﻿WEBVTT

00:00:06.480 --> 00:00:08.320
Die Ausstellung „Roads not Taken.

00:00:08.320 --> 00:00:10.280
Oder: Es hätte auch anders kommen können“

00:00:10.280 --> 00:00:13.160
widmet sich 14 Zäsuren der deutschen Geschichte,

00:00:13.160 --> 00:00:16.440
und zwar des 19. und 20. Jahrhunderts.

00:00:16.440 --> 00:00:19.480
Nach einem Konzept von Professor Dan Diner haben wir, das

00:00:19.480 --> 00:00:24.240
kuratorische Team, 14 Möglichkeiten der deutschen Geschichte

00:00:24.240 --> 00:00:28.320
inszeniert und fokussieren dabei immer ganz stark

00:00:28.320 --> 00:00:33.640
auf eine Möglichkeit, die historisch angelegt worden ist.

00:00:33.640 --> 00:00:35.200
Das muss nicht immer die wahrscheinlichste

00:00:35.200 --> 00:00:36.840
Möglichkeit gewesen sein,

00:00:36.840 --> 00:00:40.440
denn es gibt natürlich meistens mehrere Möglichkeiten.

00:00:40.440 --> 00:00:43.840
Aber wir denken, dass die Schärfung des Blicks

00:00:43.840 --> 00:00:46.840
für die grundsätzliche Offenheit von Geschichte

00:00:46.840 --> 00:00:48.520
ein ganz wichtiger Punkt ist,

00:00:48.520 --> 00:00:51.520
um Geschichte grundsätzlich besser zu verstehen.

00:00:52.480 --> 00:00:56.040
Um diese Möglichkeitsräume am besten zu erfassen,

00:00:56.040 --> 00:00:59.280
stellt man sich auf die sogenannten View Points,

00:00:59.280 --> 00:01:01.560
die einen optimalen Blick

00:01:01.560 --> 00:01:04.600
auf die 14 Möglichkeitsräume erlauben.

00:01:04.600 --> 00:01:06.960
Die Ausstellung geht chronologisch rückwärts.

00:01:06.960 --> 00:01:11.280
Wir starten im Jahr 1989 und enden im Jahr 1848.

00:01:11.280 --> 00:01:14.000
Dieses soll ein Element der Verfremdung

00:01:14.000 --> 00:01:16.320
in der Ausstellung bedeuten.

00:01:16.320 --> 00:01:19.800
Das haben wir festgestellt, dass es bei den Besucher*innen

00:01:19.800 --> 00:01:22.360
eigentlich gut ankommt, mit einem sehr bekannten Bild,

00:01:22.360 --> 00:01:24.480
in dem Fall 1989 zu starten,

00:01:24.480 --> 00:01:26.560
weil man sofort drin ist in der Ausstellung.

00:01:26.560 --> 00:01:29.760
Aber wir wollen mit diesem Element der Verfremdung auch

00:01:29.760 --> 00:01:31.800
das Thema der Ausstellung aufgreifen,

00:01:31.800 --> 00:01:35.280
nämlich, dass es nicht teleologisch geht.

00:01:35.280 --> 00:01:38.320
Eine chronologische Erzählung vom 19. Jahrhundert

00:01:38.320 --> 00:01:41.520
und dann und dann und dann aufs 20. Jahrhundert hin,

00:01:41.520 --> 00:01:43.720
wo alles zwangsläufig ineinander übergeht,

00:01:43.720 --> 00:01:46.000
sondern wir wollen mit dieser Technik auch

00:01:46.000 --> 00:01:49.160
die Offenheit der Geschichte betonen.

00:01:49.160 --> 00:01:51.840
Und die einzelnen Wendepunkte funktionieren

00:01:51.840 --> 00:01:53.360
auch alleine für sich.

00:01:53.360 --> 00:01:55.720
Das heißt, jeder Einzelne ist in sich abgeschlossen,

00:01:55.720 --> 00:01:58.440
es baut nicht aufeinander auf in dem Sinne.

00:01:58.440 --> 00:02:02.160
Die Ausstellung arbeitet stark mit Zitaten.

00:02:02.160 --> 00:02:04.920
Und über dieses Zitat funktioniert

00:02:04.920 --> 00:02:07.120
der Einstieg in den Möglichkeitsraum.

00:02:07.120 --> 00:02:08.600
Die Ausstellung ist so gemacht,

00:02:08.600 --> 00:02:10.640
dass es immer einen Möglichkeitsraum

00:02:10.640 --> 00:02:12.480
und einen Wirklichkeitsraum gibt,

00:02:12.480 --> 00:02:16.840
der Möglichkeitsraum ist stark inszeniert, bunt gestaltet,

00:02:16.840 --> 00:02:18.560
die Bilder teilweise verzerrt

00:02:18.560 --> 00:02:21.680
und eben von der Gestaltung her stark inszeniert,

00:02:21.680 --> 00:02:24.880
obwohl wir dort auch mit original Objekten arbeiten.

00:02:24.880 --> 00:02:27.760
Und demgegenüber ist der Wirklichkeitsraum.

00:02:27.760 --> 00:02:30.240
Dort arbeiten wir auch mit zeitgenössischen Zitaten,

00:02:30.240 --> 00:02:32.920
aber er ist streng museal, eher schwarz weiß,

00:02:32.920 --> 00:02:38.080
mit schwarzen Linien, fast über-museal sozusagen, zeigt,

00:02:38.080 --> 00:02:41.280
wie die gewesene Geschichte verlaufen ist.
