45.960 --> 00:03:49.480
wichtigen Brücke von Remagen,
kommt es zu schweren Gefechten.

56
00:03:50.400 --> 00:03:54.480
Um den Vormarsch aufzuhalten, versucht
die Wehrmacht die Brücke zu sprengen.

57
00:03:56.320 --> 00:03:59.880
Was hätte 1945 geschehen können?

58
00:04:00.920 --> 00:04:03.040
Die Ardennenoffensive ist ein Erfolg.

59
00:04:03.360 --> 00:04:06.720
Der Hafen von Antwerpen
wird wieder unter deutsche Kontrolle gebracht.

60
00:04:07.800 --> 00:04:10.480
Schnell gerät
der alliierte Nachschub ins Stocken.

61
00:04:11.160 --> 00:04:15.320
Der wesentlich später erfolgte
Vormarsch der westlichen Alliierten kommt

62
00:04:15.320 --> 00:04:19.440
an den Trümmern der von der Wehrmacht
gesprengten Brücke von Remagen zum Stehen.

63
00:04:20.040 --> 00:04:23.840
Das Ende des Krieges in Europa
verzögert sich um mehrere Monate.

64
00:04:24.920 --> 00:04:27.920
Um in dieser Situation
Deutschland zur Kapitulation zu

65
00:04:27.920 --> 00:04:31.760
zwingen, entscheidet sich
der amerikanische Präsident Harry Truman

66
00:04:32.040 --> 00:04:34.440
die Atombombe erstmals einzusetzen.

67
00:04:35.040 --> 00:04:37.560
Zunächst ist an Berlin als Ziel gedacht.

68
00:04:38.120 --> 00:04:41.720
Kriegswichtiger erscheint den Amerikanern
aber Ludwigshafen

69
00:04:42.200 --> 00:04:45.520
mit dem IG Farben Komplex
als industriellem Zentrum.

70
00:04:51.840 --> 00:04:55.320
Was ist 1945 tatsächlich geschehen?

71
00:04:56.480 --> 00:04:58.480
Die Ardennen Offensive scheitert

72
00:04:58.480 --> 00:05:01.560
und auch die Sprengung
der Brücke von Remagen schlägt fehl.

73
00:05:01.960 --> 00:05:04.200
Die alliierten Truppen können
schnell vorrücken.

74
00:05:04.720 --> 00:05:06.720
Der Krieg in Europa endet am 

75
00:05:06.720 --> 00:05:10.320
8. Mai 1945 mit der deutschen Kapitulation.

76
00:05:10.840 --> 00:05:14.840
Die Atombombe kommt nicht zum Einsatz.

77
00:05:15.600 --> 00:05:18.920
Anders ist es am asiatischen Kriegsschauplatz.

78
00:05:19.920 --> 00:05:21.680
Am 6. August und 9. August

79
00:05:21.680 --> 00:05:27.400
 1945 fallen die für Deutschland
gedachten Bomben auf Hiroshima

80
00:05:27.400 --> 00:05:29.280
und Nagasaki.

81
00:05:29.520 --> 00:05:34.880
Bis Ende 1945 sterben
über 230.000 Menschen

82
00:05:35.400 --> 00:05:38.280
entweder sofort oder an den Folgen

83
00:05:38.280 --> 00:05:39.360
der Strahlung

84
00:05:45.240 --> 00:05:46.920
Roads not taken.

85
00:05:46.920 --> 00:05:49.320
Oder: E s hätte auch anders kommen können.

86
00:05:50.280 --> 00:05:53.120
Ich wage zu behaupten,
dass es wahrscheinlich nicht zwei

87
00:05:53.120 --> 00:05:55.480
Besucherinnen und Besucher geben wird,

88
00:05:56.360 --> 00:05:59.280
die in dem Sinne
dieselbe Ausstellung sehen.

89
00:05:59.400 --> 00:06:01.960
Und das finde ich
hochspannend als Experiment und Glaube

90
00:06:01.960 --> 00:06:06.000
das ermöglicht uns gerade im Streit,
auch mit den Puppen und wie sie gesetzt sind,

91
00:06:06.000 --> 00:06:10.320
nachzudenken,
über deutsche Geschichte des 19.

92
00:06:10.360 --> 00:06:13.840
20. Jahrhundert
und über Geschichte als solche.
