Otto von Bismarck 1815–2015

Otto von Bismarck 1815–2015

in zehn Objekten aus der Dauerausstellung

Otto von Bismarck (1815–1898) zählt zu den bekanntesten, widersprüchlichsten und umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Seine Wahrnehmung schwankte immer wieder zwischen Verehrung und Verdammung. Die Geschichte des Bismarck-Denkmals in der Eingangshalle des Zeughauses legt davon Zeugnis ab.

Das Deutsche Historische Museum stellt Ihnen hier zehn Exponate der Dauerausstellung vor. Sie beleuchten Ereignisse der Epoche, biographische Stationen und politische Entscheidungen und laden Sie ein, Otto von Bismarck als Akteur seiner Zeit in den Blick zu nehmen.

Für Ihren Rundgang durch das 19. Jahrhundert vor Ort in der Dauerausstellung finden Sie hier einen Flyer zum Download.

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1 Der Deutsche Bund

Sitzung der Bevollmächtigten im Wiener Kongress, Jean-Baptiste Isabey, Jean Godefroy, 1819

Im Geburtsjahr Bismarcks wurde auf dem Wiener Kongress nach den Napoleonischen Kriegen das europäische Mächtegleichgewicht neu ausgerichtet. Die 39 deutschen Staaten begründeten den Deutschen Bund, der unter österreichischer Führung vor allem dem gegenseitigen Beistand der Fürsten dienen sollte. Als Gesandter beim Bundestag in Frankfurt bemühte sich Bismarck ab 1851 um eine stärkere Stellung Preußens gegenüber.

2 Revolution und Gegenrevolution

Neuruppiner Bilderbögen, Nr. 1317: Erster Angriff der Kavallerie auf das unbewaffnete Volk, 1848

Im März 1848 ließ König Friedrich Wilhelm IV. nach Kämpfen zwischen Soldaten und Revolutionären das Militär aus Berlin abziehen. Der Gutsherr Otto von Bismarck fürchtete "revolutionäres Chaos" und um die Privilegien des Adels. Er strebte die Mobilisierung einer Gegenrevolution an und wollte durch die Gründung der "Neuen Preußischen Zeitung" die konservativen Kräfte wieder stärken.

3 Verfassungskrise

Otto von Bismarck, Elisabeth Ney, 1867

An einer geplanten Heeresreform entzündete sich in Preußen ein Verfassungskonflikt zwischen Krone und Parlament, der 1862 seinen Höhepunkt erreichte. Nach Bismarcks Zusage, die gewünschten Reformen auch ohne Zustimmung des Parlamentes durchzusetzen, ernannte Wilhelm I. ihn zum Ministerpräsidenten. Die für Preußen erfolgreichen Kriege 1864 und 1866 stärkten die Position der Regierung gegenüber dem Parlament.

4 Preußische Führung

Eröffnung des Reichtags des Deutschen Bunds am 24. Februar1867 zu Berlin, C. Mende, 1867/68

Nach dem Sieg im Deutschen Krieg 1866 vergrößerte Preußen durch Annexionen sein Territorium und bildete mit den Staaten nördlich des Mains den Norddeutschen Bund. Als dessen Kanzler wirkte Bismarck auf eine Einigung mit den süddeutschen Staaten´hin. Diese traten während des Krieges gegen Frankreich an die Seite Preußens. Im Zuge der Reichseinigung wurde der preußische König Wilhelm I. am 18. Januar 1871 in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen.

5 Militärische Ehren

Überrock, um 1870

Bismarck hatte kein großes Interesse an einer militärischen Karriere und 1838 lediglich einen einjährigen Militärdienst absolviert. Dennoch ernannte ihn Wilhelm I. zum Generalmajor der Kavallerie. Zudem erhielt er 1868 eine Ehrenstellung beim Magdeburger Kürassier-Regiment. Viele Darstellungen zeigen Bismarck im blauen Uniformrock oder in der weißen Gesellschaftsuniform.

6 Bismarcks Entlassung

Die Eröffnung des Reichstags durch Wilhelm II. im Juni 1888, Anton von Werner, 1893

Der 29-jährige Kaiser Wilhelm II. nahm direkteren Einfluss auf die Tagespolitik als sein Großvater. Die Differenzen zwischen Kaiser und Reichskanzler führten 1890 zu Bismarcks Entlassung. Anton von Werner griff dies bei seiner Arbeit an dem 1893 fertiggestellten Gemälde auf. Im Gegensatz zur selbstbewussten Darstellung auf einer früheren Skizze wirkt Bismarck hier gealtert und isoliert.

7 Sozialistengesetze

Geheimkamera mit Anleitung, 1890

Um der "gemeingefährlichen" Sozialdemokratie entgegenzuwirken, setzte Bismarck einerseits auf Arbeiterschutz und soziale Absicherung, andererseits auf staatliche Repression: Das Sozialistengesetz verbot ab 1878 sozialistische Parteien, Organisationen und Zeitungen. Sozialdemokratische Abgeordnete bildeten jedoch weiterhin eine Fraktion im Reichstag, die sich trotz des Gesetzes in den Folgejahren vergrößerte.

8 Nachfolger

"Alles eine Nummer zu groß!" – Bernhard von Bülow in der Galauniform Bismarcks, Bruno Paul, 1900

Die Karikatur kommentiert den 1900 erfolgten Regierungsantritt Bernhard von Bülows als Reichskanzler. Der langjährige Diplomat und Staatssekretär im Auswärtigen Amt wurde vor allem an seinem ersten Vorgänger gemessen. Aufgrund mehrerer politischer Misserfolge verlor er das Vertrauen des Kaisers und die Unterstützung des Reichstages. Er trat 1909 zurück.

9 Ansehen

Otto von Bismarck, Franz von Lenbach, 1879

Bismarcks Gesichtszüge in diesem Portrait von Franz von Lenbach deuten auf einen selbstbewussten Staatsmann hin. Bismarck gelang es, mit seiner Bündnispolitik das neu entstandene Deutsche Reich in das europäische Machtgefüge zu integrieren. Als "ehrlicher Makler" zwischen den Interessen der Großmächte genoss er auch im Ausland Vertrauen. Die englische Zeitschrift "Punch" kommentierte Bismarcks Entlassung mit der Graphik "Der Lotse geht von
Bord".

10 Kolonialpolitik

Reichsflagge an afrikanischem Speer, 1889

Kolonialen Erwerbungen stand Bismarck lange Zeit skeptisch gegenüber, da sie mehr Kosten als Nutzen brächten. Nach der Errichtung deutscher Handelsstützpunkte in Afrika wurden diese jedoch unter staatlichen "Schutz" gestellt. Die entsandte "Schutztruppe" setzte deutsche Ansprüche in der Folge gewaltsam durch. In Berlin regelten 1884 die Großmächte auf der Kongokonferenz die koloniale Aufteilung Afrikas.