
{"id":1004,"date":"2017-06-27T14:36:35","date_gmt":"2017-06-27T12:36:35","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1004"},"modified":"2017-06-27T15:03:17","modified_gmt":"2017-06-27T13:03:17","slug":"4711-erfrischt-und-beruhigt-die-nerven","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2017\/06\/27\/4711-erfrischt-und-beruhigt-die-nerven\/","title":{"rendered":"4711 \u2013 Erfrischt und beruhigt die Nerven"},"content":{"rendered":"<h1>4711 \u2013 Erfrischt und beruhigt die Nerven<\/h1>\n<p><strong>Was f\u00fcr den einen nur eine Zahl ist, l\u00e4sst beim anderen allein bei der blo\u00dfen Erw\u00e4hnung von \u201e4711\u201c den charakteristisch herben Geruch in die Nase steigen. Dabei ist es kein Geheimnis, dass sich beim Duft des \u201eEcht K\u00f6lnisch Wassers\u201c die Geister scheiden \u2013 und dennoch erfreut sich dieses Parf\u00fcm auch heute noch gro\u00dfer Beliebtheit. Trotz des regen Interesses, ist die Geschichte des Duftklassikers nur den wenigsten bekannt.<\/strong><\/p>\n<p>Die Urspr\u00fcnge von \u201e4711\u201c lassen sich auf das Jahr 1792 zur\u00fcckdatieren. Damals habe der Kaufmann Wilhelm M\u00fclhens die Rezeptur von dem Kart\u00e4userm\u00f6nch Franz Maria Farina als Hochzeitsgeschenk erhalten. Inwiefern dies tats\u00e4chlich der Wahrheit entspricht, dazu gibt es verschiedene Auffassungen. Fakt ist jedoch, dass M\u00fclhens das \u201eaqua mirabilis\u201c \u2013 das heilende Wunderwasser \u2013 seit 1799 als K\u00f6lnisch-Wasser mit den Herkunftsnachweis \u201eFranz Maria Farina \u2013 Kl\u00f6ckergasse No. 4711 in C\u00f6ln a. R.\u201c vertrieb. Auch wenn dieser Zusatz eine Art G\u00fctesiegel repr\u00e4sentierte, markenrechtlich war er \u00fcberaus strittig, da zeitweise mehr als f\u00fcnfzig verschiedene Produzenten existierten, die den Namen \u201eFarina\u201c verwendeten. Infolge der Rechtsstreitigkeiten mit der Familie Farina wurde daher Jahrzehnte sp\u00e4ter vom Enkel des Firmengr\u00fcnders die neue Produktbezeichnung \u201eEau de Cologne Parf\u00fcmerie-Fabrik Glockengasse 4711 gegen\u00fcber der Pferdepost von Ferdinand M\u00fclhens\u201c eingef\u00fchrt. Im Jahre 1875 wurde \u201e4711\u201c schlie\u00dflich als Marke ins deutsche Handelsregister eingetragen.<\/p>\n<h2>Der Duft der Reformen<\/h2>\n<p>Doch woher kommt die Ziffernfolge, die als Markenzeichen des Eau de Cologne gilt? Den Namenszusatz und das typische Markenzeichen \u201e4711\u201c erhielt das wohlriechende Destillat zur <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1789-1871.html\">Zeit der franz\u00f6sischen Besatzung<\/a> im Jahre 1796. Die milit\u00e4rische Expansion der Franzosen im linksrheinischen Teil Deutschlands erstreckte sich damals \u00fcber ein Gebiet, zu dem auch die Stadt K\u00f6ln geh\u00f6rte. Im Rahmen der territorialen Neugestaltung brachten unsere Nachbarn ihr modernes franz\u00f6sisches Verwaltungsdenken in die Domstadt und f\u00fchrten sogenannte Konskriptionsnummern ein. Konkret bedeutete dies, dass alle Geb\u00e4ude der Stadt fortlaufend nummeriert wurden, um dem ungeordneten Nebeneinander der Hausbezeichnungen ein Ende zu bereiten und die Einquartierung der Truppen zu erleichtern. Zuvor musste man sich zum Beispiel vom \u201eHaus zum B\u00e4ren\u201c, \u00fcber das \u201eHaus zum Walfisch\u201c zum \u201eOchsenhaus\u201c durchfragen. Was am\u00fcsant klingt, brachte im Alltagsleben viele Nachteile mit sich und so schien es nur vern\u00fcnftig, ein nachvollziehbares Nummerierungssystem als Orientierungshilfe einzusetzen. Das Haus von Wilhelm M\u00fclhens in der K\u00f6lner Glockengasse wurde mit der Nummer 4711 versehen. Jahre sp\u00e4ter, als die durchlaufende Nummerierung wieder abgeschafft und die stra\u00dfenweise Nummerierung umgesetzt wurde, \u00e4nderte sich abermals die Adressbezeichnung. Auf den Namen des \u201eEcht K\u00f6lnisch Wassers\u201c hatte dies allerdings keinen Einfluss. Der deutsche Duftklassiker hat also seinen Namen ausgerechnet den Franzosen zu verdanken.