
{"id":10635,"date":"2026-04-08T12:27:21","date_gmt":"2026-04-08T10:27:21","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=10635"},"modified":"2026-04-08T12:27:27","modified_gmt":"2026-04-08T10:27:27","slug":"kunst-gegen-devisen-einmal-andersherum-die-ankaeufe-des-museums-fuer-deutsche-geschichte-im-bundesdeutschen-kunsthandel","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2026\/04\/08\/kunst-gegen-devisen-einmal-andersherum-die-ankaeufe-des-museums-fuer-deutsche-geschichte-im-bundesdeutschen-kunsthandel\/","title":{"rendered":"Kunst gegen Devisen einmal andersherum \u2013 Die Ank\u00e4ufe des Museums f\u00fcr Deutsche Geschichte im bundesdeutschen Kunsthandel"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Kunst gegen Devisen einmal andersherum \u2013 Die Ank\u00e4ufe des Museums f\u00fcr Deutsche Geschichte im bundesdeutschen Kunsthandel<\/h1>\n\n\n\n<p>Christopher J\u00fctte | 8. April 2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00e4hrend der Aufbauphase des 1950 gegr\u00fcndeten Museums f\u00fcr Deutsche Geschichte (MfDG, die Sammlungen des MfDG wurden 1990 dem Deutschen Historischen Museum \u00fcbertragen) agierte das nationale Geschichtsmuseum der DDR auch als Akteur auf dem westdeutschen bzw. West-Berliner Kunstmarkt. Christopher J\u00fctte, wissenschaftlicher Mitarbeiter f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung\/forschung\/provenienzforschung\/\">Provenienzforschung<\/a> am Deutschen Historischen Museum (DHM), geht diesen Erwerbungen des MfDG in seinem Beitrag nach.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Rund 900 Objekte erwarb das MfDG in bundesdeutschen Auktionsh\u00e4usern, den mit \u00fcber 500 Objekten gr\u00f6\u00dften Teil davon bei der Galerie Gerd Rosen in West-Berlin. Aber auch bei Hauswedell in Hamburg, bei Karl &amp; Faber in M\u00fcnchen, bei J.A. Stargardt in Marburg und bei Lempertz in K\u00f6ln ersteigerte das Museum Ausstellungsst\u00fccke, die allermeisten davon zwischen 1953 und 1960.<\/p>\n\n\n\n<p>Um an Auktionen in der Bundesrepublik teilzunehmen, war das MfDG auf die Zuweisung von Devisen durch die dem Haus \u00fcbergeordnete Institution, dem Staatssekretariat f\u00fcr Hochschulwesen (SfH) angewiesen. Frei konvertierbare Devisen waren bereits in der jungen DDR rar, sodass sich das Museum stets um die Bereitstellung derselben bem\u00fchen musste. Die Beantragung der Devisen war in ein langwieriges b\u00fcrokratisches Verfahren eingebettet: Das Museum forderte die Mittel beim SfH an, dieses beantragte die Devisen dann beim Deutschen Innen- und Au\u00dfenhandel (DIA) Kulturwaren, einem Au\u00dfenhandelsbetrieb der DDR, und abschlie\u00dfend musste das Ministerium des Innern (MdI) noch seinen Segen geben.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser aufwendige Prozess hatte zur Folge, dass das MfDG an manchen Auktionen in der Bundesrepublik nicht teilnehmen konnte, da die Devisen, wenn \u00fcberhaupt, erst kurz vor Beginn der Auktion freigegeben wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Summen an Devisen, die im hier beschriebenen Zeitraum immer in Mark der Bank Deutscher L\u00e4nder (BDL), also der Deutschen Mark der Bundesrepublik, beantragt und dem MfDG zur Verf\u00fcgung gestellt wurden, schwankten. Im November 1952 schrieb der stellvertretende Direktor des MfDG, Eduard Ullmann (1919-2000), einen Brief an den damaligen Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Hochschulwesen, Gerhard Harig (1902-1966), um Devisen f\u00fcr das MfDG zu erbitten. Ullmann beantragte \u201e<em>schnell greifbare Westmark-Betr\u00e4ge<\/em>\u201c in H\u00f6he von 500.000 bis 1.000.000 Mark, die \u00fcber ein Sonderkonto bereitgestellt werden sollten.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Letztlich bekam das Museum f\u00fcr das Jahr 1953 lediglich einen Pauschalbetrag von 50.000 D-Mark, was f\u00fcr die Zeit dennoch eine nicht zu untersch\u00e4tzende Summe war, f\u00fcr Erwerbungen im westdeutschen Kunsthandel zugewiesen.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> 1954 erhielt das MfDG keinen Pauschalbetrag mehr, sondern musste jeden Ankaufswunsch einzeln vorab beantragen, was den Erwerbungsprozess nochmals verl\u00e4ngerte.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Dieser Umstand f\u00fchrte unter anderem dazu, dass sich das Museum im Juli 1954 an den damaligen Ministerpr\u00e4sidenten der DDR Otto Grotewohl (1894-1964) wandte und ihn um Unterst\u00fctzung beim Objekterwerb in Westdeutschland bat.