
{"id":10274,"date":"2025-09-17T16:31:35","date_gmt":"2025-09-17T14:31:35","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=10274"},"modified":"2025-12-17T10:08:56","modified_gmt":"2025-12-17T09:08:56","slug":"ghetto-glueck-ein-kilim-aus-dem-ghetto-lodz","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2025\/09\/17\/ghetto-glueck-ein-kilim-aus-dem-ghetto-lodz\/","title":{"rendered":"\u201eGhetto-Gl\u00fcck\u201c: Ein Kilim aus dem Ghetto \u0141\u00f3d\u017a"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">\u201eGhetto-Gl\u00fcck\u201c: Ein Kilim aus dem Ghetto \u0141\u00f3d\u017a<\/h1>\n\n\n\n<p>Dr. Zofia Tr\u0119bacz | 17. September 2025<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ausstellung <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/gewalt-ausstellen-erste-ausstellungen-zur-ns-besatzung-in-europa-1945-1948\/\">\u201eGewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945-1948\u201c<\/a> enth\u00e4lt viele ungew\u00f6hnliche Exponate. Eine ganz besondere Stellung nimmt ein Kilim \u2013 eine dekorative, flachgewebte Teppichart \u2013 aus dem Ghetto \u0141\u00f3d\u017a ein, wie Dr. Zofia Tr\u0119bacz vom Emanuel-Ringelblum J\u00fcdisches Historisches Institut in Warschau in ihrem Beitrag schildert. In der Ausstellung wird das Objekt dem breiten Publikum zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten zug\u00e4nglich gemacht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"949\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/60A2240-1-949x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10276\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/60A2240-1-949x1024.jpg 949w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/60A2240-1-278x300.jpg 278w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/60A2240-1-768x829.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/60A2240-1-1424x1536.jpg 1424w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/60A2240-1-1898x2048.jpg 1898w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/60A2240-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 949px) 100vw, 949px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kilim in der Ausstellung \u201eGewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945-1948\u201c \u00a9 DHM, Foto: David von Becker<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wie der Kilim in die Sammlungen des nach Emanuel Ringelblum benannten J\u00fcdischen Historischen Instituts in Warschau gelangt ist, wo er sich heute befindet, wei\u00df man nicht. Die erste erhaltene Information stammt von der Er\u00f6ffnung des vom J\u00fcdischen Historischen Institut in Warschau gegr\u00fcndeten Museums des Martyriums und Kampfes vom 18. April 1948, als der Kilim in der Begleitausstellung \u201eMartirologye un Kamf \/ Martyrologia i walka\u201c (Martyrium und Kampf) gezeigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1811\" height=\"1360\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_2_DZIH-E-02_5_1_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10309\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_2_DZIH-E-02_5_1_1.jpg 1811w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_2_DZIH-E-02_5_1_1-300x225.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_2_DZIH-E-02_5_1_1-1024x769.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_2_DZIH-E-02_5_1_1-768x577.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_2_DZIH-E-02_5_1_1-1536x1153.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1811px) 100vw, 1811px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto vom Inneren des Ausstellungssaals des Museums des J\u00fcdischen Historischen Instituts, in dem die erste, zeitgleich mit dem Museum selbst am 18. April 1948 er\u00f6ffnete Ausstellung mit dem Titel \u201eMartirologye un Kamf \/ Martyrologia i walka\u201c (Martyrium und Kampf) gezeigt wurde. Das Objektiv des Fotoapparats ist auf die Wand links vom Eingang gerichtet, in deren Zentrum, \u00fcber einem Schaukasten, der Kilim h\u00e4ngt \u00a9 Foto aus der Sammlung des Vereins des J\u00fcdischen Historischen Instituts in Polen, Depositum des JHI<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1253\" height=\"1776\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_3_INW-B-153_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10310\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_3_INW-B-153_2.jpg 1253w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_3_INW-B-153_2-212x300.jpg 212w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_3_INW-B-153_2-722x1024.jpg 722w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_3_INW-B-153_2-768x1089.