WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:02.520
Wir haben uns bemüht, vor allem Exponate

00:00:02.520 --> 00:00:06.320
auszuwählen, die es
ermöglichen, weiter Fragen zu stellen.

00:00:06.320 --> 00:00:10.080
Also wir wollten nicht erklären,
so war das, so hat der und der gedacht.

00:00:10.320 --> 00:00:14.919
Das sind die Thesen, sondern man soll
Neugierde entwickeln, man soll selber hinterfragen.

00:00:15.400 --> 00:00:20.320
Wir haben natürlich auch Exponate,
die die Ambivalenz der Aufklärungszeit zeigt.

00:00:20.320 --> 00:00:24.039
Wir haben Forscher,
wie Karl von Linné oder Charles White,

00:00:24.039 --> 00:00:27.120
die bei ihrem
Bestreben zu klassifizieren

00:00:27.440 --> 00:00:30.640
und zu ordnen auch beim
Menschen nicht halt gemacht haben.

00:00:30.920 --> 00:00:33.719
Und letztlich diese Darstellungen, diese

00:00:33.719 --> 00:00:38.719
Schriften haben nicht
unerheblich dazu beigetragen,

00:00:38.960 --> 00:00:42.799
dass rassistische Theorien
entstehen konnten oder darauf aufbauen konnten.

00:00:43.439 --> 00:00:45.359
Oder wir zeigen beispielsweise die

00:00:45.359 --> 00:00:49.039
Unabhängigkeitserklärung
der Vereinigten Staaten von 1776.

00:00:49.039 --> 00:00:53.439
Da haben wir eines der wenigen
deutschen Exemplare in unserer Sammlung.

00:00:54.000 --> 00:00:58.439
Und das kontrastieren wir aber
mit der Slavenliste von Thomas Jefferson, der

00:00:58.759 --> 00:01:03.159
der Verfasser der
Unabhängigkeitserklärung war und zeigen dadurch,

00:01:03.799 --> 00:01:06.519
Gleichheit galt
offenbar dann doch nicht für jeden.

00:01:06.799 --> 00:01:08.799
Also die Slaven waren nicht dabei.

00:01:09.640 --> 00:01:12.000
Und dann gibt es natürlich auch

00:01:12.000 --> 00:01:15.239
das Thema fantastische
dreidimensionale Objekte.

00:01:15.239 --> 00:01:19.319
Wir haben eine
Elektrifiziermaschine von Goethe.

00:01:19.319 --> 00:01:23.640
Wir haben das Modell eines
menschlichen Auges in acht Teile zerlegt.

00:01:24.319 --> 00:01:28.319
Die Draufsicht auf dieses Modell
ist ja auch unser Plakatmotiv geworden.

00:01:28.959 --> 00:01:35.760
Wir haben einen Guckkasten, mit ich
glaube 30 Ansichten, populären Ansichten,

00:01:35.760 --> 00:01:38.200
den wir auch zum
Leuchten bringen, damit man das

00:01:38.200 --> 00:01:41.280
so wahrnehmen kann,
wie damals im 18. Jahrhundert.

00:01:41.799 --> 00:01:47.000
Oder das ist auch ein
Highlight, ein Seidenkleid mit Ballonmotiven,

00:01:47.000 --> 00:01:51.760
was zeigt, dass also Wissenschaft
und Technik auch die Mode beflügelt haben.

00:01:52.079 --> 00:01:55.000
Unser Gestalter Hans
Hagemeister war von Beginn

00:01:55.000 --> 00:01:57.280
an bei unseren
wöchentlichen Besprechungen dabei

00:01:57.280 --> 00:02:00.319
und hat also sich
alle Objekte auch angeschaut.

00:02:00.319 --> 00:02:05.079
Und was ihn besonders
fasziniert hat, waren die orthogonalen Objekte.

00:02:05.079 --> 00:02:07.760
Das heißt Planstädte, so quadratisch

00:02:07.760 --> 00:02:12.960
aufgebaut,
Sammlungsschränke für Wunderkammern,

00:02:13.039 --> 00:02:16.599
Setzkästen für
Drucker mit den Druckerarbeiten.

00:02:16.599 --> 00:02:20.800
Daraus hat er einen Raster
entwickelt und auf unseren Grundriss gelegt

00:02:21.000 --> 00:02:26.120
und dann wiederkehrende Wandelemente
geschaffen, die alle 3x3 Meter ausmachen.

00:02:26.400 --> 00:02:31.400
Auch Sideboards, also alle Höhen sind
auch vertreten, so dass man Durchblicke hat.

00:02:31.400 --> 00:02:34.080
Aber es gibt eben
dieses Ordnungsraster, was

00:02:34.080 --> 00:02:36.560
aus dem
Ausstellungskonzept entwickelt wurde.

00:02:37.000 --> 00:02:40.520
Und auch das Farbkonzept
ist aus dem Thema abgeleitet.

