
{"id":1343,"date":"2017-11-27T09:29:40","date_gmt":"2017-11-27T08:29:40","guid":{"rendered":"\/blog\/?p=1343"},"modified":"2018-01-25T10:26:31","modified_gmt":"2018-01-25T09:26:31","slug":"objekte-und-ihre-herkunft-zur-provenienzforschung-am-deutschen-historischen-museum","status":"publish","type":"post","link":"\/blog\/2017\/11\/27\/objekte-und-ihre-herkunft-zur-provenienzforschung-am-deutschen-historischen-museum\/","title":{"rendered":"Geschichte(n) aktuell: Objekte und ihre Herkunft"},"content":{"rendered":"<h1>Objekte und ihre Herkunft \u2013 zur Provenienzforschung am Deutschen Historischen Museum<\/h1>\n<p><strong>In der Diskussion um die Aufgaben von Museen kommt der Provenienzforschung, der Erforschung der Herkunft von Objekten, eine wichtige Rolle zu. Im Deutschen Historischen Museum ist sie Bestandteil der allt\u00e4glichen Sammlungsarbeit und wird gleichsam gesondert erforscht. Dabei ist ebenso wichtig wie die Kl\u00e4rung der Herkunftsverh\u00e4ltnisse von Objekten zwischen 1933 und 1945 die Zeit zwischen 1945 und 1989, w\u00e4hrend der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/sammlung-forschung\/sammlungen00\/zentrale-dokumentation\/kontakt.html\">Dr. Brigitte Reineke<\/a>, Leiterin des Bereichs Zentrale Dokumentation und Beauftragte f\u00fcr Provenienzforschung, gibt anl\u00e4sslich des Symposiums zur <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/kalender\/terminansicht.html?tx_cal_controller[view]=event&amp;tx_cal_controller[type]=tx_cal_phpicalendar&amp;tx_cal_controller[uid]=4061&amp;tx_cal_controller[lastview]=view-day|page_id-882&amp;tx_cal_controller[year]=2017&amp;tx_cal_controller[month]=11&amp;tx_cal_controller[day]=27&amp;cHash=4178b6fcd64bff794ab100e98a96d985\"><em>Provenienzforschung zur SBZ und DDR<\/em><\/a> einen Einblick in die Herausforderungen der Provenienzforschung am Deutschen Historischen Museum.<\/strong><\/p>\n<p>Das Deutsche Historische Museum, wie wir es heute mit einem Gesamtbestand von rund einer Million Objekten kennen, beherbergt neben seiner seit 1987 aufgebauten Sammlung die gro\u00dfen Sammlungsteile aus der Anfangszeit des Zeughauses im 18. Jahrhundert wie auch aus dem nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebauten Geschichtsmuseum der DDR, dem Museum f\u00fcr Deutsche Geschichte (MfDG). So vielschichtig die wechselvolle Geschichte des Hauses ist, so komplex sind daher auch die Fragen nach der Herkunft der Objekte im heutigen Gesamtbestand. Die Beantwortung dieser unterschiedlichsten Fragen ist Kern der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/sammlung-forschung\/forschung\/provenienzforschung.html\">Provenienzforschung<\/a>.<\/p>\n<p>Provenienzforschung beginnt mit der Forschung nach der Herkunft eines Objektes, mit seinem urspr\u00fcnglichen Herstellungs- und Gebrauchszusammenhang, und ist deshalb auch immer genuine Arbeit in den Sammlungen. Es schlie\u00dfen sich Fragen nach dem Weg der Objekte vom Hersteller oder erstem Eigent\u00fcmer bis zum Museumserwerb an, mit dem Ziel, Hinweise auf unrechtm\u00e4\u00dfigen Entzug des Objektes vom rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmer auszuschlie\u00dfen oder zu finden.<\/p>\n<p>Aufgrund seiner eigenen Geschichte befasst sich die Provenienzforschung im Deutschen Historischen Museum nicht nur mit m\u00f6glichen Enteignungen in der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1933-1945.html\">NS-Zeit<\/a> zwischen 1933 und 1945, sondern ebenso mit denen in der Zeit der Bodenreform zwischen 1945 und 1949 und w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/ausstellungen\/dauerausstellung\/epochenbereiche\/1949-1994.html\">DDR<\/a>. Gerade die Sammlungsspezifika des Deutschen Historischen Museums in seiner Gesamtheit machen uns jedoch die Antworten bzw. die Suche nach den Antworten schwer: Die Recherchen richten sich nicht nur auf Objekte, f\u00fcr die zumindest eine erkennbare Autorschaft existiert wie z.B. auf Gem\u00e4lde oder Skulpturen, sondern besonders auch auf Objekte der Alltagskultur, deren Herkunft kaum nachvollziehbar ist und von denen mehrheitlich weder der Verk\u00e4ufer oder Schenker noch der Hersteller bekannt ist.