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_3_INW-B-153_2-1084x1536.jpg 1084w\" sizes=\"auto, (max-width: 1253px) 100vw, 1253px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Album mit Katalog und Fotos von der \u201eAusstellung der Werke j\u00fcdischer bildender K\u00fcnstler, M\u00e4rtyrer der deutschen Besatzung 1939\u20131945\u201c, das in Ausz\u00fcgen die Ausstellung \u201eMartirologye un Kamf \/ Martyrologia i walka\u201c (Martyrium und Kampf) dokumentiert. Aus dieser Zeit stammt auch die Schwarzwei\u00df-Fotografie des Objekts \u00a9&nbsp;Foto aus der Sammlung des Vereins des J\u00fcdischen Historischen Instituts in Polen, Depositum des JHI<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1360\" height=\"1811\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_4_DZIH-E-02_17_1_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10311\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_4_DZIH-E-02_17_1_1.jpg 1360w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_4_DZIH-E-02_17_1_1-225x300.jpg 225w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_4_DZIH-E-02_17_1_1-769x1024.jpg 769w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_4_DZIH-E-02_17_1_1-768x1023.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_4_DZIH-E-02_17_1_1-1153x1536.jpg 1153w\" sizes=\"auto, (max-width: 1360px) 100vw, 1360px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto des Kilims von der Ausstellung \u201eMartirologye un Kamf \/ Martyrologia i walka\u201c (Martyrium und Kampf) \u00a9 Foto aus der Sammlung des Vereins des J\u00fcdischen Historischen Instituts in Polen, Depositum des JHI.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund dessen ist davon auszugehen, dass der Kilim aus den Sammlungen der Zentralen J\u00fcdischen Historischen Kommission stammte, die beim Zentralkomitee der Juden in Polen angesiedelt war. Die Historische Kommission entstand im August 1944 in Lublin und wurde im Herbst in die Zentrale J\u00fcdische Historische Kommission umgewandelt<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Seit M\u00e4rz 1945 befand sich ihr Sitz in \u0141\u00f3d\u017a. Wichtigste Aufgabe dieser Institution war die Dokumentation der Verbrechen gegen das j\u00fcdische Volk. Sie lieferte auch Material f\u00fcr die Kriegsverbrecherprozesse in Polen und in N\u00fcrnberg. Ihre Mitglieder betrieben au\u00dferdem wissenschaftliche Forschungen und publizierten u.a. Quellenstudien. Sie sammelten zudem Archivmaterial aus unterschiedlichen Ghettos und Lagern, Akten der Judenr\u00e4te, der Besatzungsbeh\u00f6rden, Institutionen und Privatpersonen sowie Urkunden ehemaliger j\u00fcdischer Gemeinden. Die Kommission besa\u00df Zweigstellen in mehreren St\u00e4dten. 1947 beschloss das Pr\u00e4sidium des Zentralkomitees der Juden in Polen, die Kommission in das J\u00fcdische Historische Institut mit Sitz an der T\u0142omackie-Stra\u00dfe 5 in Warschau umzuwandeln, in dem wieder aufgebauten Geb\u00e4ude des Vorkriegs-Instituts f\u00fcr Judaistik und die Judaistische Hauptbibliothek. Seit 2009 tr\u00e4gt das Institut den Namen von Emanuel Ringelblum \u2013 dem Historiker, Aktivisten und Gr\u00fcnder des Geheimen Archivs des Warschauer Ghettos, des sogenannten Ringelblum-Archivs. Er wurde im M\u00e4rz 1944 von den Deutschen ermordet<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Interessen der Mitarbeiter der Zentralen J\u00fcdischen Historischen Kommission waren derart breit gef\u00e4chert, dass ihre Sammlungen sowohl Dokumente als auch von Juden w\u00e4hrend des Kriegs angefertigte Objekte unterschiedlicher Art umfassten. Ein bedeutender Teil davon war die Sammlung von Gegenst\u00e4nden, die im ehemaligen Ghetto von \u0141\u00f3d\u017a gefunden wurden waren \u2013 Gem\u00e4lde, Skulpturen, aber auch Objekte, die f\u00fcr den zivilen und milit\u00e4rischen Bedarf der Wirtschaft des NS-Staates produziert worden waren. Dazu z\u00e4hlte vermutlich auch der erw\u00e4hnte Kilim.