
{"id":1206,"date":"2017-09-29T13:19:27","date_gmt":"2017-09-29T11:19:27","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1206"},"modified":"2017-09-29T13:19:27","modified_gmt":"2017-09-29T11:19:27","slug":"erntefeste-und-erntedank","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2017\/09\/29\/erntefeste-und-erntedank\/","title":{"rendered":"Erntefeste und Erntedank"},"content":{"rendered":"<h1>Erntefeste und Erntedank<\/h1>\n<p><strong>Mit Beginn des Herbstes, in der Regel um das erste Oktoberwochenende herum, werden H\u00e4user und Stra\u00dfen in vielen Orten Deutschlands mit Obst, Gem\u00fcse und Getreide\u00e4hren geschm\u00fcckt. Strohpuppen zieren die Vorg\u00e4rten. In Trachten gekleidete Frauen, M\u00e4nner und Kinder ziehen ebenso geschm\u00fcckte Wagen und Schubkarren durch die Stra\u00dfen und feiern gemeinsam ein gro\u00dfes Fest. Hintergrund der oft mehrere Tage dauernden Veranstaltung ist das Erntedankfest, das in diesem Jahr auf den 1. Oktober f\u00e4llt.<\/strong><\/p>\n<h3>Erntefeste in verschiedenen Kulturen<\/h3>\n<p>Genug Nahrung zu haben, war schon immer wichtig f\u00fcr den Erhalt der Menschheit. Seit die Menschen sesshaft wurden und Ackerbau betrieben, hing ihre Existenz von einer guten Ernte ab. Dementsprechend hat es zu allen Zeiten in vielen Kulturen Feste gegeben, mit denen die Menschen G\u00f6ttern und D\u00e4monen f\u00fcr eine erfolgreiche Ernte dankten oder sie f\u00fcr eine bevorstehende Ernte g\u00fcnstig stimmen wollten.<\/p>\n<p>So fanden im alten \u00c4gypten Feiern zu Ehren des Pflanzen- und Fruchtbarkeitsgottes Min im Fr\u00fchjahr statt. Im Herbst veranstalteten die Griechen Feiern zu Ehren von Demeter, der G\u00f6ttin der Feldfr\u00fcchte, die R\u00f6mer zu Ehren der Getreideg\u00f6ttin Ceres. In alts\u00e4chsischen Siedlungsgebieten huldigten die Menschen Wotan alias Odin als Spender der Ernte. Oftmals waren diese Feste mit Opfergaben verbunden, die sich noch heute in Br\u00e4uchen zum Erntedankfest niederschlagen.<\/p>\n<p>Das Judentum kennt zwei Feste, an denen Gott f\u00fcr die Ernte gedankt wird: <a href=\"http:\/\/blog.juedisches-museum.org\/schawuot\/\" target=\"_blank\">Schawuot<\/a>, das Wochenfest nach der Getreideernte, wird im Mai\/Juni gefeiert. Beim <a href=\"http:\/\/www.jmberlin.de\/blog\/tag\/sukkot\/\" target=\"_blank\">Sukkot<\/a>, dem Laubh\u00fcttenfest nach der Weinlese im September\/Oktober, bitten die Menschen zugleich um neuen Regen und damit um ein weiteres fruchtbares Jahr. Und auch im Christentum sind Dankbarkeit und Sorge um eine gute Ernte fest verankert. Nicht ohne Grund hei\u00dft es im Vater Unser, dem wichtigsten christlichen Gebet: &#8222;Unser t\u00e4glich Brot gib uns heute \u2026&#8220;<\/p>\n<h3>Erntefeste und die Kunst<\/h3>\n<p>In bildlichen Darstellungen des Jahresverlaufs dominieren oft landwirtschaftliche Szenen oder Symbole. Nicht nur stellen Allegorien der Jahreszeiten den Sommer in der Regel mit Getreide und Fr\u00fcchten dar, den Herbst mit Weintrauben und Weinbl\u00e4ttern. In Kalendern und Jahreszyklen finden sich vor allem in den Monaten Juli bis September viele Erntemotive und damit verbundene Feste. So zum Beispiel auch auf einer Tafel der Augsburger Monatsbilder aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, die im Obergeschoss der <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1500-1650.html\" target=\"_blank\">Dauerausstellung<\/a> gezeigt wird: Im Juli sieht man M\u00e4nner und Frauen bei der Ernte. Einer der Erntehelfer hat seinen Hut mit Blumen geschm\u00fcckt. Daneben sieht man im August die Menschen bei Musik und Tanz, dar\u00fcber bei der Weinlese und im September beim Weinkeltern.<\/p>\n<div id=\"attachment_1212\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1212\" class=\"wp-image-1212 size-full\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/AugMonatsbildJulAugSep.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"616\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/AugMonatsbildJulAugSep.jpg 1000w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/AugMonatsbildJulAugSep-300x185.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/AugMonatsbildJulAugSep-768x473.