<\/p>\n<p>Die Recherche in den vorhandenen Inventarb\u00fcchern wirft oftmals mehr Fragen auf, als beantwortet werden k\u00f6nnen. Begrifflichkeiten sind heute nicht mehr klar verst\u00e4ndlich, vielleicht waren sie aber auch absichtlich zur Verschleierung gew\u00e4hlt: Was ist eine \u00dcberweisung im Unterschied zu einer \u00dcbernahme? Oder eine \u00dcbergabe? Meint dies die \u00dcbertragung des Eigentums von einer zur anderen staatlichen Institution? Wo waren die Dinge davor? Gibt es Kunstgegenst\u00e4nde aus Enteignungen, die als \u00dcberweisung deklariert und die damit verschleiert wurden? Aus diesen unklaren Angaben ergeben sich weiterf\u00fchrende Fragen: Haben Verk\u00e4ufer die Provenienz der Objekte \u00fcberhaupt nachvollziehbar angegeben? Gibt es weitere Vorbesitzer, so dass sich die Objektwege nachvollziehen lassen?<\/p>\n<p>Recherchen nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut m\u00fcssen sammlungs\u00fcbergreifend und systematisch angestellt werden. Was hei\u00dft das genau f\u00fcr ein Museum, das erst 1987 gegr\u00fcndet wurde und deshalb auf den ersten Blick unbelastet erscheint? Das Museum hat viele Objekte, insbesondere k\u00fcnstlerische Werke wie graphische Bl\u00e4tter, Gem\u00e4lde oder Plakate, beispielsweise \u00fcber Auktionen oder im Kunsthandel erworben. Hier muss nun nachtr\u00e4glich gekl\u00e4rt werden, welche Eigent\u00fcmer die Gegenst\u00e4nde vor dem Erwerb, insbesondere in der Zeit der Naziherrschaft, besa\u00dfen. Auch wenn der Erwerb in gutem Glauben geschehen sein mag, besteht die Verpflichtung, den Objektweg vor dem Zugang zum Museum zu erforschen, um nicht unwissentlich in den Besitz von enteignetem Kulturgut gekommen zu sein. So werden in einem Forschungsprojekt, gef\u00f6rdert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, derzeit systematisch die nach 1987 vom Deutschen Historischen Museum in Auktionen und im Kunsthandel erworbenen Gem\u00e4lde von einer Spezialistin f\u00fcr Provenienzforschung untersucht.<\/p>\n<div id=\"attachment_1325\" style=\"width: 2813px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1325\" class=\"size-full wp-image-1325\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Gm-2000_18.jpg\" alt=\"Beschriftung auf der R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes von Peter Janssen\/Die Schlacht bei Hohenfriedberg am 04. Juli 1745 (Inv.Nr. Gm 2000\/18) \u00a9 DHM\" width=\"2803\" height=\"3545\" \/><p id=\"caption-attachment-1325\" class=\"wp-caption-text\">Beschriftung auf der R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes von Peter Janssen\/Die Schlacht bei Hohenfriedberg am 04. Juli 1745 (Inv.Nr. Gm 2000\/18) \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Ebenso werden die Wege von Objekten in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erforscht. Vom ersten Tag der \u00dcbernahme der Sammlungen des Museums f\u00fcr Deutsche Geschichte hat diese Facette der Provenienzforschung die Museumsmitarbeiterinnen und \u2013mitarbeiter des DHM gefordert. Es wurden Antr\u00e4ge auf Restitution an das Museum von nachweislich rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmern gestellt, parallel konnten aufgrund von Eintr\u00e4gen in Inventarb\u00fcchern oder Hinweisen an den Objekten selber ihre urspr\u00fcngliche Herkunft aufgedeckt