
{"id":10566,"date":"2026-02-25T14:32:28","date_gmt":"2026-02-25T13:32:28","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=10566"},"modified":"2026-03-05T09:39:51","modified_gmt":"2026-03-05T08:39:51","slug":"rostige-parteiabzeichen-vom-sammeln-von-objekten-zum-nationalsozialismus-im-deutschen-historischen-museum","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2026\/02\/25\/rostige-parteiabzeichen-vom-sammeln-von-objekten-zum-nationalsozialismus-im-deutschen-historischen-museum\/","title":{"rendered":"Rostige Parteiabzeichen? Vom Sammeln von Objekten zum Nationalsozialismus im Deutschen Historischen Museum"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Rostige Parteiabzeichen? Vom Sammeln von Objekten zum Nationalsozialismus im Deutschen Historischen Museum<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>S\u00f6ren Kutzner und Dr. Thomas Wei\u00dfbrich | 25. Februar 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/blog\/tag\/sammeln\/\">Blogserie zur Arbeit der Sammlungen<\/a> im Deutschen Historischen Museum (DHM) geht es um zentrale Punkte wie den Entscheidungen f\u00fcr oder gegen die Aufnahme von Objekten, um die unterschiedlichen Wege der Zug\u00e4nge, die sich \u00e4ndernden Forschungsfragen an die Sammlungen, um die Erforschung der Herkunft der Objekte und viele weitere Aspekte. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>S\u00f6ren Kutzner, ehemaliger Volont\u00e4r der Abteilung Sammlungen, und Dr. Thomas Wei\u00dfbrich, Leiter der Sammlung Militaria, widmen sich einer besonderen Objektkategorie, die immer wieder Fragen aufwirft, ob und wie man sie in die Museumssammlungen aufnehmen sollte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fundst\u00fccke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt mit einem Anruf oder einer E-Mail, die eine Schenkung ank\u00fcndigen, oder einem Umschlag ohne Absender, der per Post eintrifft. Auf verschiedenen Wegen erreichen das DHM immer wieder Gegenst\u00e4nde aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Spannweite der Angebote ist breit, es sind Einzelst\u00fccke oder umfangreiche Ensembles, Alltags- und Gebrauchsgegenst\u00e4nde, Kleidungsst\u00fccke, amtliche Dokumente, private Fotoalben, B\u00fccher, Zeitungen und Zeitschriften sowie Abzeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abgabe solcher Dinge hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, ein Effekt, der mit dem fortschreitenden Verschwinden der Zeitzeugengeneration und Ver\u00e4nderungen in der Erinnerungskultur zusammenh\u00e4ngt. Pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde, nicht selten \u00fcber mehrere Jahrzehnte in Schr\u00e4nken, auf Dachb\u00f6den oder in Kellern aufbewahrt, gelangen nach dem Tod ihrer Besitzer in die H\u00e4nde nachfolgender Generationen. Viele dieser Erbst\u00fccke werfen Fragen nach der Haltung der Vorfahren zum Nationalsozialismus auf und damit, was nun damit zu tun sei, insbesondere, wenn auf ihnen deutlich sichtbar nationalsozialistische Symbole prangen. F\u00fcr manche steht dann schnell fest, dass sie diese Sachen nicht behalten m\u00f6chten. W\u00e4hrend es bei den einen schlichtweg Desinteresse ist, handelt es sich bei anderen um ein Geschichtsbewusstsein und eine tiefe Abneigung gegen\u00fcber allem, was mit dem Nationalsozialismus in Verbindung steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch oft bestehen Bedenken, diese Erbst\u00fccke wie andere Antiquit\u00e4ten in den Handel zu geben. Die weit verbreitete Vorstellung, dass diese Sachen so in \u201efalsche H\u00e4nde\u201c gelangen und Rechtsextremisten zur Verherrlichung des Nationalsozialismus dienen k\u00f6nnten, ist f\u00fcr viele nur schwer zu ertragen. Moralische Erw\u00e4gungen f\u00fchren zur Auffassung, mit Gegenst\u00e4nden nationalsozialistischer Provenienz kein Geld machen zu wollen. Auktionen, auf denen Uniformen prominenter Politiker oder Milit\u00e4rs angeboten und f\u00fcr hohe Summen verkauft werden, l\u00f6sen daher vielfach Emp\u00f6rung