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist in der Teppichweberei (\u201eTeppich-Ressort\u201c) im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a hergestellt worden. Er hat die Ma\u00dfe 110 cm x 160 cm. Im zentralen Teil zeigt er eine Szene nach einem Motiv entworfen von J\u00f3zef Kowner: die Gestalten von vier Juden \u2013 h\u00f6chstwahrscheinlich drei Frauen mit Kopft\u00fcchern und ein Mann mit Hut \u2013 bei der Arbeit, die auf der gepflasterten Stra\u00dfe im Kreis sitzen oder hocken. Der Kilim ist mit Textilstreifen und Stoffresten auf Kettenf\u00e4den aus grauen Schn\u00fcren gewebt. Das vielfarbige Mittelfeld wird von einem schwarzen, schmalen Rahmen sowie einer breiten grauen Bord\u00fcre eingefasst. Die Fransen bestehen aus angekn\u00fcpften Schn\u00fcren in zwei Farben: Grau und Wei\u00df. Im unteren Teil des Kilims steht die in arabischen und hebr\u00e4ischen Ziffern gewebte Jahreszahl: 1942. Im oberen Teil hingegen findet sich in jiddischer Sprache die ironische Aufschrift: <em>Geto-glikn<\/em>, \u201eGhetto-Gl\u00fcck\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der extrem schwierigen Lebensbedingungen im Ghetto blieb der Humor oft erhalten. Man mag darin einen Versuch sehen, sich an die widrige Wirklichkeit anzupassen, sich mit ihr zu arrangieren. Dennoch waren die humorvollen Spr\u00fcche und Scherze, die man h\u00e4ufig nur versteht, wenn man auch den Kontext ihrer Verwendung kennt, auch f\u00fcr die Chronisten des Ghettolebens etwas \u00dcberraschendes und Notierenswertes. In diesem konkreten Fall sind die Worte \u201eGhetto-Gl\u00fcck\u201c \u00fcber einer Illustration, die Juden bei der Arbeit f\u00fcr die deutsche Wirtschaft zeigt, ein ironischer Kommentar zum Schicksal der dargestellten Personen. War doch die Zwangsarbeit f\u00fcr den Feind zugleich die einzige M\u00f6glichkeit der Errettung. In der Realit\u00e4t des Ghettos \u0141\u00f3d\u017a war die Besch\u00e4ftigung in einer Fabrik oder Werkstatt das Kriterium, das am ehesten vor dem Transport ins Vernichtungslager bewahren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a existierten viele verschiedene Abteilungen und Ressorts, d.h. Fabriken und Werkst\u00e4tten, die f\u00fcr den Bedarf der deutschen Wirtschaft produzierten. W\u00e4hrend des gesamten Bestehens des Ghettos waren dort zwischen 27 und 32 sogenannte Agenden t\u00e4tig, in denen 13.000\u201314.000 Arbeiter besch\u00e4ftigt waren<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Mit der Zeit verwandelte sich das Ghetto \u0141\u00f3d\u017a in eine Art Arbeitslager. Das kam in der Maxime des Leiters der J\u00fcdischen Verwaltung, Mordechaj Chaim Rumkowski, zum Ausdruck: \u201eUnser einziger Weg ist die Arbeit\u201c. Die bereits 1940 begonnene Strategie wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Die im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a funktionierenden Ressorts setzten in der Praxis die Idee des \u00dcberlebens durch Arbeit um \u2013 indem sie f\u00fcr die deutsche Wirtschaft produzierten, sollten sie die N\u00fctzlichkeit der J\u00fcdinnen und Juden unter Beweis stellen. Besch\u00e4ftigung fanden darin auch K\u00fcnstler*innen die Jubil\u00e4ums-Alben herstellten, die die Arbeit der Ressorts propagandaartig im besten Licht pr\u00e4sentierten. Eines von ihnen war das Gedenkalbum des Teppichressorts, das von Szyja (Jehoszua) Klugmann geleitet wurde. Das Objekt hat den Krieg \u00fcberdauert und ist Teil der Sammlungen des J\u00fcdischen Historischen Instituts. Es stellt die Entstehungsgeschichte und die Arbeit des Instituts von Juni 1941 bis Oktober 1943 dar und zeigt Muster von Wandteppichen, die auf der vom Ressort im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a organisierten Ausstellung am 26. Dezember 1942 gezeigt worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der in der Werkstatt besch\u00e4ftigten K\u00fcnstler war J\u00f3zef Kowner (1895\u20131967), der schon in der Vorkriegszeit als Maler bekannt gewesen war. Im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a galt er als \u201ereifer K\u00fcnstler mit individuellem Stil<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>\u201c. Seine Wohnung war Treffpunkt von Maler*innen, Schriftsteller*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen. Kowners Gem\u00e4lde aus jener Zeit zeichnen sich durch eine ungew\u00f6hnlich lebhafte Farbgebung aus. Auf verbl\u00fcffend farbige Weise stellt er Szenen aus dem Leben des geschlossenen Viertels dar \u2013 vor allem die Ghettostra\u00dfe und die Arbeit. Ein gro\u00dfer Teil seiner Werke hat den Krieg \u00fcberdauert, einige davon haben den Weg in die Sammlungen des J\u00fcdischen Historischen Instituts gefunden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1804\" height=\"2324\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_5_MLIH-A-646_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10312\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_5_MLIH-A-646_1.jpg 1804w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_5_MLIH-A-646_1-233x300.jpg 233w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_5_MLIH-A-646_1-795x1024.jpg 795w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_5_MLIH-A-646_1-768x989.