
{"id":1289,"date":"2017-10-30T11:40:10","date_gmt":"2017-10-30T10:40:10","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1289"},"modified":"2019-04-16T14:00:56","modified_gmt":"2019-04-16T12:00:56","slug":"das-schiffsmodell-einer-luebecker-fleute","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2017\/10\/30\/das-schiffsmodell-einer-luebecker-fleute\/","title":{"rendered":"Das Schiffsmodell einer L\u00fcbecker Fleute"},"content":{"rendered":"<h1>Das Schiffsmodell einer L\u00fcbecker Fleute<\/h1>\n<p><strong>Dass sich in der Sammlung eines historischen Museums auch Modelle von Schiffen befinden, ist einleuchtend, wenn auch nicht unbedingt jedem gel\u00e4ufig. In unserer Reihe <a href=\"\/blog\/tag\/wozu-das-denn\/\" target=\"_blank\">&#8222;Wozu das denn?&#8220;<\/a> stellt Ausstellungskurator Thomas Eisentraut am Modell einer Fleute aus der Dauerausstellung exemplarisch die europ\u00e4ische Geschichte aus maritimer Perspektive dar. Welch wichtige Rolle das Meer in der europ\u00e4ischen Geschichte und im Selbstverst\u00e4ndnis der Europ\u00e4er spielt, zeigt das Deutsche Historische Museum ab Juni 2018 in seiner gro\u00dfen \u00dcberblicksausstellung <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/vorschau\/europa-und-das-meer.html\" target=\"_blank\">&#8222;Europa und das Meer&#8220;<\/a>.<\/strong><\/p>\n<p>Die Sammlung des Deutschen Historischen Museums verf\u00fcgt \u00fcber unterschiedliche Schiffsmodelle, die mit der maritimen Geschichte Deutschlands eng verbunden sind. F\u00fcr den einen oder anderen mag die unerwartete F\u00fclle an Schiffsmodellen zun\u00e4chst verwunderlich sein, doch Schiffe spielten durch alle Zeiten hindurch eine wichtige Rolle f\u00fcr die Entwicklung Deutschlands und Europas. Sp\u00e4testens seit dem Mittelalter war die Seefahrt ein unerl\u00e4sslicher Bestandteil des internationalen Handels. M\u00e4chtige Handelsb\u00fcndnisse wie die &#8222;Hanse&#8220; nutzten hierf\u00fcr Schiffe, vorzugsweise die Kogge oder Fleute.<\/p>\n<h3>Gro\u00dfe Schiffe = hohe Abgaben<\/h3>\n<p>Das um 1900 angefertigte Holzmodell einer Fleute zeigt einen ganz besonderen Schiffstyp, der die europ\u00e4ische Seefahrt langfristig revolutionierte. Die in den Niederlanden entwickelte Fleute war ein Spezialbau, der erstmals Ende des 16.\u00a0Jahrhunderts in den Schriftquellen \u00fcberliefert wurde. Mit seinen drei hohen Masten verf\u00fcgte das Schiff \u00fcber eine gro\u00dfe Segelfl\u00e4che, die eine hohe Geschwindigkeit erm\u00f6glichte. \u00dcber der langgestreckten jedoch bauchigen Rumpfform des Schiffes lag ein schmal geschnittenes Deck. Dieser besonderen Konstruktionsform lag ein wirtschaftlicher Anreiz zugrunde. In der Zeit von 1429 bis 1857 kostete die Passage durch den \u00d6resund Geld. Jedes Schiff musste f\u00fcr die Passage der Meerenge zwischen Nord- und Ostsee eine festgesetzte Abgabe entrichten, die in die Privatschatulle des d\u00e4nischen K\u00f6nigs floss. Bis 1669 berechnete sich diese Abgabe zum \u00fcberwiegenden Teil auf Grundlage der Quadratmetergr\u00f6\u00dfe des Schiffdecks. Ein bauchiges, jedoch an Deck schmal geschnittenes Schiff zahlte folglich weniger Abgaben als ein breiter konstruiertes (&#8222;trichterf\u00f6rmiges&#8220;) Schiff.<\/p>\n<p>Die Anfertigung von Schiffsmodellen hat eine lange Tradition. Ihr Zweck diente unterschiedlichen Funktionen. Zum einen waren sie als Anschauungsobjekt f\u00fcr Schiffbauer ein unerl\u00e4ssliches Instrument sowohl beim Bau als auch bei der Weitergabe von Wissen. Je nach Zweck gab es unterschiedliche Modellformen, die das Schiff verschieden darstellten. Dabei dominierten als Gattungen die sogenannten Rumpf-, Halb- und Vollmodelle. Zum anderen wurden Schiffsmodelle hergestellt, um einem m\u00f6glichen Geldgeber \u2013 vorrangig den K\u00f6nigen \u2013 Anschauungsbeispiele zu pr\u00e4sentieren und diese dadurch zum Bau anzuregen. Erst im Laufe des 17.