aus. Mit dem Gros der heutzutage noch in Haushalten \u00fcberlieferten Objekte lassen sich indes keine Spitzenpreise erzielen. Dass bei Auktionen auch Bieter mit ideologischer Motivation mitmischen, ist nicht auszuschlie\u00dfen, fest steht aber auch, dass es viele Sammler ohne einen solchen Antrieb gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine Rolle nationalsozialistische Relikte tats\u00e4chlich in den rechtsextremistischen Szenen spielen, l\u00e4sst sich nur schwer ermitteln. In Deutschland ist das \u00f6ffentliche Zeigen von den als verfassungsfeindlich geltenden NS-Symbolen laut Strafgesetzbuch verboten. Daher bedienen sich Rechtsextreme neuer Zeichen.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> In vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und den Vereinigten Staaten von Amerika ist das Tragen dieser Symbole allerdings nicht explizit verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Abgabe der Erbst\u00fccke an ein Geschichtsmuseum sehen manche Erben einen Ausweg aus dem empfundenen Dilemma. H\u00e4ufig ist damit auch der Wunsch verbunden, die Sachen an einen Ort zu geben, an dem sie vor Missbrauch sicher aufbewahrt werden. Hinzu kommt die \u00dcberlegung, sie der Forschung oder f\u00fcr Ausstellungen zur Verf\u00fcgung zu stellen und so zur Aufkl\u00e4rung beizutragen. \u00dcber die Annahme der Angebote entscheiden unter Erw\u00e4gung verschiedener musealer Aspekte wie dem Erhaltungszustand und dem Restaurierungsbedarf die f\u00fcr die Sammlungen zust\u00e4ndigen Leiterinnen und Leiter \u2013 das sind beim DHM die Bereiche Alltagskultur, Militaria, Angewandte Kunst und Grafik, Gem\u00e4lde und Skulpturen, Dokumente, Finanz- und Wirtschaftsgeschichte, Fotografie, Plakate und Postkarten sowie die Bibliothek.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sammeln im Museum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sammlung des DHM verdankt ihre Facetten auch den vielen Schenkungen; das bedeutet, sie ist in gewissem Ma\u00dfe von Zuf\u00e4llen gepr\u00e4gt. Im Falle nationalsozialistischer Objekte f\u00fchrt das dazu, dass beispielsweise seltene Auszeichnungen selten vertreten sind, massenhaft verliehene massenhaft. Zu den mehrfach vorhandenen St\u00fccken geh\u00f6rt das \u201eEhrenkreuz der deutschen Mutter\u201c, dessen drei Klassen Bronze, Silber und Gold zwischen 1938 und 1945 rund f\u00fcnf Millionen Mal verliehen worden sind (Abb. 1).<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Zu den raren Auszeichnungen z\u00e4hlt das 1944 nach dem misslungenen Attentat auf Adolf Hitler (1889-1945) gestiftete \u201eVerwundetenabzeichen 20. Juli\u201c, von dem es nur 24 Verleihungen gab, die sich allesamt in privaten Sammlungen befinden.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"767\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.1_ZD036096-1024x767.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10578\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.1_ZD036096-1024x767.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.1_ZD036096-300x225.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.1_ZD036096-768x576.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.1_ZD036096-1536x1151.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.1_ZD036096.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ehrenkreuz der deutschen Mutter, 1. Stufe, 2. Form, 1939, Bronze, emailliert, Seide, 4,4 x 3,5 cm, DHM, Inv.-Nr. O 2015\/6.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Von besonderem Interesse f\u00fcr das Museum sind St\u00fccke, die in einem biografischen Kontext stehen und mit individuellen Geschichten verbunden sind \u2013 was jedoch inzwischen nach rund 90 Jahren nur noch in Ausnahmef\u00e4llen m\u00f6glich ist. Doch solche Verkn\u00fcpfungen sind es, die sie zu aufschlussreichen Quellen machen. Sie erm\u00f6glichen Ann\u00e4herungen an den Alltag im NS-Regime und ergeben bisweilen \u00fcberraschende Perspektiven \u2013 etwa das NSDAP-Parteiabzeichen, das nur einmal getragen wurde und danach in der Schublade verschwand oder das beim Einkaufen angesteckte \u201eEhrenkreuz der deutschen Mutter\u201c, das gezielt genutzt wurde, um im Lebensmittelgesch\u00e4ft nicht in der Schlange stehen zu m\u00fcssen, was \u00c4rger unter den schon l\u00e4nger Wartenden ausl\u00f6ste.