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_5_MLIH-A-646_1-1192x1536.jpg 1192w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_5_MLIH-A-646_1-1590x2048.jpg 1590w\" sizes=\"auto, (max-width: 1804px) 100vw, 1804px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">J\u00f3zef Kowner, Selbstportr\u00e4t, 1941 \u00a9 Fotografie aus der Sammlung des Vereins des J\u00fcdischen Historischen Instituts in Polen, Depositum des JHI<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Die wachsende Zahl der Bestellungen und die minimalen Arbeitskosten waren f\u00fcr die Deutschen eine Zeit lang Grund genug, das Ghetto \u0141\u00f3d\u017a bestehen zu lassen. Dennoch erwies sich die Vorstellung, durch Arbeit \u00fcberleben zu k\u00f6nnen, angesichts der Vernichtungspl\u00e4ne als Illusion.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Beschluss zur endg\u00fcltigen Liquidierung des Ghettos \u0141\u00f3d\u017a fiel im Fr\u00fchjahr 1944. Zu der Zeit hielten sich in ihm fast 77.000 Juden auf. Im August 1944 setzten die Deportationen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ein. Mit einem der letzten Transporte verlie\u00dfen Rumkowski und seine engsten Familienangeh\u00f6rigen das Ghetto \u0141\u00f3d\u017a.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Ghetto \u0141\u00f3d\u017a sind ungew\u00f6hnlich vielf\u00e4ltige Dokumente erhalten. Sie stammen vor allem aus der j\u00fcdischen und der deutschen Verwaltung und beinhalten zudem zahlreiche pers\u00f6nliche Papiere und Fotografien. Erhalten ist auch eine reiche Kollektion von Bildern und Objekten des Kunsthandwerks, die in die Sammlungen des J\u00fcdischen Historischen Instituts aufgenommen wurde. Hierzu geh\u00f6rt auch der hier thematisierte Kilim.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Sammlungen dieser Institution befinden sich auch zwei andere Objekte von \u00e4hnlichem Charakter. Das eine ist ein ebenfalls in der Teppich-Ressort hergestellter Kilim f\u00fcr Aron Jakubowicz, den Leiter des Zentralb\u00fcros der Ressorts. Auf grauem Hintergrund steht in rosa-schwarzer Schrift auf Jiddisch: \u201eAn das Zentralb\u00fcro der Arbeitsressorts. Herrn Aron Jakubowicz. Wir melden, dass wir im Zeitraum 1.07[.]\u201331.12.1941 11.138 m\u00b2 Teppiche hergestellt und 49.920 kg Abf\u00e4lle verarbeitet haben. Der Leiter des Teppich-Ressorts Jehoszua Klugman.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die blaue Bord\u00fcre weist einen schmalen rosafarbenen Innenstreifen auf. Die untere Seite wurde mit Fransen versehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"637\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_6_ZIH_B_312-2-637x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10313\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_6_ZIH_B_312-2-637x1024.jpg 637w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_6_ZIH_B_312-2-187x300.jpg 187w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_6_ZIH_B_312-2-768x1234.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_6_ZIH_B_312-2-956x1536.jpg 956w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_6_ZIH_B_312-2.jpg 1245w\" sizes=\"auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Teppich-Ressort im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a f\u00fcr Aron Jakubowicz, den Leiter des Zentralb\u00fcros der Ressorts, hergestellter Kilim \u00a9 Foto aus der Sammlung des Vereins des J\u00fcdischen Historischen Instituts in Polen, Depositum des JHI<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem anderen Objekt handelt es sich um einen Wandbehang, der am selben Ort produziert wurde. Der obere Rand ist mit einem Streifen aus rotem Stoff ben\u00e4ht, der untere mit grau-roten Fransen abgeschlossen. Mit roter Strickwolle ist auf grauem Grund die jiddische Aufschrift gestickt: \u201eDer Vorsitzende M. Ch. Rumkowski ist ein Symbol f\u00fcr j\u00fcdischen Geist und Schaffenskraft\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"623\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_7_ZIH_B_327-1-1024x623.