<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Gleichsam betonte man in diesem Schreiben auch die Wichtigkeit des bundesdeutschen Kunstmarktes f\u00fcr den Sammlungsaufbau: \u201e<em>Wenn das Museum f\u00fcr Deutsche Geschichte eine wirklich nationale Kulturst\u00e4tte werden soll muss ihm auch die M\u00f6glichkeit gegeben werden, seine musealen Best\u00e4nde zu erweitern. Der Sammlung in der DDR sind bestimmte Grenzen gesetzt<\/em>.\u201c<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"336\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1_Briefkopf_Gerd_Rosen-1024x336.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10642\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1_Briefkopf_Gerd_Rosen-1024x336.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1_Briefkopf_Gerd_Rosen-300x98.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1_Briefkopf_Gerd_Rosen-768x252.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1_Briefkopf_Gerd_Rosen.jpg 1526w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1 Briefkopf der Galerie Gerd Rosen aus dem Jahr 1960, Schreiben der Galerie Gerd Rosen an das MfDG vom 28. Dezember 1960, DHM-HArch MfDG\/Rot\/054, o Bl.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Jahr 1955 bewilligte das SfH gar keine Valutamittel.<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Erst 1956 wurde dem MfDG wieder ein Ankaufsetat, diesmal von 30.000 Mark-BDL, zur Verf\u00fcgung gestellt.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Budget setzte das MfDG unter anderem dazu ein, um im Mai und November 1956 auf Auktionen der Galerie Gerd Rosen Kunstwerke einzukaufen (Abb. 1). Der Antiquar Gerd Rosen (1903-1961), ein kontroverser Akteur des West-Berliner Kunsthandels, er\u00f6ffnete die nach ihm benannte Galerie bereits im Jahr 1945. W\u00e4hrend Rosen zun\u00e4chst Ausstellungen unter anderem zur klassischen Moderne pr\u00e4sentierte, konzentrierte er sich ab den 1950er-Jahren verst\u00e4rkt auf den Kunst- und Antiquariatshandel.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Bei den Auktionen der Galerie Rosen kaufte das MfDG besonders gerne und h\u00e4ufig ein. In der Bibliothek des DHM haben sich wenige Auktionskataloge der Galerie Rosen erhalten, die vom Personal des MfDG akribisch durchgesehen und umfassend mit Annotationen versehen wurden. Sie erm\u00f6glichen Aussagen \u00fcber den Preis, den das Museum zu zahlen bereit war, sowie \u00fcber die Priorisierung von begehrten St\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"802\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1-1024x802.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10646\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1-1024x802.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1-300x235.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1-768x601.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1-1536x1202.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_1-2048x1603.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2 Gotisches K\u00e4stchen, 1401\/1500, 9 x 6 x 13 cm Eisen, Holz, Leder, gepr\u00e4gt, geschnitten, Inventarnummer: K 58\/150. Foto: DHM.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"749\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_2_Katalog_Lempertz_Gotisches_Kaestchen-749x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10644\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_2_Katalog_Lempertz_Gotisches_Kaestchen-749x1024.jpg 749w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_2_Katalog_Lempertz_Gotisches_Kaestchen-220x300.jpg 220w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_2_Katalog_Lempertz_Gotisches_Kaestchen-768x1050.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_2_Katalog_Lempertz_Gotisches_Kaestchen.jpg 878w\" sizes=\"auto, (max-width: 749px) 100vw, 749px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3 Eintrag zum gotischen K\u00e4stchen, hier bezeichnet als Minnek\u00e4stchen, im Katalog zur XXVI. Auktion 1956 bei Gerd Rosen unter der Los-Nummer 3655. Foto: DHM.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Beispiele aus der zwischen dem 5. und 9. Mai 1956 abgehaltenen XXVI. Auktion bei Gerd Rosen sollen das verdeutlichen. Versteigert wurden wertvolle B\u00fccher, Autographen und Kunst. Das MfDG hatte sein Augenmerk unter anderem auf ein gotisches K\u00e4stchen gelegt.