werden. Bereits seit den fr\u00fchen 1990er Jahren konnte das DHM so viele Objekte aufgrund von eigenen Recherchen an andere Museen wie auch an Privateigent\u00fcmer zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<div id=\"attachment_1325\" style=\"width: 2813px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1325\" class=\"size-full wp-image-1325\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/KASS1573-2.jpg\" alt=\"Karteikarte von Sammlungsobjekten des MfDG aus Privateigentum, die w\u00e4hrend der Bodenreform enteignet wurden und sp\u00e4ter restituiert wurden \u00a9 DHM\" width=\"2803\" height=\"3545\" \/><p id=\"caption-attachment-1325\" class=\"wp-caption-text\">Karteikarte von Sammlungsobjekten des MfDG aus Privateigentum, die w\u00e4hrend der Bodenreform enteignet wurden und sp\u00e4ter restituiert wurden \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n<p>Ebenso wie die R\u00fcckf\u00fchrung von Objekten an ihre rechtm\u00e4\u00dfigen Erben, ist auch die R\u00fcckf\u00fchrung von Objekten in die Sammlungen des Deutschen Historischen Museums Teil unserer Provenienzforschung: So konnten einige Objekte des ehemaligen Zeughauses durch Forschungen in anderen Sammlungen deutscher Museen wiederentdeckt werden und sind in der Nachfolge der urspr\u00fcnglichen Sammlung des Zeughauses heute in der umfangreichen und vielschichtigen Sammlung des Deutschen Historischen Museums f\u00fcr folgende Generationen bewahrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1325\" style=\"width: 2813px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1325\" class=\"size-full wp-image-1325\" src=\"\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/K1000855-3.jpg\" alt=\"Aus ehemaligem Zeughaus-Bestand an das DHM restituiertes Gem\u00e4lde von Wilhelm Alexander Meyerheim (Inv.Nr. ZH 1990\/50) \u00a9 DHM\" width=\"2803\" height=\"3545\" \/><p id=\"caption-attachment-1325\" class=\"wp-caption-text\">Aus ehemaligem Zeughaus-Bestand an das DHM restituiertes Gem\u00e4lde von Wilhelm Alexander Meyerheim (Inv.Nr. ZH 1990\/50) \u00a9 DHM<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<h2><span>Objekte und ihre Herkunft \u2013 zur Provenienzforschung am Deutschen Historischen Museum<span><\/h2>\n<p>In der Diskussion um die Aufgaben von Museen kommt der Provenienzforschung, der Erforschung der Herkunft von Objekten, eine wichtige Rolle zu. Im Deutschen Historischen Museum ist sie Bestandteil der allt\u00e4glichen Sammlungsarbeit und wird gleichsam gesondert erforscht. Dabei ist ebenso wichtig wie die Kl\u00e4rung der Herkunftsverh\u00e4ltnisse von Objekten zwischen 1933 und 1945 die Zeit zwischen 1945 und 1989, w\u00e4hrend der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Dr. Brigitte Reineke, Leiterin des Bereichs Zentrale Dokumentation und Beauftragte f\u00fcr Provenienzforschung, gibt anl\u00e4sslich des Symposiums zur <em>Provenienzforschung zur SBZ und DDR<\/em> einen Einblick in die Herausforderungen der Provenienzforschung am Deutschen Historischen Museum.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1355,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1187,543,1183,1185],"class_list":["post-1343","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichten-aktuell","tag-ddr","tag-ns-zeit","tag-provenienz","tag-restitution"],"_links":{"self":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1343"}],"version-history":[{"count":10,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1343\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1482,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1343\/revisions\/1482"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1355"}],"wp:attachment":[{"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}