00:02:40.800 --> 00:02:44.800
Und zwar stammt der Begriff
Aufklärung im Deutschen aus der Wetterkunde.

00:02:45.039 --> 00:02:48.520
Das heißt Aufklaren, Sonnenaufgänge etc.

00:02:48.960 --> 00:02:53.360
Das ist das Motiv, das sieht man auch
immer wieder in Grafiken oder auf Stichen.

00:02:54.199 --> 00:02:59.599
Und das hat er dann umgesetzt,
indem er Nuancen aus Blau- und Grautönen,

00:02:59.599 --> 00:03:05.879
die dann in gelb, orange und braun-rot
überwechseln, als Farbkonzept genommen hat.

00:03:05.879 --> 00:03:10.120
Und all diese Wände, diese 3x3 Meter
Wände haben alle unterschiedliche Farben.

00:03:10.120 --> 00:03:14.080
Also es ist ein großes
Spektrum, was da vertreten ist.

00:03:14.080 --> 00:03:19.199
Wir haben für die Ausstellung zwei Etagen
zur Verfügung in unserer Ausstellungshalle.

00:03:19.199 --> 00:03:23.560
Es ist ja ein großes
Themenspektrum, da braucht man schon viel Platz.

00:03:23.560 --> 00:03:28.360
Das sind etwas über 1000
Quadratmeter für Themen, die von Wissenschaft,

00:03:28.719 --> 00:03:33.639
über Ordnung der Welt, Religion,
Geschlechtermodelle und Pädagogik reichen.

00:03:33.639 --> 00:03:35.759
Das ist alles auf
der ersten Etage zu sehen.

00:03:35.800 --> 00:03:41.560
Und in der zweiten Etage geht es
dann weiter mit der Gleichheit der Menschen,

00:03:41.560 --> 00:03:45.599
Lehren der Antike,
Staatskunst und politische Freiheit,

00:03:45.599 --> 00:03:48.719
Merkantilismus und
Weltbürgertum und schließlich die

00:03:48.719 --> 00:03:51.520
Entstehung einer neuen
bürgerlichen Öffentlichkeit.

00:03:51.520 --> 00:03:56.840
Was mich total begeistert hat an dem
Konzept von Liliane Weissberg war der Satz,

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dass es die Fragen
der Aufklärungszeit sind, die

00:03:59.719 --> 00:04:02.319
unser Kulturerbe
ausmachen und nicht die Antworten.

00:04:02.800 --> 00:04:07.520
Denn das ist es, was bis heute
wichtig ist und dass man Dinge hinterfragt,

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dass man immer wieder Fragen stellt zu

00:04:09.599 --> 00:04:12.800
Themen, aber auch das
eigene Handeln hinterfragt.

00:04:12.800 --> 00:04:17.480
Das ist es, was bleibt. Die
Aufklärungszeit war ja auch kein Fortschrittsprojekt.

00:04:17.480 --> 00:04:20.439
Oder Dinge wie
Toleranz, Gleichberechtigung, das

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ließ sich damals
nicht in die Praxis umsetzen,

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aber die Fragen, die blieben.

00:04:25.399 --> 00:04:28.759
Und so haben wir das auch zum
Anlass genommen für unsere Ausstellung,

00:04:28.800 --> 00:04:32.759
Persönlichkeiten aus Medien, Kultur und

00:04:32.759 --> 00:04:36.240
Wissenschaft zu
interviewen und auch zu befragen.

00:04:36.240 --> 00:04:39.360
Was bedeutet für Sie
Aufklärung? Wie prägt das Ihrer Arbeit?

00:04:39.360 --> 00:04:43.639
Und das haben wir in
Ausschnitten auf die Ausstellungsthemen verteilt,

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dass man also immer wieder auch
heutige Fragen und Themen da reflektieren kann.

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Und in ganzer Länge kann man die
Interviews dann auch über unsere Homepage abrufen.

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Und wir haben auch eine Kinderspur,
Kinder stellen bekanntlich die besten Fragen.

00:04:57.839 --> 00:05:02.120
Wir führen das in einem
wissenschaftlichen Begleitprogramm fort.

00:05:02.120 --> 00:05:04.600
Wir haben eine
Begleitpublikationen auch

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erstellt mit Experten
zu diesen Fragen und Themen.

00:05:07.680 --> 00:05:09.680
Und wir haben ein
Outreach-Projekt, wo wir

00:05:09.680 --> 00:05:11.959
nach draußen gehen und auch hinterfragen.

00:05:11.959 --> 00:05:15.839
Das heißt, das Ganze, was wir hier
auf die Beine gestellt haben, geht eigentlich

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über ein herkömmliches
Ausstellungsformat hinaus.

00:05:19.240 --> 00:05:21.800
Und das macht so
spannend daran mitzuarbeiten.