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Aus der Nachkriegszeit stammt die mit einer pr\u00e4chtigen Gauleiter-Ausgabe von \u201eMein Kampf\u201c verbundene Erz\u00e4hlung, dass das Buch jahrelang dem im Kindergarten auftretenden Nikolaus als S\u00fcndenregister diente. Erg\u00e4nzend zu den Schenkungen, die rund zwei Drittel der Museumsobjekte ausmachen, erwirbt das DHM gelegentlich auch gezielt einzelne Objekte aus dem Kontext des Nationalsozialismus, h\u00e4lt sich als staatlich gef\u00f6rdertes Museum damit jedoch zur\u00fcck.<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zudem hat das DHM auch zahlreiche Dauerleihgaben aus dem Eigentum der Bundesrepublik. Dazu geh\u00f6ren Einzelst\u00fccke wie ein von Albert Speer (1905-1981) entworfener Schreibtisch f\u00fcr die Neue Reichskanzlei (Abb. 2) und zwei gro\u00dfe Kunstsammlungen: Zum einem die \u201eGerman War Art Collection\u201c, ein Konvolut von Gem\u00e4lden und Grafiken deutscher K\u00fcnstler, das nach dem Zweiten Weltkrieg von der US Army beschlagnahmt und sp\u00e4ter bis auf wenige Ausnahmen restituiert worden ist.<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Die andere umfangreiche Dauerleihgabe des Bundes bilden Kunstwerke, die das Deutsche Reich auf den M\u00fcnchner \u201eGro\u00dfen Deutschen Kunstausstellungen\u201c in den Jahren zwischen 1938 und 1944 erwarb.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"794\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-2_98005756-1024x794.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10574\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-2_98005756-1024x794.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-2_98005756-300x233.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-2_98005756-768x596.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-2_98005756-1536x1191.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-2_98005756-2048x1589.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Vereinigte Werkst\u00e4tten f\u00fcr Kunst und Handwerk, Schreibtisch aus der Neue Reichskanzlei, 1938, Holz, Messing, 78 x 350 x 140 cm, DHM, Inv.-Nr. KG 98\/69.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontraste<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer propagandistischen Gem\u00e4lden wie \u201eK\u00e4mpfendes Volk\u201c von Hans Schmitz-Wiedenbr\u00fcck (1907-1944) (Abb. 3) sind es die vergleichsweise unscheinbaren Dinge, die aufgrund ihrer Zur\u00fcckhaltung aussagekr\u00e4ftig sind, etwa die f\u00fcr das \u201eWinterhilfswerk des Deutschen Volkes\u201c verkauften und zur Bildung der \u201eVolksgemeinschaft\u201c beitragenden Anh\u00e4nger (Abb. 4). <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"725\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-3_LG002264-1024x725.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10575\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-3_LG002264-1024x725.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-3_LG002264-300x213.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-3_LG002264-768x544.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-3_LG002264-1536x1088.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-3_LG002264-2048x1451.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hans Schmitz-Wiedenbr\u00fcck, \u201eK\u00e4mpfendes Volk\u201c, 1942, \u00d6l auf Leinwand, 311 x 442 cm, DHM, Inv.-Nr. LD 2007\/16.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"775\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-4_XX001325-1-775x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10579\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-4_XX001325-1-775x1024.jpg 775w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-4_XX001325-1-227x300.jpg 227w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-4_XX001325-1-768x1014.