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Schau dir die Panorama-Aufnahme an. Darin findest du nicht nur unsere Sammlungsobjekte zum Thema „Gesellschaft im Mittelalter“, sondern auch Texte mit Erklärungen.

Das Lehnswesen

Um solche Ausrüstung zu finanzieren, benötigten die Ritter Geld, das vornehmlich durch die Landwirtschaft erworben wurde. Der Herrscher stattete seine Gefolgsleute mit Land aus, das sie versorgte. Dafür verpflichteten sich die Gefolgsleute im Austausch, ihm im Kampf beizustehen. Dieses System nennt sich Lehnswesen.

Höchstwahrscheinlich entwickelte sich das Lehnswesen während der Zeit der Karolinger im 8./9. Jahrhundert aus spätantiken Abhängigkeitsverhältnissen. Im 12. und 13. Jahrhundert hatte es sich zu der Form entwickelt, die wir heute kennen. Die bekannteste Beschreibung des Lehnswesens findet sich im Sachsenspiegel des Eike von Repgow.

Sowohl durch Text wie auch durch zahlreiche Bilder erklärt Eike von Repgow die Grundherrschaft und das Lehnsrecht. Viele der Darstellungen sind für uns heute kaum noch zu verstehen. Aber vielleicht kannst du die einzelnen Personen ja anhand ihrer Kopfbedeckung identifizieren.

Menschen des Sachsenspiegels

494 n. Chr. formulierte Papst Gelasius I. seine Theorie der Zwei-Gewalten. Diese besagt, dass sich die Welt in zwei Sphären teilt: die geistliche und die weltliche. Die geistliche Sphäre wird vom Papst regiert, die weltliche vom Kaiser.

Im Zuge der Ausbildung des Ritterideals zum Ende des 12. Jahrhunderts begann sich die weltliche Sphäre in zwei weitere Teile aufzuspalten: in den Adel und den Bauernstand.

Die Ständeordnung

Im Zuge des ersten Kreuzzugs 1096 entwickelte sich die Vorstellung des miles christianus, das heißt, dass der Ritter im göttlichen Auftrag kämpfte. Dadurch bildete sich auch ein Tugendkanon aus, der unsere Vorstellungen vom Rittertum bis heute prägt.

Ein wahrer Ritter

Für das korrekte ritterliche Verhalten am Hof wurde ein neuer Begriff geschaffen, die „Höveschheit“, wovon sich unsere Vorstellung von Höflichkeit ableitet. Als Gegenbild wurden dazu die Bauern herangezogen, die durch ihr vermeintlich derbes und plumpes Auftreten das genaue Gegenteil zum kultivierten Adligen bildeten. In zahlreichen Schriften und bildlichen Darstellungen machte man sich über den „dümmlichen Bauern“ lustig.

Wie die Bauern

Mit Argumenten wie diesen erklärte der Adel, warum er sich von den Bauern grundsätzlich unterschied. Dies wurde aber nicht nur gesellschaftlich festgehalten, sondern auch rechtlich. So wurde in der Gesetzgebung wurde darauf geachtet, dass kein Bauer in den Adelstand aufsteigen kann.

„Über die Söhne von Geistlichen, Diakonen und Bauern bestimmen wir, dass sie kein ritterliches Leben beginnen dürfen und dass sie, die es schon begonnen haben, durch den Landrichter ausgestoßen werden sollen. Der Unfreie aber soll jeden Rechtes des Ritterstandes entkleidet sein.“

Friedrich I. Barbarossa über die Würde des Ritterstandes

Über das tatsächliche Leben der Bauern berichten nur wenige Quellen – obwohl die Bauern mehr als 90 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Besonders aufschlussreich sind für uns heute Rechtstexte wie Urkunden oder Gesetzesbücher , aber auch archäologische Funde.

Die Grundherrschaft

So, wie der Adel durch das Lehnswesen strukturiert war, gliederte sich die bäuerliche Gesellschaft durch die Grundherrschaft. Es wurde zwischen freien, halbfreien und unfreien Bauern unterschieden. Der Großteil der Bauern war halbfrei, das heißt, sie unterstanden einem Herrn und der Hof, den sie bewirtschafteten, gehörte ihnen nicht.

Ziehe das jeweilige Recht in das passende Feld

Dabei war die bäuerliche Gesellschaft nicht so starr, wie es hier den Eindruck macht. Tatsächlich kam es immer wieder vor, dass sich Freie aus wirtschaftlichen Gründen in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben mussten und so halbfrei oder sogar unfrei wurden. Halbfreie und Unfreie konnten aber auch persönlich freigelassen und somit Freie werden.

Frei war nicht dasselbe wie adlig: Zwar waren alle Adligen frei, aber nicht alle Freien waren adlig. Mit der Etablierung der Ständeordnung im 11. Jahrhundert wurde es für freie Bauern fast unmöglich adlig zu werden.

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