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a> (Abb. 2 + 3) Der Auktionskatalog zeigt unter der Los-Nummer 3655 eine Abbildung des K\u00e4stchens sowie eine Beschreibung desselben. Am Rand finden sich die handschriftlichen Vermerke aus dem MfDG: Offenbar plante man, etwa 450 D-Mark f\u00fcr das K\u00e4stchen auszugeben. Die beiden Pluszeichen stellen wahrscheinlich einen Priorit\u00e4tsmarker dar: Ein Plus bedeutet eine geringe, drei Pluszeichen eine hohe Priorit\u00e4t. Die beiden Pluszeichen zeigen folglich eine mittlere Priorit\u00e4t an. Erworben hat es das MfDG schlie\u00dflich sogar zum Preis von 880 D-Mark. Ob dieser Preis bereits das Aufgeld enth\u00e4lt, geht aus der musealen Objektdokumentation nicht hervor.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"827\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_3_Gotisches_Vortragekreuz-1-827x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10647\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_3_Gotisches_Vortragekreuz-1-827x1024.jpg 827w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_3_Gotisches_Vortragekreuz-1-242x300.jpg 242w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_3_Gotisches_Vortragekreuz-1-768x951.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_3_Gotisches_Vortragekreuz-1-1240x1536.jpg 1240w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_3_Gotisches_Vortragekreuz-1-1653x2048.jpg 1653w\" sizes=\"auto, (max-width: 827px) 100vw, 827px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4 Vortragekreuz, Oberitalien, 1446\/1455, Lack (schwarz), Holz, Kupfer, Bronze, feuervergoldet, lackiert, gedrechselt, genagelt, Inventarnummer: K 56\/125. Foto: DHM.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"727\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_4_Katalog_Rosen_Vortragekreuz-1024x727.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10648\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_4_Katalog_Rosen_Vortragekreuz-1024x727.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_4_Katalog_Rosen_Vortragekreuz-300x213.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_4_Katalog_Rosen_Vortragekreuz-768x546.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_4_Katalog_Rosen_Vortragekreuz-1536x1091.jpg 1536w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_4_Katalog_Rosen_Vortragekreuz.jpg 1616w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 5 Eintrag zum Vortragekreuz im Katalog zur XXVI. Auktion 1956 bei Gerd Rosen unter der Los-Nummer 3650. Foto DHM.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel aus derselben Auktion ist ein unter der Los-Nummer 3650 angebotenes mittelalterliches Vortragekreuz.<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a> (Abb. 4 + 5) Auch dieses erwarb das MfDG, allerdings im Nachverkauf zu einem Gesamtpreis von 2.760 D-Mark<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a>, inklusive des Aufgeldes in H\u00f6he von 15%. Der Preis lag also unter dem Taxwert des Auktionshauses von 3.000 D-Mark, aber \u00fcber dem eigentlichen Wunschpreis von 2.000 D-Mark, wie die Notiz auf dem Rand der Katalogseite zeigt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"827\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_5_Kasel-827x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10649\" style=\"width:827px;height:auto\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_5_Kasel-827x1024.jpg 827w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_5_Kasel-242x300.jpg 242w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_5_Kasel-768x951.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_5_Kasel-1240x1536.jpg 1240w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_5_Kasel-1653x2048.jpg 1653w\" sizes=\"auto, (max-width: 827px) 100vw, 827px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 6 Kasel, Italien, 1501\/1600, 110 x 70 cm, Seide (braun), Seide (goldfarben), Samt, Atlasbindung, Inventarnummer: K 57\/246. Foto: DHM.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"1024\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_6_Auktionskatalog_Lempertz_Kasel-730x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10650\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_6_Auktionskatalog_Lempertz_Kasel-730x1024.jpg 730w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_6_Auktionskatalog_Lempertz_Kasel-214x300.jpg 214w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_6_Auktionskatalog_Lempertz_Kasel-768x1077.