WEBVTT

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Wolf Biermann ist einer der bekanntesten Liedermacher Deutschlands.

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Ost wie West.

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Er steht für viele Bezugspunkte

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deutscher Geschichte, etwa für die Trennung von Ost und West,

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für Sozialismus und Demokratie, für Politik und Kunst,

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sowie auch für das Verhältnis zwischen jüdisch und deutsch.

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Hier befinden wir uns im Prolog,

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und dort sieht man das Harmonium von Wolf Biermann, nämlich

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jenes, das er beim Kölner Konzert 1976 gespielt hat.

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Der Tag war gleichzeitig der Geburtstag seines Vaters;

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der 13. November.

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Und deshalb sieht man auf dieser Station

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eben auch ein Foto seines Vaters Dagobert.

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Dagobert Biermann war Kommunist und Jude,

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im Widerstand gegen die Nazis aktiv

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und wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

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Wolf Biermann übersiedelte bereits als Schüler in die DDR

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als überzeugter Kommunist.

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Später dann erhielt er einen Studienplatz

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an der Humboldt Universität in Berlin.

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Und bei dieser Gelegenheit lernte er Helene Weigel kennen

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und bekam eine Regieassistenz am Berliner Ensemble.

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Das war sicher ein wichtiger Einschnitt in seinem Leben,

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weil es im Grunde seine Künstlerkarriere auch begründete.

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Wir kommen jetzt zu einem großen Foto,

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das Wolf Biermann in seiner Wohnung

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in der Chausseestraße zeigt.

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Die Chausseestraße hatte einen besonderen Stellenwert,

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nachdem Wolf Biermann 1965

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komplettes Auftritts-und Publikationsverbot erhalten hatte,

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wurde die Chausseestraße mehr als nur seine Wohnung.

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Sie wurde gleichzeitig Konzertsaal, Tonstudio und Treffpunkt

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und Salon für seine Freunde.

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Auf diesem Bild sieht man ihn mit verschiedenen Personen.

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Das ist ein Foto von Roger Melis, das eben auch bedacht

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inszeniert worden ist,

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und zwar mit Blick auf die Stasi-Überwachung.

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Gleichzeitig ist das das Plattencover von

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“Warte nicht auf bessere Zeiten”.

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Hier sehen wir eine der markanten Gitarren,

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vielleicht die markanteste Gitarre von Wolf Biermann.

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Das ist die mit den zwei Schallöchern statt nur einem Schalloch.

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Er hat sie unter anderem gespielt

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2014 zum Auftritt im Bundestag

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zu 25 Jahre Mauerfall, den man auch hier

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in dieser Ausstellung sehen kann.

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Ein Themenbereich in der Ausstellung

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beschäftigt sich auch mit dem Thema

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Wolf Biermann und das Judentum.

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Judentum war in der DDR vor dem Hintergrund

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eines sozialistischen Weltbildes öffentlich kaum sichtbar.

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Dennoch spielte es für Wolf Biermann
eine große Rolle.

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Wir sehen hier einen Chanukka Leuchter,
den er sich in den 50er Jahren

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von einer Gastspielreise mit dem Berliner Ensemble

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aus Budapest mitgebracht hat und der seitdem auch

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in seiner Wohnung in der Chausseestraße stand.

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In der Ausstellung gibt es auch eine Kinderspur

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für junge Museumsbesucher im Alter von 8 bis 12 Jahren.

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Und ein Anlass dafür ist, dass er selber

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sehr viele Kinderlieder und Märchen geschrieben hat.

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Zunächst für seine eigenen Kinder.

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Später sind diese Märchen, etwa das vom kleinen Herrn Moritz,

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auch in der Bundesrepublik erschienen und wurden Schullektüre.