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-4_XX001325-1-1163x1536.jpg 1163w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-4_XX001325-1-1551x2048.jpg 1551w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-4_XX001325-1-scaled.jpg 1939w\" sizes=\"auto, (max-width: 775px) 100vw, 775px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Winterhilfswerk des Deutschen Volkes, Gau Wien, Serie \u201eWiener Typen\u201c, 1940, Porzellan, bemalt, 4,3 cm, Sammlermontierung, DHM, Inv.-Nr. A 90\/195.1-17.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das Sammeln zum Thema Nationalsozialismus kann sich nat\u00fcrlich nicht nur auf genuin nationalsozialistische Objekte beschr\u00e4nken. Um die historische Komplexit\u00e4t der Verh\u00e4ltnisse ann\u00e4hrend erfassen zu k\u00f6nnen, bem\u00fcht sich das Museum, ein breites Spektrum abzubilden. Der aktuelle Sammlungsbestand profitiert in dieser Hinsicht von der 1990 \u00fcbernommenen Sammlung des \u201eMuseum f\u00fcr Deutsche Geschichte\u201c, des zentralen Geschichtsmuseums der DDR.<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Denn eines der grundlegenden Themen dieses Museum war der f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis der DDR substanzielle Antifaschismus.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Da ein entsprechender Fokus auf der Sammlungsarbeit lag, wurden zahlreiche Objekte zusammengetragen, insbesondere um den von Kommunisten gef\u00fchrten Kampf gegen das NS-Regime zu belegen. Aus dem Fundus des sozialistischen Geschichtsmuseums stammen beispielsweise Gegenst\u00e4nde aus dem pers\u00f6nlichen Besitz des KPD-Vorsitzenden Ernst Th\u00e4lmann (1886-1944) oder vom paramilit\u00e4risch organisierten \u201eRoten Frontk\u00e4mpferbund\u201c, vieles davon feierlich von Zeitzeugen \u00fcbergebene Schenkungen oder \u00dcberweisungen staatlicher Institutionen.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Den Bereich des j\u00fcdischen Lebens im Nationalsozialismus, der f\u00fcr das Ostberliner Geschichtsmuseum mit seiner marxistisch-leninistischen Sicht kaum von Bedeutung gewesen war, bringt das DHM seit seiner Gr\u00fcndung 1987 ein.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Zu den fr\u00fchen und herausragenden Erwerbungen geh\u00f6rt das Gem\u00e4lde \u201eKauernder Gefangener\u201c (Abb. 5) des j\u00fcdischen Malers Felix Nussbaum (1904-1944). Im Jahre 2021 erwarb das DHM die umfangreiche, \u00fcber Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung Wolfgang Haney (1924-2017) zum nationalsozialistischen Antisemitismus, die haupts\u00e4chlich aus Dokumenten besteht.<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"945\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-5_G0000009-945x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10577\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-5_G0000009-945x1024.jpg 945w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-5_G0000009-277x300.jpg 277w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-5_G0000009-768x832.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-5_G0000009-1417x1536.jpg 1417w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abb.-5_G0000009-1890x2048.jpg 1890w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Felix Nussbaum, \u201eKauernder Gefangener\u201c, 1940, \u00d6l auf Leinwand, 47 x 42 cm, DHM, Inv.-Nr. 1987\/149.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend alle diese gro\u00dfen und kleinen, unikalen und massenhaft produzierten Objekte nach den Sammlungsbereichen getrennt im Depot aufbewahrt werden, sind es die Ausstellungen, die sie (wieder) in die \u00d6ffentlichkeit bringen. Das geschah in der Dauerausstellung (2006-2021) und in mehreren Sonderausstellungen wie \u201e1.9.39. Ein Versuch \u00fcber den Umgang mit Erinnerungen an den 2. Weltkrieg\u201c (1989), \u201eHolocaust. Der nationalsozialistische V\u00f6lkermord und die Motive seiner Erinnerung\u201c (2002) oder \u201eHitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen\u201c (2010\/11).