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_6_Auktionskatalog_Lempertz_Kasel.jpg 1085w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 7 Eintrag zur Kasel im Katalog zur 448. Auktion im K\u00f6lner Kunsthaus Math. Lempertz 1957 unter der Los-Nummer 592. Foto: DHM.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"710\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_7_Katalog_Lempertz_Kasel_Tafel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10651\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_7_Katalog_Lempertz_Kasel_Tafel.jpg 533w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Abb_7_Katalog_Lempertz_Kasel_Tafel-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 8 Abbildung der Kasel im Auktionskatalog zur 448. Auktion im K\u00f6lner Kunsthaus Math. Lempertz 1957 unter der Los-Nummer 592, Tafel 51.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Beantragung von Valuta im Vorfeld von Auktionen in der Bundesrepublik aussah, kann anhand der zwischen dem 21. und 25. November 1957 erfolgten 448. Auktion im K\u00f6lner Kunsthaus Math. Lempertz nachverfolgt werden. Das MfDG beantragte in Person des stellvertretenden Direktors Eduard Ullmann im November 1957 beim Staatssekretariat die Bewilligung von 13.700 DM BDL. Diese sollten verwendet werden, um auf Auktionen bei Rosen und Lempertz verschiedene Objekte zu ersteigern, unter anderem auch eine Kasel.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a> (Abb. 6-8) Die Antr\u00e4ge, die das MfDG vorab stellte, fielen unterschiedlich detailliert aus. Manche listen jedes gew\u00fcnschte Objekt mit Los-Nummer auf, in anderen F\u00e4llen werden nur pauschal Objektgruppen genannt. Zum Empfang der beantragten Devisen berechtigt war Rolf Kiau (1927-?), der damalige Direktor der Abteilung Sammlung des MfDG, der zusammen mit Eduard Ullmann auch bei der Auktion in K\u00f6ln vor Ort war. Der Gegenwert der beantragten Devisensumme sollte anschlie\u00dfend in Mark der DDR vom Konto des Museums abgebucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch zu dieser Auktion hat sich ein annotierter Auktionskatalog aus dem MfDG erhalten.<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Wie schon bei dem zuvor erw\u00e4hnten Exemplar der Galerie Rosen, wurde auch der Lempertz-Katalog durch die beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MfDG durchgearbeitet und am Rand mit Preisspannen versehen. Die Randnotiz an der vom MfDG erworbenen Kasel mit der Los-Nummer 592 ist nicht deutlich zu erkennen, k\u00f6nnte aber als \u201e2100\u201c gelesen werden.<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\">[15]<\/a> In diesem Fall l\u00e4ge der Kaufpreis von 2.200 D-Mark zzgl. 15% Aufgeld, den das MfDG zahlte, nur knapp dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass das MfDG in seiner Aufbauphase in den 1950er-Jahren auf dem westdeutschen Kunstmarkt mitmischte. Daf\u00fcr erhielt das Haus regelm\u00e4\u00dfig Valutamittel, auch wenn die Beschaffung dieser stets Schwierigkeiten bereitete. Gleichzeitig sahen die Verantwortlichen im Museum die Notwendigkeit, die Sammlungen mit Objekten aus dem Westen aufzubauen, um eine \u201enationale Kulturst\u00e4tte\u201c werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Provenienzforschung sind diese Ank\u00e4ufe aus dem westdeutschen Kunsthandel ebenfalls von Relevanz. So soll der oben erw\u00e4hnte Gerd Rosen beispielsweise B\u00fccher aus der SBZ bzw. aus der DDR \u00fcber die Grenze nach Westberlingeschmuggelt lassen haben.<a href=\"#_ftn16\" id=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Eine \u00dcberpr\u00fcfung der Provenienz von Objekten aus dieser Quelle ist also geboten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Schreiben des MfDG an den Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Hochschulwesen Gerhard Harig vom 12. Mai 1954, DHM-HArch, MfDG\/Rot\/470, o. Bl.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Schreiben Eduard Ullmans an Gerhard Harig vom 7.11.1952, BArch DR 3\/1481, Bl. 162-163.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Entwurf eines Schreibens des MfDG an den Ministerpr\u00e4sidenten der DDR Otto Grotewohl vom 10. Juni 1954, DHM-HArch MfDG\/Rot \/470, o. Bl. Das Schreiben datiert auf den 19. Juni 1954. Eine handschriftliche Bemerkung darauf gibt an, dass das Schreiben am 10. Juli 1954 abgesandt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Aktennotiz des Abteilungsdirektor Sammlung des MfDG, Rolf Kiau, vom 2. November 1955, DHM-HArch MfDG\/rot\/29, o. Bl.