WEBVTT

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Wagner muss man ja immer auch unterstellen, dass er sich immer

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selber in irgendeiner der Figuren gesehen hat.

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Gerade auch Lohengrin, der unverstandene Künstler, Tannhäuser,

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der eigentlich nicht zu dieser Gesellschaft gehört,

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der immer ein Außenseiter ist. Also da sind wir beim Thema

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Entfremdung, Zugehörigkeit und Entfremdung.

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… oder der Holländer ja auch, der ja auch nicht dazugehört,

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der fremd kommt, der auch auf Erlösung wartet.

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Jetzt wären wir bei den Frauenfiguren:

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Kundry, die sich nirgendwo zugehörig fühlt,

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in keiner der Welten, und da auch auf ihre Erlösung wartet.

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Tristan und Isolde sind in sich ein Kosmos, das heißt,

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sie gehören auch nicht zu der sie umgebenden Umwelt.

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Da ist auch eine Fremdheit.

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Aber natürlich erfindet er eigentlich die

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deutsche Romantik neu oder versucht sie...

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tatsächlich in der Oper zum ersten Mal kulminieren zu lassen.

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Man erkennt es ja auch an seinen philosophischen Schriften,

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erst recht ‚Oper und Drama‘,

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wie er das als ein gescheitertes Projekt betrachtet.

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Also, dass man da quasi in den Hinterhalt geriet.

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Das hat natürlich sehr, sehr viel gerade mit der Reaktion

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nach den Napoleonischen Kriegen und so weiter zu tun,

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dass man da sozusagen im biedermeierlichen Stil

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überhaupt nicht in der Lage war,

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jenseits der italienischen Oper hinauszuschießen, um das wahre –

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und da wird es wieder schwierig –

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deutsche Wesen auf der Opernbühne zu bringen, obwohl er

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das ja vollkommen manifestiert sieht in Freischütz zum Beispiel.

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Und das ist natürlich auch extrem schmerzhaft,

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nach wie vor leider auch höchst brisant und aktuell,

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dass es ja immer wieder um den ‚Ahasver‘,

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um dieses Thema ‚Ahasver‘ geht, also um das Individuum,

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was eigentlich zu groß ist für die Welt, und um die Welt,

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die wiederum viel zu klein ist für den Menschen und

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dass er immer wieder versucht, aus diesem Brennglas heraus

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die Optionen in Frage zu stellen…

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Eine Sache ist, dann Richard Wagner in seiner Selbstentfremdung

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auch irgendwie rauszuhören ist und ich glaube, das…

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ist eigentlich auch sein Hauptanliegen,

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quasi aus der Qual heraus und mit…

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der Architektur der Angst auch zu spielen.

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Dieses Spiel mit dieser Wirklichkeit oder mit dieser Entfremdung…

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finde ich auch ungeheuer klug reflektiert.

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Gerade wenn wir von Tannhäuser reden,

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das auch ein Werk ist,

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was ihn sozusagen weiterhin belästigt und

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in seiner Selbstentfremdung ganz konstruktive

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neue Wege suchen lässt.

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Und nach der Sprache von Tristan kommt dann eben

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ein neuer Venusberg heraus, wo er diese Dialektik –

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diese unauflösbare – im Stück plötzlich

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dem Werk selbst eigentlich überstülpt und

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das in einer Fassung hinterlässt, die uns völlig ratlos zurücklässt,

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weil es einfach ganz klarmacht:

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Diese Aufgabe..., hier stehen wir von zwei polemischen,

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dialektischen Wirklichkeiten,

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die nur in diesem Widerspruch eigentlich um diese Berechtigung,

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ein Nebeneinander haben zu müssen, Kunst eigentlich ermöglicht.