<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a> In den vergangenen Jahren waren insbesondere Kunstwerke aus der \u201eGerman War Art Collection\u201c und dem \u201eHaus der Deutschen Kunst\u201c als Leihgaben im benachbarten Ausland zu sehen, zuletzt in der Schau \u201eArt in the Third Reich\u201c (2023) im niederl\u00e4ndischen Arnheim.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Hier gingen die Ausstellungsmacher Fragen nach \u201eVerf\u00fchrung und Ablenkung\u201c nach und warfen so neue Perspektiven auf das Schaffen nationalsozialistischer K\u00fcnstler.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausstellungen setzen die verschiedenen Exponate zueinander in Beziehung, um sie zu verst\u00e4rken oder um Gegens\u00e4tze zu bilden, sie erl\u00e4utern ihre Geschichten mit Hilfe von Bildern und Texten, durch Medientechnik oder bei F\u00fchrungen. Hierf\u00fcr k\u00f6nnen die Kuratorinnen und Kuratoren auf eine reichhaltige Museumssammlung zur\u00fcckgreifen. Ihre Auswahlm\u00f6glichkeiten vergr\u00f6\u00dfern sich st\u00e4ndig \u2013 nicht zuletzt durch immer wieder neue \u201eFundst\u00fccke\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie Objekte aus der Zeit des Nationalsozialismus besitzen und dar\u00fcber nachdenken, diese dem DHM zu \u00fcbergeben, setzten Sie sich bitte mit der Abteilung Sammlung in Verbindung. Am besten richten Sie Ihr Anliegen per Email an <a href=\"mailto:sammlung@dhm.de\">sammlung@dhm.de<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Steven Heller, The Swastika and Symbols of Hate. Extremist Iconography Today, New York 2019.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. J\u00f6rg Nimmergut, Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, Bd. IV., M\u00fcnchen 2001, S. 1937-1941.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. J\u00f6rg Nimmergut, Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, Bd. IV., M\u00fcnchen 2001, S. 2225-2232.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Irmgard Weyrather, Muttertag und Mutterkreuz. Der Kult um die \u201edeutsche Mutter\u201c im Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 1993, S. 155-156.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Burkhardt Asmuss, \u201eChronistenpflicht\u201c und \u201eSammlergl\u00fcck\u201c. Die Sammlung \u201eZeitgeschichtliche Dokumente\u201c am Deutschen Historischen Museum, in: Zeithistorische Forschungen 4 (2007), S. 177-188.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Veit Veltzke (Hg.), Kunst und Propaganda in der Wehrmacht. Gem\u00e4lde und Grafiken aus dem Russlandkrieg, Bielefeld 2005.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/museum\/geschichte-und-architektur\/geschichte\/\">https:\/\/www.dhm.de\/museum\/geschichte-und-architektur\/geschichte\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Herfried M\u00fcnkler, Die Deutschen und ihre Mythen, Berlin 2009, S. 421-453.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/blog\/2022\/04\/13\/wie-die-turnhose-ernst-thaelmanns-ins-museum-kam-eine-schenkung-des-instituts-fuer-marxismus-leninismus-an-das-museum-fuer-deutsche-geschichte\/\">https:\/\/www.dhm.de\/blog\/2022\/04\/13\/wie-die-turnhose-ernst-thaelmanns-ins-museum-kam-eine-schenkung-des-instituts-fuer-marxismus-leninismus-an-das-museum-fuer-deutsche-geschichte\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/museum\/geschichte-und-architektur\/geschichte\/\">https:\/\/www.dhm.de\/museum\/geschichte-und-architektur\/geschichte\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.kulturstiftung.de\/sammlung-haney-dhm\/\">https:\/\/www.kulturstiftung.de\/sammlung-haney-dhm\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. Hans Ottomeyer \/ Hans-J\u00f6rg Czech, Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen, Berlin \/ Wolfrathshausen 2007; Dieter Vorsteher u.a. 1.9.39. Ein Versuch \u00fcber den Umgang mit Erinnerungen an den 2. Weltkrieg, Berlin 1989; Burkhardt Asmuss (Hg.), Holocaust. Der nationalsozialistische V\u00f6lkermord und die Motive seiner Erinnerung, Berlin 2002; Hans-Ulrich Thamer \/ Simone Erpel (Hg.), Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen, Dresden 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Jelle Bouwhuis \/ Almar Seinen, Art in the Third Reich. Seduction and Distraction, Zwolle 2023.