\u00a0Jahrhunderts wurde es Brauch, die Schiffsmodelle ma\u00dfstabsgetreu zu bauen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1290\" style=\"width: 1130px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1290\" class=\"wp-image-1290 size-full\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-Fleute.jpg\" alt=\"Modell einer L\u00fcbecker Fleute, 1700\/1900 (Modell), 1726 (Original) \u00a9 DHM\" width=\"1120\" height=\"1078\" srcset=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-Fleute.jpg 1120w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-Fleute-300x289.jpg 300w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-Fleute-768x739.jpg 768w, \/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-Fleute-1024x986.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1120px) 100vw, 1120px\" \/><p id=\"caption-attachment-1290\" class=\"wp-caption-text\">Modell einer L\u00fcbecker Fleute, 1700\/1900 (Modell), 1726 (Original) \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<h2>Aussehen einer Fl\u00f6te<\/h2>\n<p>Der Bezeichnung des Schiffes als &#8222;Fleute&#8220; liegen unterschiedliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze zugrunde. Eine der verbreiteten Annahmen ist zugleich sehr augenscheinlich: Das Schiffsheck \u00e4hnelt mit seiner markanten Ausbuchtung \u00fcber dem Schiffsruder in seinem Aussehen dem Kopf einer Fl\u00f6te. Wahrscheinlich daher leitet sich der Name in seinen unterschiedlichen Schreibungen als &#8222;Fluite&#8220;, &#8222;Vliete&#8220; oder &#8222;Fleute&#8220; ab.<\/p>\n<p>Mit der Zeit \u00fcbernahmen viele europ\u00e4ische L\u00e4nder die Konstruktion der Fleute, die sich f\u00fcr den Transport schwerer und sperriger Ladung eignete. Einzelne Handelsst\u00e4dte, so auch L\u00fcbeck, bauten die Schiffe nicht selbst, sondern kauften diese stattdessen aus den Niederlanden oder weiteren L\u00e4ndern an. Im Laufe des 17.\u00a0Jahrhunderts dominierte die Fleute schlie\u00dflich die gesamte europ\u00e4ische Schifffahrt. Ausgehend von der Konstruktion der Fleute wurden sp\u00e4tere Kriegsschiffe wie die Fregatten und Linienschiffe des 18.\u00a0Jahrhunderts entwickelt.<\/p>\n<p>Heute befinden sich gr\u00f6\u00dfere Sammlungen von Schiffsmodellen in vielen europ\u00e4ischen Marine- und Schiffsmuseen, beispielsweise dem <a href=\"http:\/\/www.dsm.museum\/\" target=\"_blank\">Deutschen Schiffahrtsmuseum<\/a> (Bremerhaven), <a href=\"http:\/\/sdtb.de\/technikmuseum\/ausstellungen\/93\/\" target=\"_blank\">Deutschen Technikmuseum<\/a> (Berlin), <a href=\"http:\/\/www.deutsches-museum.de\/ausstellungen\/verkehr\/schifffahrt\/\" target=\"_blank\">Deutschen Museum<\/a> (M\u00fcnchen), <a href=\"http:\/\/www.imm-hamburg.de\/\" target=\"_blank\">Internationalen Maritimen Museum<\/a> (Hamburg), dem niederl\u00e4ndischen <a href=\"https:\/\/www.rijksmuseum.nl\/\" target=\"_blank\">Rijksmuseum<\/a> (Amsterdam), dem britischen <a href=\"http:\/\/collections.rmg.co.uk\/\" target=\"_blank\">National Maritime Museum<\/a> (London), dem polnischen <a href=\"http:\/\/www.de.nmm.pl\/\" target=\"_blank\">Nationalen Maritimen Museum in Gda\u0144sk<\/a> oder dem schwedischen <a href=\"http:\/\/www.maritima.se\/\" target=\"_blank\">Statens Maritima Museer<\/a> (Karlskrona, Stockholm).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Am 1. November 2017 um 18 Uhr erl\u00e4utert Thomas Eisentraut weitere Schiffsmodelle und die maritime Geschichte anhand ausgew\u00e4hlter Exponate in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/kalender\/terminansicht.html?tx_cal_controller[view]=event&amp;tx_cal_controller[type]=tx_cal_phpicalendar&amp;tx_cal_controller[uid]=3849&amp;tx_cal_controller[lastview]=view-list|page_id-45&amp;tx_cal_controller[year]=2017&amp;tx_cal_controller[month]=11&amp;tx_cal_controller[day]=01&amp;cHash=36ebf8ffc1cc71c366cd72e1a2c858fb\">&#8222;Fokus DHM: Jung&#8220;<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Das Schiffsmodell einer L\u00fcbecker Fleute<span><\/h2>\n<p>Dass sich in der Sammlung eines historischen Museums auch Modelle von Schiffen befinden, ist einleuchtend, wenn auch nicht unbedingt jedem gel\u00e4ufig. 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