WEBVTT

1
00:00:00.600 --> 00:00:03.560
Es sind zwei Ausstellungen, die wir zeigen,

2
00:00:03.560 --> 00:00:05.080
die sich aufeinander beziehen.

3
00:00:05.240 --> 00:00:07.880
Die eine zu Wagner und die andere zu Marx.

4
00:00:08.520 --> 00:00:13.120
Beides Denker, Autoren, Aktivisten,

5
00:00:13.120 --> 00:00:14.760
würde man heute auch sagen,

6
00:00:15.000 --> 00:00:17.400
Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts,

7
00:00:17.400 --> 00:00:20.600
die sehr stark auf das reagiert haben,

8
00:00:20.600 --> 00:00:23.680
was wir heute die Moderne nennen – 

9
00:00:24.520 --> 00:00:30.040
Marx eher in eine linke Richtung, würden wir sagen,

10
00:00:30.040 --> 00:00:33.000
und Wagner zunehmend nach rechts.

11
00:00:33.240 --> 00:00:37.640
Mir war es wichtig, die beiden Ausstellungen

12
00:00:37.640 --> 00:00:41.200
so zu konzipieren, dass wir aus der Gegenwart,

13
00:00:41.200 --> 00:00:44.560
aus dem 21. Jahrhundert und aus dem 20. Jahrhundert

14
00:00:44.560 --> 00:00:48.440
uns wirklich in ihre Zeit zurück bewegen,

15
00:00:48.440 --> 00:00:52.800
ins 19. Jahrhundert, um die beiden,

16
00:00:52.800 --> 00:00:58.360
die heute so weit auseinander zu sein scheinen,

17
00:00:58.600 --> 00:01:05.480
in ihrer Zeit doch quasi wie in einem Bild betrachten zu können.

18
00:01:06.240 --> 00:01:10.040
Wenn man mit Menschen die Spezialisten sind,

19
00:01:10.040 --> 00:01:14.480
entweder für Marx oder für Wagner zu tun hat,

20
00:01:14.480 --> 00:01:19.480
dann ist es auffällig, dass diese beiden Denker für sie

21
00:01:21.080 --> 00:01:24.440
durch einen Graben voneinander getrennt sind.

22
00:01:25.160 --> 00:01:29.040
Und dieser Graben ist natürlich wesentlich

23
00:01:29.040 --> 00:01:34.480
auch ein Graben der späteren Rezeption der Werke

24
00:01:34.480 --> 00:01:37.320
im 20. und im 21. Jahrhundert und ich denke,

25
00:01:37.680 --> 00:01:40.720
Und ich denke,

26
00:01:40.720 --> 00:01:44.240
wenn wir es als Deutsches Historisches Museum schaffen,

27
00:01:44.240 --> 00:01:47.560
die beiden wieder als historische Persönlichkeiten

28
00:01:47.560 --> 00:01:50.760
in ihrer Zeit zu historisieren,

29
00:01:51.320 --> 00:01:53.520
dann erhoffe ich mir daraus,

30
00:01:53.520 --> 00:01:57.440
dass man diesen Abgrund vielleicht anders wahrnimmt.

31
00:01:58.040 --> 00:02:01.560
Das sieht man dann auch, dass es einzelne Themen gibt,

32
00:02:01.560 --> 00:02:04.440
die beide sehr stark beschäftigt haben,

33
00:02:04.880 --> 00:02:08.080
oder zu denen sie sich geäußert haben:

34
00:02:08.080 --> 00:02:12.720
Bei Wagner natürlich sehr prominent sein Antisemitismus,

35
00:02:13.040 --> 00:02:17.400
bei Marx übrigens in einer gewissen Phase seines Werkes auch,

36
00:02:18.600 --> 00:02:21.480
auf der anderen Seite aber bei beiden

37
00:02:21.480 --> 00:02:23.680
diese Auseinandersetzung mit dem,

38
00:02:23.680 --> 00:02:26.160
was sie in sehr unterschiedlicher Art

39
00:02:26.160 --> 00:02:29.800
als Entfremdung bezeichnet haben –

40
00:02:30.320 --> 00:02:34.360
bei Marx sehr theoretisch, als Begriff,

41
00:02:34.360 --> 00:02:39.800
der eine große Rolle für sein Werk als Philosoph spielte,

42
00:02:40.400 --> 00:02:45.680
und bei Wagner in der Weise, wie er dies vielleicht stärker

43
00:02:46.520 --> 00:02:50.240
auf die Gefühle zielend, als etwas sah,

44
00:02:51.320 --> 00:02:57.560
was die Menschen mit der Moderne als Problem betrifft.

45
00:02:58.560 --> 00:03:02.360
Michael Steinberg, der unsere Wagner-Ausstellung kuratiert hat,

46
00:03:02.800 --> 00:03:05.560
war es sehr wichtig, vor allem Gefühle

47
00:03:05.560 --> 00:03:07.560
in das Zentrum unserer Ausstellung zu rücken.

48
00:03:07.960 --> 00:03:10.080
Man kann vielleicht zusammenfassend sagen,

49
00:03:10.800 --> 00:03:19.800
dass sie auf so etwas wie ein "deutsches Gefühl" hinauslaufen,

50
00:03:19.800 --> 00:03:26.200
was quasi mit dem deutschen Nationalgefühl verknüpft wird.

