WEBVTT

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00:00:00.000 --> 00:00:02.666
„Richard Wagner und das deutsche Gefühl“ nimmt darauf Bezug,

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00:00:02.666 --> 00:00:05.625
dass das 19. Jahrhundert überhaupt das Jahrhundert ist,

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00:00:05.625 --> 00:00:09.000
in dem Fragen nach Identität neu gestellt werden

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00:00:09.000 --> 00:00:10.625
oder zum ersten Mal gestellt werden.

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00:00:10.875 --> 00:00:13.375
Und Richard Wagner ist hier jemand,

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00:00:13.375 --> 00:00:17.375
der diese Frage aufnimmt und laut mit beantwortet.

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00:00:17.500 --> 00:00:20.375
Wir zeigen in der Ausstellung eine ganz große Bandbreite

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00:00:20.375 --> 00:00:21.750
an verschiedenen Objekten:

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00:00:22.000 --> 00:00:25.000
Wir zeigen Briefe, wir zeigen Notenhandschriften,

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00:00:25.250 --> 00:00:28.625
wir zeigen Kleidungsstücke, wir zeigen Partituren,

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00:00:28.625 --> 00:00:29.750
wir zeigen Gemälde

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00:00:29.750 --> 00:00:33.000
und werden in der Ausstellung auch Musik zu hören bekommen.

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00:00:33.250 --> 00:00:35.541
Es kann natürlich nicht Sinn und Zweck sein,

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00:00:35.541 --> 00:00:38.500
durch den Ausstellungsbesuch einen Opernbesuch nachzumachen,

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00:00:38.500 --> 00:00:40.000
das geht auch gar nicht.

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00:00:40.000 --> 00:00:42.791
Trotzdem hat jedes Kapitel einen Opernraum,

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00:00:42.791 --> 00:00:44.875
in dem wir ganz verdichtet

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00:00:44.875 --> 00:00:47.500
kürzeste Momente aus Wagners Opern vorstellen.

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00:00:48.000 --> 00:00:51.125
Es gibt außerdem noch O-Ton Wagner zu hören

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00:00:51.125 --> 00:00:54.125
durch eine künstlerische Intervention von Barrie Kosky,

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00:00:54.125 --> 00:00:56.250
die sich allerdings auf Wagners Schriften bezieht.

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00:00:57.208 --> 00:01:01.833
Die vier Gefühle Entfremdung, Eros, Zugehörigkeit und Ekel

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00:01:02.083 --> 00:01:05.083
verstehen wir als Triebkräfte

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00:01:05.083 --> 00:01:07.833
für politisches und individuelles Handeln.

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00:01:08.208 --> 00:01:11.083
Es hilft, wenn man sie sich auf einem Koordinatenkreuz

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00:01:11.083 --> 00:01:13.458
oder in einer Skala eingetragen vorstellt,

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00:01:13.583 --> 00:01:16.083
quasi als Pole auf dieser Skala.

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00:01:16.458 --> 00:01:19.458
Dann sind sie als Gegensatzpaare erkennbar:

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00:01:19.708 --> 00:01:23.958
Eros und Ekel und Entfremdung und Zugehörigkeit.

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00:01:24.625 --> 00:01:28.625
Mich hat bei der Erarbeitung besonders erstaunt und fasziniert,

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00:01:28.875 --> 00:01:30.500
wie man Wagners Geschichte

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00:01:30.500 --> 00:01:33.250
auch als eine Gründerzeit Geschichte erzählen kann.

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00:01:33.250 --> 00:01:35.875
Wagner kann man eigentlich auch als einen

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00:01:35.875 --> 00:01:39.000
Unternehmer des 19. Jahrhunderts bezeichnen,

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00:01:39.000 --> 00:01:44.125
der sich selber und sein Werk als Produkte auf einem Markt platziert.