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10314\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_7_ZIH_B_327-1-1024x623.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_7_ZIH_B_327-1-300x183.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_7_ZIH_B_327-1-768x467.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_7_ZIH_B_327-1-1536x935.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DHMBlog_Trebacz_Abb_7_ZIH_B_327-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wandbehang, angefertigt im Teppich-Ressort im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a \u00a9 Foto aus der Sammlung des Vereins des J\u00fcdischen Historischen Instituts in Polen, Depositum des JHI<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der heutige Blick auf den in Frage stehenden Kilim aus dem Ghetto \u0141\u00f3d\u017a unterscheidet sich erheblich von dem, was vermutlich den Ausstellungsmachern von 1948 vorschwebte. Damals wurde er als Ausdruck der Repressionen und der Leiden der Juden unter deutscher Besatzung pr\u00e4sentiert. Heute haben wir auch einen Blick f\u00fcr seinen k\u00fcnstlerischen Wert. Wir sehen ihn unter anderem als Beispiel daf\u00fcr, wie die j\u00fcdische Verwaltung sich bem\u00fchte, die Schaffenden zu unterst\u00fctzen, weil sie in ihnen wichtige Vertreter der Gesamtgesellschaft sah. Zugleich erz\u00e4hlt das vom Urheber gew\u00e4hlte Sujet des Kilims in seiner Art auch von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Ghetto \u0141\u00f3d\u017a. Es erm\u00f6glicht uns so einen nuancierteren Blick, vertieft unser Wissen, unsere Empfindsamkeit, und zwingt zur Reflexion<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> N\u00e4heres vgl. Agnieszka Haska, \u201e\u201aFesthalten und verewigen\u2018: Die T\u00e4tigkeit der Zentralen J\u00fcdischen Historischen Kommission\u201c, in: Raphael Gross und Agata Pietrasik (Hrsg.), <em>Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945\u20131948<\/em>, Berlin 2025, S. 162\u2013171.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> N\u00e4heres vgl. Samuel D. Kassow, <em>Ringelblums Verm\u00e4chtnis. Das geheime Archiv des Warschauer Ghettos<\/em>, Reinbek 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Julian Baranowski, <em>\u0141\u00f3dzkie getto 1940\u20131944 <\/em>\/ <em>The \u0141\u00f3d\u017a Ghetto 1940\u20131944: <\/em><em>Vademecum<\/em>, \u0141\u00f3d\u017a 2009, S. 43.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Jakub Bendkowski, \u201eJ\u00f3zef Kowner. Malarz getta \u0142\u00f3dzkiego\u201c in: Jakub Bendkowski und Zofia Tr\u0119bacz (Hrsg.), <em>Uchwyci\u0107 getto. Codzienno\u015b\u0107 getta \u0142\u00f3dzkiego oczami artyst\u00f3w<\/em>, Warschau 2025, S. 151.<\/p>\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4>&nbsp;<\/h4>\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Zofia Tr\u0119bacz <\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Dr. Zofia Tr\u0119bacz ist Historikerin am Emanuel-Ringelblum J\u00fcdisches Historisches Institut in Warschau.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>\u201eGhetto-Gl\u00fcck\u201c: Ein Kilim aus dem Ghetto \u0141\u00f3d\u017a<span><\/h2>\n<p>Die Ausstellung \u201eGewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1948-1948\u201c enth\u00e4lt viele ungew\u00f6hnliche Exponate. Eine ganz besondere Stellung nimmt ein Kilim \u2013 eine dekorative, flachgewebte Teppichart \u2013 aus dem Ghetto \u0141\u00f3d\u017a ein, wie Dr. Zofia Tr\u0119bacz vom Emanuel-Ringelblum J\u00fcdisches Historisches Institut in Warschau in ihrem Beitrag schildert. In der Ausstellung wird das Objekt dem breiten Publikum zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":10278,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[701],"tags":[575,2966,2958,3007],"class_list":["post-10274","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumne","tag-2-weltkrieg","tag-deutsche-besatzung","tag-gewalt-ausstellen","tag-warschau"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10274"}],"version-history":[{"count":17,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10274\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10527,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10274\/revisions\/10527"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10278"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}