<\/p>\n\n\n<table style=\"height: 291px;\" border=\"0\" width=\"840\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7989 size-medium\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Web_Thomas_Weissbrich_02-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Web_Thomas_Weissbrich_02-200x300.jpg 200w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Web_Thomas_Weissbrich_02-683x1024.jpg 683w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Web_Thomas_Weissbrich_02-768x1152.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Web_Thomas_Weissbrich_02-1024x1536.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Web_Thomas_Weissbrich_02-1365x2048.jpg 1365w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Web_Thomas_Weissbrich_02-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. Thomas Wei\u00dfbrich<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Dr. Thomas Wei\u00dfbrich ist Leiter der Militaria-Sammlung im DHM, die Uniformen, Fahnen, Orden, Ehrenzeichen und Uniformkundliche Graphik umfasst.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<table style=\"height: 291px;\" border=\"0\" width=\"840\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10582 size-medium\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Soeren_Kutzner01-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Soeren_Kutzner01-200x300.jpg 200w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Soeren_Kutzner01-683x1024.jpg 683w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Soeren_Kutzner01-768x1151.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Soeren_Kutzner01-1025x1536.jpg 1025w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Soeren_Kutzner01-1366x2048.jpg 1366w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Soeren_Kutzner01-scaled.jpg 1708w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">S\u00f6ren Kutzner<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">S\u00f6ren Kutzner ist ehemaliger wissenschaftlicher Volont\u00e4r der Abteilungen Sammlungen des Deutschen Historischen Museums<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Rostige Parteiabzeichen? Vom Sammeln von Objekten zum Nationalsozialismus im Deutschen Historischen Museum<span><\/h2>\n<p>Im Rahmen der Blogserie zur Arbeit der Sammlungen im Deutschen Historischen Museum (DHM) geht es um zentrale Punkte wie den Entscheidungen f\u00fcr oder gegen die Aufnahme von Objekten, um die unterschiedlichen Wege der Zug\u00e4nge, die sich \u00e4ndernden Forschungsfragen an die Sammlungen, um die Erforschung der Herkunft der Objekte und viele weitere Aspekte. S\u00f6ren Kutzner, ehemaliger Volont\u00e4r der Abteilung Sammlungen, und Dr. Thomas Wei\u00dfbrich, Leiter der Sammlung Militaria, widmen sich einer besonderen Objektkategorie, die immer wieder Fragen aufwirft, ob und wie man sie in die Museumssammlungen aufnehmen sollte.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":10567,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[677,2935,199],"class_list":["post-10566","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inside-dhm","tag-nationalsozialismus","tag-sammeln","tag-sammlung"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10566"}],"version-history":[{"count":8,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10566\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10611,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10566\/revisions\/10611"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10567"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}