
{"id":1230,"date":"2017-10-13T11:02:40","date_gmt":"2017-10-13T09:02:40","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1230"},"modified":"2017-10-16T09:48:38","modified_gmt":"2017-10-16T07:48:38","slug":"mata-hari-die-schoene-spionin","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2017\/10\/13\/mata-hari-die-schoene-spionin\/","title":{"rendered":"Mata Hari, die sch\u00f6ne Spionin"},"content":{"rendered":"<h1>Mata Hari, die sch\u00f6ne Spionin<\/h1>\n<p><strong>In unseren Tagen w\u00e4re sie vielleicht ein Youtube-Star: Mata Hari. <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/biografie-mata-hari.html\" target=\"_blank\">Margaretha Geertruide Zelle<\/a> 1876 im niederl\u00e4ndischen Leeurwarden geboren war als Mata Hari eine Meisterin darin, sich als Marke zu erfinden und zu verkaufen \u2013 eine Strategie, die bis heute nachwirkt. Auch heute, hundert Jahre nach ihrem Tod, ist sie noch ein Symbol f\u00fcr die Kombination aus Erotik und Spionage.<\/strong><\/p>\n<p>Alle Quellen sind sich einig und auch die Fotografien, die es von ihr gibt, lassen es erkennen: Mata Hari war eine sch\u00f6ne Frau mit dem gewissen Etwas. Einfallsreich erdachte sie sich einen Weg, ihre Sch\u00f6nheit und ihre Reize zum \u00dcberleben in einer von M\u00e4nnern dominierten Welt zu nutzen. Doch dieser Weg endete vor den Gewehrl\u00e4ufen franz\u00f6sischer Soldaten auf einem Feld in der N\u00e4he des Schloss Vincennes. Dort wurde sie am 15. Oktober 1917 als deutsche Spionin erschossen.<\/p>\n<p>Geboren wurde sie gut vierzig Jahre zuvor als Tochter eines Hutmachers, der durch Spekulationen immer wieder mal Zeiten des Wohlstands erlebte. Von ihrem Vater hatte sie ein gewisses schauspielerisches Talent mitbekommen \u2013 und vielleicht auch eines im Hochstapeln. Als es ihrem Vater schlie\u00dflich dauerhaft an Geld fehlte, sollte Margaretha auf eigenen Beinen stehen und mit 15 Jahren in einem p\u00e4dagogischen Institut Kindererziehung lernen, doch hatte sie daf\u00fcr nach Aussagen aller, die sie kannten, \u00fcberhaupt kein Talent.<\/p>\n<p>Es gab nur einen Ausweg aus dieser Situation: Eine Eheschlie\u00dfung mit einem wohlhabenden Mann. Margaretha antwortete auf eine Heiratsanzeige und heiratete den sehr viel \u00e4lteren Offizier Campbell MacLeod. Mit ihm ging sie in die niederl\u00e4ndische Kolonie Ostindien (Indonesien). Die indonesische Kultur sog sie fasziniert auf, doch die Ehe scheiterte. Von den zwei gemeinsamen Kindern starb noch eines aufgrund einer Vergiftung in Asien, das andere kehrte mit den Eltern 1903 nach Europa zur\u00fcck und lebte nach der Ehe-Scheidung beim Vater.<\/p>\n<h3>Erfolgreich Tr\u00e4ume verkaufen<\/h3>\n<p>Und was machte Margaretha? Sie ging nach Paris \u2013 ohne Geld, ohne Ausbildung, ohne Familie. Doch hier bewies sich ihr Talent. Sie erfand sich v\u00f6llig neu und wurde zu einer Kunstfigur: zu Mata Hari, einer Prinzessin aus Java. Mit ihrem neuartigen, exotisch anmutenden Schleiertanz, der die kolonialen, erotischen Phantasien der wei\u00dfen M\u00e4nner bediente, wurde sie in Paris bald ein Star. Ein paar Jahre konnte sie gut davon leben, zumal sich M\u00e4zene fanden, die sie auch au\u00dferhalb der B\u00fchne unterst\u00fctzten. Ihre Tanzart wurde bald von anderen Frauen kopiert. Mata Hari war mehr und mehr darauf angewiesen, auch ihre Gunst zu verkaufen.<\/p>\n<p>Als 1914 der <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/erster-weltkrieg.html\" target=\"_blank\">Erste Weltkrieg<\/a> begann, brach Mata Hari ihre Tournee in Deutschland ab. Als B\u00fcrgerin eines neutralen Staates konnte sie auch in den folgenden Jahren reisen und erschloss sich neue Geldquellen. Der franz\u00f6sische Geheimdienst warb Mata Hari im September 1916 als Spionin an \u2013 sie sollte deutschen Offizieren Geheimnisse entlocken. Doch l\u00e4ngst schon war die T\u00e4nzerin in den Diensten der Deutschen und horchte auch ihre Freunde bei den Alliierten aus. Im Februar 1917 wurde sie vom franz\u00f6sischen Milit\u00e4r verhaftet und nach einem Schnellprozess hingerichtet.