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00:01:44.375 --> 00:01:47.750
Das ist Vokabular, was sehr gut für Wagner funktioniert,

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00:01:47.750 --> 00:01:51.875
der ein unglaubliches Talent dafür hatte, sich selbst zu vermarkten.

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00:01:52.000 --> 00:01:54.500
Es gibt ganz viele Ebenen, auf denen man sehen kann,

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00:01:54.500 --> 00:01:57.250
wie Wagner alles neu und anders machen möchte.

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00:01:57.625 --> 00:02:00.000
Das geht von der Bezeichnung seiner Werke

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00:02:00.000 --> 00:02:03.000
später bis hin zum Bau seines eigenen Festspielhauses.

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00:02:03.000 --> 00:02:04.750
Und es besteht auch wirklich in der Art,

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00:02:04.750 --> 00:02:07.125
wie man über ihn und über seine Werke spricht,

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00:02:07.375 --> 00:02:09.250
in der sich das immer wieder zeigt.

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00:02:09.250 --> 00:02:11.750
Die Ausstellung kümmert sich eigentlich um beides,

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00:02:11.750 --> 00:02:14.750
um seine Schriften genauso wie um sein musikdramatisches Werk,

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00:02:14.750 --> 00:02:17.250
weil sich das eine auch gar nicht vom anderen trennen lässt.

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00:02:17.375 --> 00:02:20.500
Und ich glaube, es ist auch besonders interessant zu zeigen,

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00:02:20.750 --> 00:02:23.875
wie Wagner jenseits von seinem musikdramatischen Werk

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00:02:24.000 --> 00:02:27.041
ein unglaubliches Output liefert und sich immer,

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00:02:27.041 --> 00:02:28.750
immer wieder ins Gespräch bringt,

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00:02:28.750 --> 00:02:31.125
auch mit seinen Schriften und sonstigen Äußerungen

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00:02:31.375 --> 00:02:34.875
und unglaublich gut darin ist auch darin sein Werk zu vermarkten.

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00:02:36.208 --> 00:02:38.958
Die Ausstellung konzentriert sich hauptsächlich auf das

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00:02:38.958 --> 00:02:41.458
19. Jahrhundert, also auch auf Wagners Lebenszeit.

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00:02:41.458 --> 00:02:45.583
Nur im Epilog gehen wir in Schlaglichtern

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00:02:45.833 --> 00:02:48.458
auf das 20. Jahrhundert ein und enden damit,

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00:02:48.458 --> 00:02:52.458
dass wir Akteur*innen heutiger Zeit fragen,

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00:02:52.458 --> 00:02:55.708
wie sie heute teilweise auch kritisch auf Wagner schauen.

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00:02:55.833 --> 00:02:58.458
Wagner war Antisemit, das ist ein Faktum,

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00:02:58.458 --> 00:03:00.458
dass die Ausstellung nicht kleinredet,

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sondern ins Zentrum der Ausstellung stellt.

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00:03:02.958 --> 00:03:04.958
Und besonders im Kapitel Ekel

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00:03:04.958 --> 00:03:07.833
wird sich eine Medienstation darum kümmern,

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00:03:07.833 --> 00:03:10.208
diesen Diskurs um Wagner aufzugreifen

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00:03:10.208 --> 00:03:14.583
und Wagner in diesem Antisemitismusdiskurs zu verorten und zu zeigen:

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00:03:14.583 --> 00:03:18.208
Ist er eine laute Stimme? Ist er ein Agens des Antisemitismus?

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00:03:18.458 --> 00:03:20.708
Ist er jemand, der den einfach aufgreift

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00:03:20.708 --> 00:03:22.583
oder jemand, der ihn mit prägt?

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Die Besucher*innen sollen

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00:03:24.083 --> 00:03:25.708
aus der Ausstellung mitnehmen,

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00:03:25.708 --> 00:03:28.208
wie sie Wagner als Künstlerpersönlichkeit,

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00:03:28.208 --> 00:03:31.708
aber auch als Antisemit im 19. Jahrhundert verorten können.