<\/p>\n<h2>Vom Elixier zum Aromatherapeutikum<\/h2>\n<p>Die Franzosen zeigten an der geheimen Rezeptur des Wunderwassers \u00fcbrigens besonderes Interesse. <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/rueckblick\/rueckkehr-napoleon-1815.html\">Napoleon Bonaparte<\/a> h\u00f6chstpers\u00f6nlich veranlasste im Jahre 1810 eine Preisgabe der Rezepturen aller innerlich (!) anzuwendender Pharmazeutika, zu denen auch das K\u00f6lnisch Wasser urspr\u00fcnglich geh\u00f6rte. Um dieser Anordnung auszuweichen und das Firmengeheimnis zu wahren, wurde \u201e4711\u201c kurzerhand zum \u00e4u\u00dferlich anwendbaren Heilmittel erkl\u00e4rt. Zuvor als Gesundheitstrank beworben, der unverd\u00fcnnt oder mit Wein vermischt eingenommen werden sollte, deklarierte die Parf\u00fcm-Manufaktur ihr Produkt seither als belebendes Erfrischungsmittel, das zu aroma-therapeutischen Zwecken verwendet werden konnte.<\/p>\n<h2>Rezeptur heute noch geheim<\/h2>\n<p>Die genaue Komposition der verschiedenen Essenzen und \u00e4therischen \u00d6le, die dem Duftwasser den unverwechselbaren Geruch verleihen, wird bis heute unter Verschluss gehalten. Bekannt ist nur, dass zu den Hauptbestandteilen Bergamotte, Zitrone, Orange, Neroli, Pettigrain, Lavendel und Rosmarin geh\u00f6ren. Ebenfalls erw\u00e4hnenswert ist das einzigartige Design des Flacons, die sogenannte Molanus-Flasche. Benannt nach ihrem Erfinder, Peter Heinrich Molanus, erh\u00f6ht auch sie den Wiedererkennungswert des Parf\u00fcms ungemein. Diese besondere Flaschenform erf\u00fcllt allerdings nicht nur eine \u00e4sthetische Funktion, sondern erweist sich als besonders praktisch, da sie die Lagerung und den Transport erleichtert. Der auff\u00e4llige, am Flaschenhals angebrachte, Kropf beg\u00fcnstigt zudem die aromatische Entfaltung der Ingredienzien und steigert somit das olfaktorische Erlebnis.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist die Produktpalette um \u201e4711\u201c signifikant gewachsen. Zu dem \u201eEcht K\u00f6lnisch Wasser\u201c gesellen sich Seifen- und Parf\u00fcmkreationen, die den erfrischend-herben Duft aufgreifen und ihn neu erfinden. Einige dieser Produkte finden sich in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums, wie zum Beispiel das \u201eNelken Toilette Talkum Puder\u201c oder die \u201eSparta Creme\u201c. Eine faszinierende Auswahl, bestehend aus verschiedenen Puder, Cremes und einem Flacon des echten K\u00f6lnisch-Wassers aus dem Hause \u201e4711\u201c lie\u00df sich zuletzt im Rahmen der Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/archiv\/ausstellungen\/strategien-der-werbekunst\/\">\u201eStrategien der Werbekunst von 1850 \u2013 1933\u201c<\/a> im Jahr 2004 bewundern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>4711 \u2013 Erfrischt und beruhigt die Nerven<span><\/h2>\n<p>Was f\u00fcr den einen nur eine Zahl ist, l\u00e4sst beim anderen allein bei der blo\u00dfen Erw\u00e4hnung von \u201e4711\u201c den charakteristisch herben Geruch in die Nase steigen. Dabei ist es kein Geheimnis, dass sich beim Duft des \u201eEcht K\u00f6lnisch Wassers\u201c die Geister scheiden \u2013 und dennoch erfreut sich dieses Parf\u00fcm auch heute noch gro\u00dfer Beliebtheit. 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