<\/p>\n<h3>Als Traum gelebt \u2013 als S\u00fcndenbock gestorben<\/h3>\n<p>Die Berichte, die Mata Hari den Geheimdiensten lieferte, enthielten kaum verwertbare Informationen. Dennoch musste sie ihren Einsatz als Doppelagentin mit dem Leben bezahlen. Und ihr Tod sollte zugleich auch als symbolische Handlung dienen: Sie musste als Spionin sterben, um dem franz\u00f6sischen Volk Zuversicht zu geben. 1917 lief es f\u00fcr die franz\u00f6sische Armee nicht gut, die Fr\u00fchjahrsoffensiven am Chemin des Dames waren gescheitert, Meutereien hatten die Armee ersch\u00fcttert. Und noch immer war kein entscheidender Sieg und damit auch kein Ende des schon drei Jahre dauernden Krieges in Sicht. Spione und geheime Agenten, die im Untergrund unerkannt gegen Frankreich arbeiteten waren eine willkommene Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Misserfolg, die viele Anh\u00e4nger fand. Wie schon 1914 in den ersten Monaten des Krieges entwickelte sich in Frankreich 1917 eine paranoide Angst vor Spionen. Deswegen wurde Mata Hari nach einem eint\u00e4gigen Schnellverfahren verurteilt \u2013 alle sollten sehen, dass Frankreich gegen Spione vorging.<\/p>\n<p>Die Gefahr, die von Spionen ausging war keine reine Erfindung. Der Erste Weltkrieg war auch ein Krieg der Geheimdienste. Wie in jedem modernen Krieg konnten Informationen kriegsentscheidend sein. Mata Hari hatte f\u00fcr die Deutschen und f\u00fcr die Franzosen spioniert \u2013 auch das macht einen Teil der Faszination aus, die von ihr ausgeht. In ihrem Leben vermischten sich &#8222;sex and suspense&#8220;, Erotik und Spannung \u2013 eine Mischung, mit der heute noch Agentenfilme weltweit erfolgreich sind.<\/p>\n<p>Das Bild der verf\u00fchrerischen Spionin, die ein riskantes Leben zwischen den Fronten f\u00fchrte, erwies sich dann auch st\u00e4rker als der Tod. Erste Legenden entstanden unmittelbar nach ihrer Erschie\u00dfung: Dank ihrer Verf\u00fchrungskraft sei sie dem Tod entronnen, so hie\u00df es. Legend\u00e4r wurde sie jedoch durch die Filme, die nach dem Krieg ihr Leben erz\u00e4hlten: 1920 ein deutscher Stummfilm mit Asta Nielsen, 1927 ein deutscher Tonfilm. Weltber\u00fchmt wurde Mata Hari durch den <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/bestand\/objekt\/filmprogramm-zum-mgm-film-mata-hari-1932.html\" target=\"_blank\">Film von 1932<\/a>, in dem die &#8222;g\u00f6ttliche&#8220; <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/biografie-greta-garbo.html\" target=\"_blank\">Greta Garbo<\/a> die Spionin meisterhaft verk\u00f6rperte.<\/p>\n<div style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"http:\/\/www.dhm.de\/fileadmin\/medien\/lemo\/images\/d2a11625.jpg\" alt=\"Filmprogramm zum MGM-Film \" width=\"1024\" height=\"1384\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Filmprogramm zum MGM-Film &#8222;Mata Hari&#8220; mit Greta Garbo, Film-Kurier GmbH, Druck, Berlin, 1932 \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Immer wieder wurde Mata Haris Leben neu erz\u00e4hlt. 1964 von Francois Truffaut im Drehbuch f\u00fcr den Film <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/031122-000-A\/mata-hari-agent-h-21\/\" target=\"_blank\">&#8222;Mata Hari \u2013 Agent H21&#8220;<\/a>, der die fragile Pers\u00f6nlichkeit der von Jeanne Moreau gespielten Spionin in den Mittelpunkt stellte. 2017 wird sie als Frau dargestellt, die sich \u2013 genauso wie ihre Chefin im deutschen Geheimdienst, &#8222;Fr\u00e4ulein Doktor&#8220;, Elsbeth Schragm\u00fcller (1887-1940) \u2013 in einem M\u00e4nnerberuf durchsetzen muss, so etwa im Film <a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/unterhaltung\/film\/filme-im-ersten\/sendung\/mata-hari-tanz-mit-dem-tod-100.html\" target=\"_blank\">&#8222;Tanz in den Tod&#8220;<\/a>, der in diesem Sommer in der ARD lief.<\/p>\n<p>Fest steht jedenfalls: Auch hundert Jahre nach ihrem Tod ist sie immer noch eine Legende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Mata Hari, die sch\u00f6ne Spionin<span><\/h2>\n<p>In unseren Tagen w\u00e4re sie vielleicht ein Youtube-Star: Mata Hari. 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