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-1212\" class=\"wp-caption-text\">Augsburger Monatsbilder, Juli-August-September, um 1531 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Festmotive im Zusammenhang mit dem l\u00e4ndlichen Leben finden sich dar\u00fcber hinaus auf einem Tapetenzyklus mit Schweizer Motiven aus dem 19. Jahrhundert, der ebenfalls in der Dauerausstellung zu sehen ist. Auf einer der Tapetenbahnen ist eine Gruppe von M\u00e4nnern und Frauen bei der Heuernte zu erkennen. Einige von ihnen haben sich bereits zum festlichen Tanz zusammengefunden. Auf einer weiteren Tapetenbahn ist auch der feierliche Almabtrieb der K\u00fche dargestellt, der vom Tanz eines mit Blumen bekr\u00e4nzten Paares begleitet wird. Auch heute noch werden in Gebirgsgegenden zur Zeit des Erntedankfestes die Rinder, die den Sommer \u00fcber in den Bergen weiden, mit Glocken geschm\u00fcckt ins Tal getrieben.<\/p>\n<div id=\"attachment_1216\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1216\" class=\"size-full wp-image-1216\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/96005285.jpg\" alt=\"Tapetenzyklus &quot;La Grande Helv\u00e9tie&quot;, Ausschnitt : Fest zur Heuernte, Pierre Antoine Mongin, 1815\/1865 \u00a9 DHM\" width=\"520\" height=\"264\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/96005285.jpg 520w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/96005285-300x152.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><p id=\"caption-attachment-1216\" class=\"wp-caption-text\">Tapetenzyklus &#8222;La Grande Helv\u00e9tie&#8220;, Ausschnitt : Fest zur Heuernte, Pierre Antoine Mongin, 1815\/1865 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<h3>Erntedank im christlichen Jahreskalender<\/h3>\n<p>Urspr\u00fcnglich gab es im christlichen Europa keinen festen Termin f\u00fcr Erntedankfeste. Oftmals fanden entsprechende Festlichkeiten sogar mehrfach im Jahr statt. Der Grund daf\u00fcr war, dass die verschiedenen Frucht- und Getreidesorten auch zu unterschiedlichen Zeiten geerntet werden.<\/p>\n<p>Im Christentum waren die Festtermine oft mit Heiligentagen verkn\u00fcpft. So gab es Gegenden, in denen das gro\u00dfe Erntedankfest bereits am Bartholom\u00e4ustag (24.8.) oder am Tag des Heiligen \u00c4gidius (1.9.) gefeiert wurde. Andere feierten am ersten Sonntag nach Michaelis (29.9.) Erntedank, so dass das Fest meist auf das erste Oktoberwochenende fiel. Der Sonntag nach Michaelis wurde 1773 auch in Preu\u00dfen per Erlass als Termin f\u00fcr das Erntedankfest bestimmt. Inzwischen hat sich in Deutschland der erste Sonntag im Oktober als Festtermin eingeb\u00fcrgert. In Gegenden, in denen vor allem Wein angebaut wird, wie an der Mosel, feiern die Gemeinden aber oft erst im November.<\/p>\n<h3>Ernte und Dank heute<\/h3>\n<p>Heute sind Erntedankfeste f\u00fcr viele Menschen einfach eine weitere Gelegenheit zum ausgelassenen Feiern. Die alten Br\u00e4uche haben sich aber erhalten. Entsprechend einer langen christlichen Tradition beginnen die Festlichkeiten in der Regel mit Gottesdiensten oder Prozessionen. Die Umz\u00fcge mit geschm\u00fcckten Wagen erinnern auch heute noch an die fr\u00fcheren Opfergaben. Und das Festessen mit Tanz und Spiel entspricht dem Fest, das der Gutsherr fr\u00fcher als Dank f\u00fcr die Erntehelferinnen und Erntehelfer gab.<\/p>\n<p>In einer Zeit modernen Ackerbaus und globalen Handels merkt man in Europa kaum noch, welchen Schwankungen die regionale Ernte durch Unwetter oder andere \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse unterliegt. Hungersn\u00f6te hat es in Deutschland schon lange nicht mehr gegeben. Doch ein <a href=\"\/blog\/2016\/12\/05\/das-jahr-ohne-sommer\/\" target=\"_blank\">kompletter Ernteausfall<\/a> w\u00fcrde auch im heutigen Europa gro\u00dfe Probleme verursachen. Daher ist das Erntedankfest auch heute noch ein wichtiges Fest: Es erinnert daran, dass die Versorgung mit ausreichend Nahrungsmitteln keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Erntefeste und Erntedank<span><\/h2>\n<p>Mit Beginn des Herbstes, in der Regel um das erste Oktoberwochenende herum, werden H\u00e4user und Stra\u00dfen in vielen Orten Deutschlands mit Obst, Gem\u00fcse und Getreide\u00e4hren geschm\u00fcckt. Strohpuppen zieren die Vorg\u00e4rten. In Trachten gekleidete Frauen, M\u00e4nner und Kinder ziehen ebenso geschm\u00fcckte Wagen und Schubkarren durch die Stra\u00dfen und feiern gemeinsam ein gro\u00dfes Fest. Hintergrund der oft mehrere Tage dauernden Veranstaltung ist das Erntedankfest, das in diesem Jahr auf den 1. 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