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Schreiben des Staatssekretariats f\u00fcr Hochschulwesen an das MfDG vom 26. M\u00e4rz 1956, DHM-HArch MfDG\/Rot\/470, o.Bl.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Zur Galerie Gerd Rosen s. Kohlhauer, Carl-Ernst: Gerd Rosen (1903-1961) \u2013 Antiquar Galerist und Auktionator in Berlin, in: Aus dem Antiquariat NF 9, (2011) Nr. 5, S: 199-218, hier S. 204; s. auch: Eintrag zur Galerie Gerd Rosen, Berlin in der Galerie des 20. Jahrhunderts in West-Berlin: <a href=\"https:\/\/www.galerie20.smb.museum\/kunsthandel\/K58.html\">https:\/\/www.galerie20.smb.museum\/kunsthandel\/K58.html<\/a> (letzter Zugriff: 24.03.2026)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Gerd Rosen Auktionen, Katalog zur Versteigerung XXVI., 5.-9. Mai 1956, Los-Nummer 3655, S. 150.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ebd., Los-Nummer 3650, S. 147.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Schreiben Eduard Ullmanns an die Abteilung Wissenschaftliche Bibliotheken, Museen und Hochschulfilm des Staatssekretariats f\u00fcr Hochschulwesen vom 11. Mai 1956, DHM-HArch MfDG\/Rot\/470, o. Bl.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Schreiben Eduard Ullmanns an das Staatssekretariat f\u00fcr Hochschulwesen vom 5. November 1957, DHM-HArch MfDG\/Rot\/025, Bl. 116.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> Kunsthaus Math. Lempertz, Katalog zur 448. Math. Lempertzschen Kunstversteigerung, 21.-25. November 1957.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a> Ebd., Los-Nummer 592, S. 63.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> Kohlhauer, Carl-Ernst: Gerd Rosen (1903-1961) \u2013 Antiquar Galerist und Auktionator in Berlin, in: Aus dem Antiquariat NF 9, (2011) Nr. 5, S: 199-218, hier S. 214.<\/p>\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div id=\"attachment_5837\" style=\"width: 177px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5837\" class=\"wp-image-5837 \" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Christopher_Juette_01_Kl-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"251\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Christopher_Juette_01_Kl-682x1024.jpg 682w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Christopher_Juette_01_Kl-200x300.jpg 200w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Christopher_Juette_01_Kl-768x1152.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Christopher_Juette_01_Kl-1024x1536.jpg 1024w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Christopher_Juette_01_Kl.jpg 1333w\" sizes=\"auto, (max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/><p id=\"caption-attachment-5837\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Thomas Bruns<\/p><\/div>\n<\/td>\n<td bgcolor=\"#becafa\">\n<h4 style=\"color: #000000; padding: 5px 10px 0px 10px;\">Christopher J\u00fctte<\/h4>\n<p style=\"color: #000000; padding: 0px 10px 5px 10px;\">Christopher J\u00fctte ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter f\u00fcr Provenienzforschung am Deutschen Historischen Museum mit dem Schwerpunkt Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und DDR.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Kunst gegen Devisen einmal andersherum \u2013 Die Ank\u00e4ufe des Museums f\u00fcr Deutsche Geschichte im bundesdeutschen Kunsthandel<span><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend der Aufbauphase des 1950 gegr\u00fcndeten Museums f\u00fcr Deutsche Geschichte (MfDG, die Sammlungen des MfDG wurden 1990 dem Deutschen Historischen Museum \u00fcbertragen) agierte das nationale Geschichtsmuseum der DDR auch als Akteur auf dem westdeutschen bzw. West-Berliner Kunstmarkt. Christopher J\u00fctte, wissenschaftlicher Mitarbeiter f\u00fcr Provenienzforschung am Deutschen Historischen Museum (DHM), geht diesen Erwerbungen des MfDG in seinem Beitrag nach.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":10639,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2762,1460,1976],"class_list":["post-10635","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inside-dhm","tag-deutsches-historisches-museum-de","tag-provenienzforschung","tag-tag-der-provenienzforschung"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10635"}],"version-history":[{"count":5,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10653,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10635\/revisions\/10653"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10639"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}